Orthopädische Gelenk-Klinik

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Spinalkanalstenose: Verengung des Rückenmarks der Wirbelsäule

  1. Was ist eine Wirbelkanalstenose oder Spinalkanalstenose?
  2. Symptome: Wie äußert sich eine Wirbelkanalstenose?
  3. Ursachen: Wie entsteht eine Wirbelkanalstenose?
  4. Diagnose der Verengung des Spinalkanals
  5. Konservative Therapie der spinalen Stenose
  6. Operation der Spinalkanalstenose
Spinalkanalstenose durch BandscheibenvorfallEin häufiger Auslöser für eine Spinalkanalstenose ist der Bandscheibenvorfall. Dabei rutscht der Bandscheibenkern aus seiner Hülle in den Wirbelkanal. © wildpixel, iStock

Eine Spinalkanalstenose ist eine Einengung des Wirbelkanals. Im Wirbelkanal verläuft das Rückenmark. Bei einer Wirbelkanalstenose drücken knöcherne Auswüchse und/oder Weichteile, beispielsweise eine Bandscheibe, auf das Rückenmark. Der Druck auf die Nerven, die dadurch nicht mehr genügend Platz haben, verursacht die Beschwerden.

Die Folgen der spinalen Stenose sind ausstrahlende Schmerzen in Arme oder Beine, Gangstörungen oder Störungen der Feinmotorik. Unsere Patienten erleben in ihrem Alltag einen zunehmend eingeschränkten Bewegungsradius. Häufig tritt die Spinalkanalstenose in der Lendenwirbelsäule zwischen den Wirbeln L 4/5 oder in der Halswirbelsäule (HWS) auf.

Was ist eine Wirbelkanalstenose (Spinalkanalstenose)?

SpinalkanalstenoseSpinalkanalstenose – das ist eine Einengung des Nervenkanals in der Wirbelsäule. Die Abbildung zeigt eine Foraminalstenose, also eine Einengung des Rückenmarksnerven an der Austrittsstelle. Schmerzen, Taubheit und Brennen in der von dem eingeklemmten Nerven versorgten Körperregion sind die Folge. © Viewmedica

Die Wirbelsäule des Menschen ist komplex aufgebaut. Während die Hauptlast auf den vorne liegenden Wirbelkörpern und den Bandscheiben ruht, gewährleisten die hinten liegenden Wirbelgelenke (Facettengelenke) die Bewegungsführung. Den Kanal, den die aufeinander aufbauenden Wirbel bilden, nennt man Spinalkanal. In ihm verläuft das von mehreren Rückenmarkshäuten geschützte Rückenmark bzw. im Lendenwirbelbereich nur noch die gebündelten Nervenwurzeln. Diese verlassen auf jeder Bandscheibenhöhe paarweise links und rechts die Wirbelsäule durch Nervenfenster, sogenannte Neuroforamina.

Eine Spinalkanalstenose ist eine Einengung des Wirbelkanals. Es entsteht auf diesen Teil des Zentralnervensystems sowie auf alle darin verlaufenden Nerven ein schmerzhafter Druck. Neben dem Rückenmark können auch die Neuroforamina von einer Einengung betroffen sein.

Wichtige Begriffe

Eine Spinalkanalstenose ist eine physische Einengung des als Rückenmark in den Spinalkanal ausgelagerten Teils des zentralen Nervensystems.

Eine Foraminalstenose ist eine Einengung eines Rückenmarksnerven an der als Foramen bezeichneten Austrittsstelle des Nerven aus dem Spinalkanal.

Das Wirbelgleiten (Spondylolisthesis) ist eine Überbeweglichkeit von Wirbelkörpern, die sich gegeneinander verschieben, was zu einer Einengung (Stenose) des Wirbelkanals führt.

Die Radikulopathie ist eine Schädigung der Nervenwurzeln durch eine Einengung des Foramens (Nervenaustrittsstelle aus dem Wirbelkanal).

