Orthopädische Gelenk-Klinik

MVZ Gelenk-Klinik
EndoProthetikZentrum
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79194 Gundelfingen
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Kniespezialist untersucht Knieschmerzen

Bruch des Schienbeinkopfes (Tibiakopffraktur)

Zusammenfassung Tibiakopffraktur

Bei der Tibiakopffraktur bricht das Schienbein im Kniegelenk. Ursache: Unfälle oder Stürze. Sportunfälle und Verkehrsunfälle sind meistens die Ursache. Bei älteren Patienten genügen schon geringere Kräfte, um eine Fraktur des Tibiakopfes auszulösen. Bei einfachen Brüchen kann die Tibiakopffraktur mithilfe einer Ruhigstellung behandelt werden. Bei komplexen Brüchen mit verschobenen Fragmenten wird mithilfe einer stabilisierenden Operation behandelt: Das Gelenk wird mit Schrauben und Platten stabilisiert. Besonders wichtig ist in unserem Hause die langfristige Betrachtung des Kniegelenks nach Schienbeinkopffraktur: Störungen der Gelenkfläche, der Beinachse oder der Menisken oder Kreuzbänder können zu einem frühen Verschleiß im Kniegelenk (Kniearthrose) führen. Diese chronischen Schwierigkeiten nach der Akutbehandlung können eine weitere ärztliche Behandlung bis hin zur Knieprothese erforderlich machen. Die orthopädische Gelenk-klinik hat es sich zur Aufgabe gemacht, gerade die Spätschäden nach der Tibiakopffraktur kompetent und gelenkerhaltend zu behandeln. Diese treten häufig noch Jahre nach der unfallchirurgischen Behandlung als chronische Knieschmerzen oder Kniearthrose auf.

Inhalte Tibiakopffraktur

  1. Anatomie: Welche Rolle spielt das Schienbein bei der Funktion des Kniegelenkes?
  2. Ursachen der Tibiakopffraktur: Warum bricht der Schienbeinkopf?
  3. Einteilung der Bruchformen: Auf welche Arten kann der Schienbeinkopf brechen?
  4. Akute Symptome beim Bruch des Schienbeinkopfes
  5. Chronische Knieschmerzen als mögliche Folgeschäden einer Tibiakopffraktur
  6. Diagnose eines Bruchs des Schienbeinkopfes
  7. Wie wird die Tibiakopffraktur behandelt?
  8. Wie werden Folgeschäden eines Tibiakopfbruches behandelt?
  9. Wie sieht die Nachbehandlung der Tibiakopffraktur aus?
  10. Welche Prognose hat eine behandelte Tibiakopffraktur?

Einleitung Tibiakopffraktur

Röntgenbild einer Tiobiakopffraktur: der Aufprall der Femurrollen auf dem Tibiaplateau hat die Oberfläche eingedrückt und das Schienbein gespalten. Daher liegt hier ein kombinierter Spaltbruch und Eindrückungsbruch des Tibiakopfes vor. Röntgenbild einer Tiobiakopffraktur: der Aufprall der Femurrollen auf dem Tibiaplateau hat die Oberfläche eingedrückt und das Schienbein gespalten. Daher liegt hier ein kombinierter Spaltbruch (Pfeil nach rechts) und Eindrückungsbruch (Pfeil nach oben) des Tibiakopfes vor. © MVZ Gelenk-Klinik

Ein Knochenbruch (Fraktur) am oberen Ende des kräftigen Schienbeinknochens (Tibia) ist eine einschneidende und kritische Verletzung des Kniegelenks. Man spricht in diesem Fall von einer Tibiakopffraktur. Auf dem Schienbeinkopf lastet beim Gehen stets das gesamte Gewicht des Körpers. Geführt wird diese Lastübertragung im Kniegelenk durch die Menisken und Kreuzbänder, die das Kniegelenk im Inneren stabilislieren.

Bei jedem Schritt und jedem Sprung wirken enorme Kräfte auf unser Knie, oft ein Vielfaches unseres Körpergewichts. Das Knie gehört damit zu den am stärksten belasteten Gelenken im menschlichen Körper.

Eine Fraktur des Tibiakopfes führt zum sofortigen Funktionsverlust des Kniegelenkes. Gehen oder auch nur Stehen ist dann nicht mehr möglich. Langfristig gefährden der Bruch des Schienbeinkopfes selbst sowie die fast immer vorhandenen Verletzungen an Knorpel, Kreuzband und Meniskus die normale Funktion des Kniegelenks.