Der Druck auf die Nerven, die dadurch nicht mehr genügend Platz haben, verursacht eine Vielzahl von Beschwerden. Diese Beschwerden sind für betroffene Patienten als lokale Rückenschmerzen im Bereich der Wirbelsäule, aber auch als ausstrahlende Schmerzen in den Gliedmaßen spürbar.

Die Beschwerden unserer Patienten unterscheiden sich je nach dem Ort der Einengung des Wirbelkanals. Als Ort bezeichnet man dann die einzelnen Wirbelsäulensegmente. Meist sind bei unseren Patienten entweder Segmente der Halswirbelsäule (HWS) oder der stark belasteten Lendenwirbelsäule (LWS), insbesondere zwischen den Wirbeln L 4/5, betroffen. Das Beschwerdebild hängt davon ab, welche Körperteile von dem eingeengten Segment des Rückenmarks oder den komprimierten Nerven versorgt werden. Bewegungsstörungen, Reflexstörungen, aber auch Gefühlsstörungen, Schmerzen und Taubheit treten als mögliche Symptome dieser spinalen Stenose auf.

Patienten mit Wirbelkanalstenose erhalten häufig keine angemessene Diagnose und Therapie

Aufbau der WirbelsäuleAufbau der Wirbelsäule: Die wichtigen Nerven des Rückenmarks verlaufen im Spinalkanal. Durch die einzelnen Foramina treten die Nervenwurzeln aus dem Rückenmark aus und versorgen bestimmte Segmente oder Gliedmaßen des Körpers. Je nachdem, welche Segmente des Rückenmarks oder der Austrittsstellen von einer Einengung (Stenose) betroffen sind, treten die Schmerzen oder Ausfälle durch Ausstrahlung in einer anderen Region des Körpers auf. © Viewmedica

Wir wollen im folgenden Artikel die Einengung des Rückenmarks (Spinalkanalstenose) und der Rückenmarksnerven (Foraminalstenose) genauer verstehen.

Warum sind die Symptome (Krankheitszeichen) der Wirbelkanalstenose so vielfältig?

Auch der Ort und die konkreten Ursachen der Stenose des Rückenmarks sind sehr unterschiedlich. Eine Diagnose und Behandlung der Wirbelkanalstenose ist also nach gründlicher neurochirurgischer und bildgebender Untersuchung immer eine Einzelfallbetrachtung.

Das erschwert häufig die Diagnose und die angemessene Behandlung der Rückenmarkstenose. In den allermeisten Fällen ist Physiotherapie und Schmerztherapie hinreichend als Therapie der Rückenmarksstenose.

Wenn eine Überbeweglichkeit (Wirbelgleiten oder Spondylolisthesis) der Wirbelkörper ursächlich ist, ist eine operative Dekompression des Rückenmarks erforderlich. Wir bemühen uns in der operativen Therapie aufgrund langjähriger Erfahrung vor allem um moderne beweglichkeitserhaltende Methoden.

Wirbelgleiten als Ursache für eine SpinalkanalstenoseDas Wirbelgleiten ist eine der Hauptursachen für die Stenose oder Einengung des Rückenmarks. Häufig sind konservative Behandlungen wie Physiotherapie und physikalische Therapie ausreichend zur Versorgung dieser Instabilität der Wirbelsäule. In einigen Fällen muss das Wirbelgleiten aber operativ gestoppt werden. © Gelenk-Klinik

Die häufig als letztes Mittel angebotene Versteifung (Spondylodese) der betroffenen Wirbelsegmente hat den Nachteil, dass die dynamische Beweglichkeit der Wirbelsäule nicht in allen Segmenten erhalten bleibt. Beweglich versteifende Methoden reduzieren die Beweglichkeit nur teilweise. Die Gesamtfunktion der Wirbelsäule bleibt weitgehend erhalten. Die Überlastung der angrenzenden Bezirke mit möglichen Folgeschäden wollen wir möglichst vermeiden.

Symptome: Wie äußert sich eine Wirbelkanalstenose?

Vergleichbar mit einem verengten Rohr ist der Durchfluss der Nervenimpulse gestört. Für den Patienten bedeutet das neben Rückenschmerzen und Beinschmerzen, dass längere Belastungen nicht mehr möglich sind oder umgekehrt ausgedrückt, dass die körperliche Belastbarkeit abnimmt. Dies äußert sich insbesondere in der Reduktion der möglichen Gehstrecke. Der Betroffene muss öfters Steh- oder Sitzpausen vornehmen. Daher wird die Spinalkanalstenose auch als wirbelsäulenbedingte Schaufensterkrankheit (Claudicatio spinalis) bezeichnet. Zusätzlich können Sensibilitätsstörungen sowie Lähmungen der Beine auftreten.

Claudicatio spinalis: rasche Zunahme von Schmerzen in den Beinen

Symptome:

  • Rückenschmerzen (Lumbago)
  • in die Beine ausstrahlende Schmerzen
  • zunehmende Schmerzen beim Gehen
  • Muskelkrämpfe in den Beinen
  • sofortiges Nachlassen der Schmerzen durch Hinsetzen oder vornübergebeugtes Abstützen
  • Taubheit und Koordinationsstörungen der Beine
  • Gangunsicherheit
  • ziehende Schmerzen an Vorder- und Rückseiten der Beine

Leitsymptom der Spinalstenose ist die rasche Zunahme von Schmerzen in den Beinen beim Stehen und Gehen. Durch Hinsetzen oder Abstützen bei vornübergebeugtem Oberkörper lassen diese typischen Nervenschmerzen häufig rasch nach.

Die Auswirkungen der Spinalstenose können sich von einem zum anderen Patienten sehr deutlich unterscheiden.

Verwechslung mit peripheren Durchblutungsstörungen (pAVK)

Art und Ort der Rückenmarkskompression können sehr unterschiedlich sein. Entsprechend unterscheiden sich häufig auch die Krankheitszeichen, Schmerzen oder Bewegungsstörungen.

Diese Stenoseschmerzen mindern die maximal verfügbare Gehstrecke: Der Patient verschafft sich Erleichterung durch Hinsetzen und Ausruhen. Dann lassen die Schmerzen wieder nach. Diese Symptome sind den peripheren Durchblutungsstörungen (pAVK) sehr ähnlich. Auch Verwechslungen mit anderen Krankheitsbildern sind durchaus häufig, sodass Patienten mit Wirbelkanalstenose häufig nicht die geeignete Therapie erhalten. Deswegen wird die spinale Stenose oft mit der Schaufensterkrankheit (pAVK oder periphere arterielle Verschlusskrankheit) verwechselt.

Symptome der lumbalen Spinalstenose

Symptome:

  • Rückenschmerzen mit Ausstrahlung in die Beine
  • Versteifung der Lendenwirbelsäule
  • Muskelverspannungen im Rücken
  • Gefühlsstörungen in den Beinen
  • Muskelschwäche in den Beinen, Einschränkung der maximalen Gehstrecke durch Schmerzen
  • Missempfindungen wie Ameisenlaufen, brennende Schmerzen, Taubheit und Gefühlsstörungen der Fußsohlen
  • Verlust der Kontrolle über Stuhlgang und Harn
  • Störung des Sexuallebens

Eine spinale Stenose tritt meist im Bereich der Lendenwirbel L 4/5 als lumbale Stenose auf. Daher führt die Stenose oft zu Schmerzen im unteren Rücken (Lendenwirbelsäule) und in den Beinen – dem Versorgungsgebiet der Spinalnerven der Lendenwirbelsäule. Neben Schmerzen können zudem ausstrahlende Bewegungsstörungen auftreten. Der stetige Druck des verengten Wirbelkanals auf das Rückenmark stört den Fluss der Nervenimpulse ins Bein. Besonders beim Gehen bauen sich Schmerzen auf und werden von Schritt zu Schritt schlimmer. Auch krampfartige Schmerzen in den Waden treten auf.

MRT einer lumbalen SpinalkanalstenoseMRT-Bild einer lumbalen Spinalkanalstenose: Die Einengung des Rückenmarks in drei Segmenten der Lendenwirbelsäule ist mit gelben Pfeilen markiert. © Gelenk-Klinik

Wenn der Patient sich nach vorne beugt und mit den Armen abstützt, verschafft das der eingeengten Lendenwirbelsäule Erleichterung. Die Schmerzen lassen in der Beugung schlagartig nach.