Mithilfe einer sorgfältigen Diagnostik erkennt der behandelnde Arzt alle Schädigungen im Bereich des Kniegelenks und ist in der Lage, sie umfassend zu behandeln. Im anderen Fall drohen dem Patienten auch Jahre später noch Komplikationen.

Komplikationen und chronische Beschwerden nach Tibiakopffraktur

  • Knieschmerzen, Schwellungen und chronische Schmerzen
  • Knorpelschäden
  • Reduzierte Belastbarkeit
  • Verminderte Streckbarkeit im Kniegelenks
  • Fehlstellung der Beinachse
  • Knöcherne Stufenbildung (Unebenheit) in der Kniegelenkfläche

Unser Ziel: Spätfolgen der Tibiakopffraktur vermeiden

Nach einem Bruch innerhalb eines Gelenkes stellt sich - mehr als bei anderen Knochenbrüchen - eine entscheidende Frage: Bildet sich nach dem Zusammenheilen der Knochenfragmente wieder eine belastbare Gelenkfläche aus, die den täglichen Herausforderungen des Kniegelenks wieder unter allen Umständen gewachsen ist?

Als größtes Gelenk des menschlichen Körpers mit Gewicht tragender Funktion wird das Knie ein Leben lang großen Belastungen ausgesetzt sein. Nur wenige Verletzungen können die Lebensqualität der Patienten so stark beeinträchtigen wie der Bruch des Tibiakopfes. Bleiben nach dem Ausheilen der Fraktur Unebenheiten in der normalerweise glatten Gelenkfläche zurück, sind Betroffene weniger belastbar, sportlich eingeschränkt und chronische Knieschmerzen sind deutliche Zeichen einer Kniearthrose.

Es ist eine große Herausforderung für den Unfallchirurgen, nach Tibiakopffraktur die Beweglichkeit im Kniegelenk nach einer Tibiakopffraktur wieder optimal wiederherzustellen, und dauernde Einschränkungen für die Patienten vorzubeugen. Im Folgenden möchten wir den Blick auf die Möglichkeiten einer umfassenden Versorgung der Tibiakopffraktur richten.

Anatomie kurz gefasst: Welche Rolle spielt das Schienbein im Kniegelenk?

Anatomie des Kniegelenks von vorne gesehen: Wadenbein und Schienbein bilden zusammen den Unterschnkel. Aber nur das Schienbein ist mit seinem verbreiterten Plateau als gewichttragender Gelenkpartner am Kniegelenk beteiligt. © ttsz @ istockphoto Anatomie des Kniegelenks von vorne gesehen: Wadenbein und Schienbein bilden zusammen den Unterschnkel. Aber nur das Schienbein ist mit seinem verbreiterten Plateau (Tibiaplateau) als gewichttragender Gelenkpartner am Kniegelenk beteiligt. Auf dem Tibiaplateau sind die mächtigen rollenartigen Walzen des Oberschenkelknochens (FEmurkondylen) gelagert. © ttsz @ istockphoto

Das Schienbein (Tibia) verbindet gemeinsam mit dem dünneren Wadenbein (Fibula) das Kniegelenk mit dem Fuß. Ähnlich wie am Unterarm mit den beiden Knochen Elle und Speiche zwischen Ellenbogen und Handgelenk trägt diese paarige Anordnung der Unterschenkelknochen zu einer besonders hohen Beweglichkeit von Sprunggelenk und Fuß bei und unterstützt die körperliche Koordination beim Stehen, Gehen und Laufen.

Die Tibia ist der stärkere der beiden Unterschenkelknochen. Am oberen Ende verbreitert sich der Schaft zum kräftigen Tibiakopf. Dieser ist mit Knorpel überzogen und bildet den unteren Teil des Kniegelenkes. Dabei unterstützen ihn die paarigen Menisken, die wie Schalen auf dem Tibiaplateau liegen und den Oberschenkelknochen im Gelenk führen. Der Tibiakopf bildet mit dem unteren Teil des Oberschenkelknochens (Femur) das Kniegelenk.

Die innere (mediale, zur Körpermitte weisende) und die äußere (laterale, zur Körperaußenseite weisende) Gelenkfläche werden von einer Erhebung getrennt. Im vorderen und hinteren Bereich dieser Erhebung setzen das vordere und hintere Kreuzband sowie die Haltebänder der Menisken an.

Die gesamte obere Fläche des Schienbeins bildet die untere Gelenkfläche des Kniegelenks - das so genannte Tibiaplateau. Auf dieser Fläche, geführt durch die Menisken, ist die starke, walzenförmige Ende des Oberschenkelknochens in der Gelenkfläche beweglich gelagert.