Beim Gehen muss also bereits nach kurzer Strecke eine Pause eingelegt werden. Die Einengung der Wirbelsäule kann zudem zu Sensibilitätsstörungen (Taubheit oder Gefühlsstörungen) führen: Die Beine und Füße werden taub und der Gang wird zunehmend unsicher. Die Muskeln werden schwach und schmerzhaft und scheinen nicht mehr zu gehorchen. Es fällt den Patienten zunehmend schwer, das Gleichgewicht zu halten. Bleibt die Spinalkanalstenose unbehandelt, kann sogar eine Querschnittslähmung die Spätfolge sein.

Spinalkanalstenose der Halswirbelsäule (HWS)

Symptome:

  • Nackenschmerzen und Muskelverspannungen im Nacken
  • ausstrahlende und teilweise brennende Schmerzen in Schultern und Armen
  • Taubheitsgefühle und "Ameisenlaufen" in Armen und Händen
  • Störungen der Feinmotorik
  • Schwäche der Armmuskeln

Die Verengung des Rückenmarks der Halswirbelsäule (HWS) verursacht Symptome im Bereich des Gesichts, der Schulter, der Arme und Hände. Unsere Patienten berichten starke Nackenschmerzen oder Schulterschmerzen. Die Sensibilität und Geschicklichkeit der Hände kann stark nachlassen. Das Ergreifen kleiner Gegenstände wie Nadeln ist erschwert. Vor allem bei vielen alltäglichen Verrichtungen wie dem Zuknöpfen von Hemden oder Aufdrehen von Schraubverschlüssen zeigt sich die Störung der Feinmotorik und der Kraft in den Händen.

Ursachen: Wie entsteht eine Spinalkanalstenose?

Ursachen der Spinalkanalstenose:

  • Knochenverdickungen und -anbauten im Spinalkanal
  • Arthrose der Facettengelenke mit Größenzunahme (Facettenhypertrophie)
  • Verdickungen von Bändern der Wirbelsäule (Flavumhypertrophie)
  • verdickte Gelenkanteile mit Hohlraumanteilen (Synovialzysten)
  • chronische Bandscheibenvorfälle
  • Wirbelgleiten (Spondylolisthesis)

Angeborene Wirbelkanalstenose:

Sehr selten ist die Spinalkanalstenose angeboren. In diesen Fällen sind die Knochen zwischen Wirbelkörper und Facettengelenk (Wirbelgelenk) zu kurz. Dadurch wird der Spinalkanal zu eng. Die seltene angeborene Form der spinalen Stenose kann bereits bei sehr jungen Patienten Beschwerden verursachen.

Die Spinalkanalstenose verengt meistens das Rückenmark im Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS). Die Lendenwirbelsäule trägt beim aufrechten Gang, vor allem aber auch beim Sitzen, die größte Last des Körpergewichtes.

In vielen Fällen ist aber auch die Halswirbelsäule betroffen.

Bei älteren Patienten über 50–60 Jahre verursachen oftmals verschlissene Bandscheiben die Wirbelkanalstenose. Durch Verschleiß und Dehydratation (Verlust an formgebendem Wasserinnendruck) verlieren die Bandscheiben deutlich an Höhe. Die Hülle der Bandscheiben (Anulus fibrosus) wölbt sich vor und kann das Rückenmark im Spinalkanal schmerzhaft komprimieren. Das Bandscheibenfach verliert an Höhe und die Wirbelkörper werden überbeweglich.

MRT Bild einer zervikalen SpinalkanalstenoseMRT-Bild einer zervikalen (in der Halswirbelsäule lokalisierten) Spinalkanalstenose. Die Einengung des Rückenmarks in drei Segmenten ist mit gelben Pfeilen markiert. © Gelenk-Klinik

Mit den degenerativen Veränderungen an den Wirbelkörpern gehen auch Knochenanbauten (Spondylophyten) einher. Diese Knochenanbauten können sowohl an den Wirbelgelenken als auch an den Wirbelbögen lokalisiert sein. Sie engen den nervenleitenden Wirbelkanal oftmals erheblich ein.

Bereits bei jüngeren Patienten ab 30 Jahren kann die Spinalkanalstenose auftreten. Hier sind meistens – aufgrund der zunehmend sitzenden Lebensweise – degenerierte und dadurch instabile Bandscheiben die Ursache. Wenn sich die Bandscheiben vorwölben, können Sie den Wirbelkanal von vorne einengen.

Bei den meisten Patienten mit Wirbelkanalstenose spielen beide Ursachen gleichzeitig eine Rolle.

Die spinale Stenose ist daher eine Folge der natürlichen Alterung der Wirbelsäule im Bereich der Hals- und Lendenwirbel. Durch Anbau von Knochenspornen und durch hypertrophe Versteifung (Knochenwucherungen) der Facettengelenke versucht der Körper, die durch die fehlende Bandscheibenfunktion verloren gegangene Stabilität wiederherzustellen. In manchen Fällen führt diese eigentlich gutartige Einsteifung der Wirbelsäule aber zu einer Einschränkung der Funktion des Nervensystems. Dabei ist nicht jede radiologisch sichtbare Einengung wirklich klinisch bedeutsam oder sogar therapiebedürftig.

Diagnose der Verengung des Spinalkanals

Wirbelgleiten und Degeneration der WirbelkörperWirbelgleiten und Degeneration der Wirbelkörper sind häufig Folgen der Bandscheibendegeneration. Dehydrierte Bandscheiben stabilisieren die Wirbelkörper nicht mehr und es entsteht Wirbelsäulenarthrose. Spondylophyten (Knochenanbauten der Wirbelkörper) und Arthrose der Facettengelenke engen das Rückenmark ein. © Gelenk-Klinik

An erster Stelle steht eine ausführliche Anamnese und eine gründliche Untersuchung des Patienten. Dabei kommen auch Vorerkrankungen zur Sprache. Seit wann bestehen die Schmerzen? Wo tut es weh? Welche Schmerzqualität liegt vor? Bestehen Lähmungen und Bewegungseinschränkungen? Ist die Blasenkontrolle oder der Stuhlgang beeinträchtigt?

Eine neurologische Untersuchung ist ebenfalls Bestandteil der Diagnosestellung und gibt Hinweise auf die Höhe und Lage der Spinalkanalstenose.

Die Diagnose der Wirbelkanalstenose ist ein schwieriges Gebiet. Unerlässlich ist – neben der obligatorischen Röntgenuntersuchung – eine Magnetresonanztomografie (MRT).

Die MRT zeigt die meist typische Vorwölbung der höhenverminderten, dehydrierten Bandscheibe in den Spinalkanal hinein. Oft findet der untersuchende Arzt in den Wirbelsegmenten L3/L4 oder L4/L5 die entsprechenden Engstellen. Manchmal sind auch mehrere Stenosen sichtbar. Nur durch genaue Abstimmung der radiologischen Befunde mit den Ergebnissen der neurochirurgischen Untersuchung lässt sich die klinische Relevanz der sichtbaren Engstellen deuten. Häufig zeigen sich im Bild sichtbare Engstellen noch ohne klinischen Befund oder Symptome.

Welche radiologischen Zeichen beachtet der untersuchende Arzt besonders?

  • Engstellen im Spinalkanal
  • Verdickung (Hypertrophie) der durch die Bandscheibenschrumpfung zunehmend überlasteten, arthrotischen Facettengelenke
  • Auftreten von Spondylophyten als Zeichen der segmentalen Instabilität
  • Bandscheibenvorwölbungen in den Spinalkanal als Folge der zunehmenden Dehydratation der Bandscheibe
  • Überbeweglichkeit (Spondylolisthesis) der Wirbelkörper (bei Aufnahmen in Beuge- und Streckstellung der Wirbelsäule)
  • Verdickung des Längsbandes der Wirbelsäule (Ligamentum flavum)

Nach der genauen neurologischen und neurochirurgischen Diagnostik sollte auch eine mögliche Beteiligung des Gefäßsystems durch die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) ausgeschlossen werden.

neurologische und neurochirurgische UntersuchungEine umfassende neurologische und neurochirurgische Untersuchung schafft die Grundlage für die Interpretation der Bildgebung. Ohne die genaue Untersuchung von Schmerzen, Ausfällen, Gefühlsstörungen und Reflexen kann man nicht sagen, welche der radiologisch gefundenen spinalen Stenosen ursächlich für die Beschwerden ist. Häufig haben in der Bildgebung sichtbare Einengungen keine direkten Auswirkungen auf das Wohlbefinden des Patienten. © Gelenk-Klinik

Konservative Therapie der spinalen Stenose

In vielen Fällen hat eine spinale Stenose keine direkten Folgen für das Wohlbefinden der betroffenen Patienten. Daher geht eine klinische Untersuchung immer mit dem Erfragen der konkreten klinischen Einschränkungen und Leiden der Patienten einher. Es ist nicht erforderlich, eine Spinalkanalstenose zur Vorbeugung klinischer Symptome zu behandeln. Sollten jedoch eindeutige Krankheitszeichen auftreten, ist die Therapie dringend geboten, um eine weitere Verschlechterung des Zustandes bis hin zu irreversiblen Dauerschäden zu vermeiden. Eine abwartende Haltung bei einer bereits krankheitsauslösenden Wirbelkanalstenose ist sehr riskant. Wenn nach mehr als 12 Wochen die konservative Therapie keine Schmerzlinderung bringt, sollte eine operative Behandlung in Erwägung gezogen werden.

Möglichkeiten der konservativen Behandlung

Konservative Behandlung:

  • physikalische Therapie (Elektrotherapie, Bädertherapie, Fango)
  • Schmerzmittel
  • Facetteninfiltration mit Lokalanästhetika (Einspritzen von Schmerzmitteln ins betroffene Wirbelgelenk)
  • Mittel zur Muskelentspannung
  • kurzfristig auch Kortisontherapie zur Abschwellung von entzündeten Bereichen, aber nicht als Dauertherapie
  • falls erforderlich, Antidepressiva zur psychischen Entlastung des Patienten
  • Rückenschule und Physiotherapie

Gemeinsam mit dem Patienten ermittelt der Arzt eine geeignete Therapie. Alle konservativen Therapieansätze können die eigentliche Ursache der Spinalkanalstenose allerdings nicht beseitigen. Angesichts der Krankheitsursache – Einengung des Rückenmarks durch meist knöcherne Elemente – stößt der konservative Behandlungsansatz gerade bei starker Wirbelkanalstenose schnell an seine Grenzen. Ist die Spinalstenose noch nicht stark ausgeprägt, kann ein konservativer Therapieansatz sinnvoll sein.

Am Anfang der konservativen Therapie steht die gute Aufklärung und Information unserer Patienten über den möglichen Verlauf und die Prognose ihrer Erkrankung. Wir erörtern die Lebensumstände und konkreten Ansätze, um durch Verhaltensänderung und evtl. Gewichtskontrolle den Verlauf zu verbessern.

Die Stenose wird zunächst symptomatisch mit physikalischer Therapie und krampflösender, medikamentöser Schmerztherapie behandelt. Eine interventionelle Schmerztherapie kann die Schmerzen ebenfalls lindern (Facettengelenksinfiltration oder Facettengelenksdenervation). Diese Ansätze zur Schmerztherapie wirken aber nicht langfristig.

Bei beginnenden Schmerzen durch die Stenose kann eine Rückenschule zur Kräftigung der Rückenmuskulatur hilfreich sein und schmerzlindernd wirken. Die Rückenschule verfolgt zudem das Ziel, eine mögliche Wirbelsäulenarthrose als Ursache der Spinalstenose mithilfe stabilisierender Rückenmuskulatur zu verlangsamen.

Ein Korsett kann die Stellung der Wirbelkörper zueinander beeinflussen ("entlordosieren") und dadurch Erleichterung bringen.

Weil die konservative Behandlung den Krankheitsprozess nur moderiert, aber nicht beendet, steht am Ende der konservativen Therapie häufig die Versorgung mit einem Rollator, der vornübergebeugtes, abgestütztes Laufen ermöglicht.

Operation der Spinalkanalstenose

Die konservative Therapie kann an der Enge der Nerven nichts ändern: Die Weitung der Engstelle ist das Ziel der chirurgischen Dekompression der Wirbelsäule.

Ist die Spinalkanalstenose schon fortgeschritten, bestehen Nervenausfälle mit Lähmungserscheinungen, Taubheitsgefühl und Funktionsstörungen. Sind die Aktivität und Arbeitsfähigkeit eingeschränkt, so sollte eine Operation den Druck von den Nerven nehmen. Die Operation erfolgt wenn möglich minimalinvasiv. Sie erweitert den Wirbelkanal, sodass der Druck auf das Rückenmark nachlässt und im besten Fall die Beschwerden verschwinden.

Bei welchen Beschwerden sollte eine sofortige Operation der Wirbelkanalstenose erfolgen?

Zunächst behandeln wir eine beginnende spinale Stenose konservativ. Es gibt jedoch Ausnahmen, bei denen wir an eine Operation denken müssen:

  • wenn die Schmerzen auch unter Schmerztherapie unerträglich sind
  • bei schweren Lähmungen oder Gefühlsstörungen, die den normalen Bewegungsablauf unmöglich machen
  • bei Störung der Harnkontrolle oder des Mastdarms
  • bei Störung der Sexualfunktion
  • bei Einschränkung der maximalen Gehstrecke auf wenige Meter

In diesen Fällen muss eine rasche Operation erfolgen, um eine dauerhafte Schädigung des Nervensystems zu vermeiden.

Mikrochirurgische Dekompression

Die mikrochirurgische Operation unter dem Mikroskop ist die Standard-Operationsmethode bei Spinalkanalstenose. Über einen kleinen Hautschnitt in Höhe der Stenose wird das Knochengewebe unter Vollnarkose abgetragen, das Rückenmark oder Nervenwurzeln einengt. Dies verringert den Druck auf das Rückenmark, was meist zu einer sehr schnellen Erholung von den Symptomen der spinalen Stenose führt. Die Patienten können am Tag nach der Operation schon wieder umhergehen. Das Ausmaß der Rückbildung von neurologischen Einschränkungen und Schmerzen hängt aber vom Verlauf vor der Operation ab. Wenn die Patienten sehr lange abwarten, ist das Rückenmark häufig schon nachhaltig geschädigt, sodass die Rückenschmerzen nicht mehr vollständig zurückgehen. Die in Arme und Beine ausstrahlenden Schmerzen und Ausfälle, Kribbeln und Bewegungsstörungen bilden sich meistens wieder weitgehend zurück.

Interspinöser Spreizer

Der Wirbelsäulenspreizer ist ein kleines Metallimplantat. Er verstärkt mechanisch die Kyphose (Krümmung der Wirbelsäule nach hinten) des betroffenen Segmentes und erweitert dadurch den Spinalkanal. Allerdings ist dieses Implantat in seiner Wirkung sehr unsicher. Vor allem die langfristigen Ergebnisse fallen sehr unterschiedlich aus. Wir verwenden dieses Verfahren daher nur bei Patienten, für die andere operative Verfahren aufgrund eines erhöhten Operationsrisikos nicht zur Verfügung stehen.

Versteifung des Wirbelsäulensegmentes bei Spondylolisthesis (Gleitwirbel)

Wenn eine Überbeweglichkeit der Wirbelsäule die Ursache der spinalen Stenose ist, reicht eine reine Dekompression häufig nicht aus. Nur eine Spondylodese, eine Fusion der Wirbelkörper, die das betreffende Bandscheibensegment bilden, eignet sich in diesem Fall für eine Therapie. Die Spondylodese stabilisiert die Position der Wirbelkörper zueinander dauerhaft und stoppt das einengende Wirbelgleiten. Wenn Bedarf besteht, lässt sich die Spondylodese mit einer Dekompression (operativen Weitung des Wirbelkanals) kombinieren.

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