Während der Mensch im Zuge der Evolution vom Vierbeiner zum Zweibeiner den aufrechten Gang immer mehr perfektionierte, übernahm der Tibiakopf letztendlich bei jedem Schritt oder Sprung das gesamte Gewicht des Körpers.

Die Form und der kräftige Knorpelüberzug des Tibiaplateaus verleihen dem Kniegelenk seine einzigartige Beweglichkeit und Belastbarkeit. Zugleich besitzt das Kniegelenk die Fähigkeit, trotz hoher Gewichtsbelastung und starker Beschleunigungen, ein dauerhaft stabiles Gelenk zu bilden mit durch Kreuzbänder, Meniskus und Seitenbänder genau kontrollierter Beweglichkeit.

Die Fasern des Kniestreckermuskels (Musculus quadriceps) verlaufen an der Vorderseite des Oberschenkels und setzen an der Kniescheibe (Patella) an. Einige oberflächliche Sehnen überspannen die Kniescheibe und münden in die Kniescheiben- oder Patellasehne (Ligamentum patellae). Die Patellasehne stabilisiert die Gelenkfunktion zwischen Schienbein und Oberschenkelknochen und verläuft vom unteren Ende der Kniescheibe zu einem knöchernen Fortsatz an der Vorderseite des Schienbeinkopfes (Tuberositas tibiae).

Ursachen der Tibiakopffraktur: Warum bricht der Schienbeinkopf?

Als Tibiakopffraktur wird ein Knochenbruch am oberen Ende des Schienbeins bezeichnet. Häufig erreicht die Fraktur auch den am Kniegelenk beteiligten Bereich: Im Extremfall kann es in Folge der Fraktur der knorpeligen Gelenkfläche zu einer Stufenbildung kommen. Die die Verletzung betrifft nicht nur die Knochen: Auch die Menisken und Bänder, Muskeln und Hautareale im Kniebereich sind häufig betroffen. Folgende zwei Unfallmechanismen sind typischerweise Ursache für Tibiakopffrakturen.

Vorsicht: Belastung des Kniegelenks nach akuter Tibiakopffraktur unbedingt vermeiden

Ein Patient mit Tibiakopffraktur darf auf keinen Fall eigenständig aufstehen! Zum einen ist es sehr schmerzhaft, zum anderen muss ein weiteres Verschieben der Knochenfragmente (sekundäre Dislokation) vermieden werden. Was den Betroffenen im ersten Moment nach einem Unfallgeschehen manchmal nicht klar ist: Das Schienbein hat seine Belastbarkeit durch den Tibiakopfbruch vollständig verloren und eine weitere Verschlimmerung kann nur durch absolute Entlastung verhindert werden.

1. Aufprallverletzungen des Tibiakopfes (Hochrasanztraumen)

Von Aufprallverletzungen sind meist jüngere Patienten betroffen. Eine Verletzung, bei der eine hohe Aufprallgeschwindigkeit auf den menschlichen Körper wirkt, nennt man Hochrasanztrauma. Bei jungen Patienten entstehen Tibiakopffrakturen häufig als Folge von Aufprallverletzungen. Typischer Hergang: Verkehrsunfälle, bei denen ein Aufprall am Armaturenbrett stattfindet, oder Stürze aus großer Höhe mit Auftreffen der gestreckten Beine. Ein Hochrasanztrauma ist meist gekoppelt mit einer Vielzahl an Begleitverletzungen an sehnen udn Weichteilen.

Liegt zusätzlich zur Fraktur eine Hautverletzung vor, muss von einem offenen Bruch mit freiliegenden Knochen ausgegangen werden. Bakterien aus der Umwelt können an diesen Stellen ungehindert in den Körper gelangen und eine Entzündung verursachen, was sich auf die Akutbehandlung und die langfristige Prognose auswirkt. bei offenen Brüchen muß sofort die Tibiakopfraktur sofort operiert werden.

2. Niederenergetische Unfälle bei älteren Patienten verminderter Knochendichte

Bei älteren Patienten kann aufgrund der abnehmenden Knochendichte bereits ein Sturz aus Standhöhe oder eine stärkere Belastung des Tibiakopfes beim Herunterspringen von einer Stufe eine Fraktur verursachen.

Diese Brüche gehen seltener mit gravierenden Begleitverletzungen einher verglichen mit Aufprallverletzungen bei Jüngeren. Aber die Versorgung von Patienten mit verminderter Knochendichte oder möglichen Begleiterkrankungen stellt den behandelnden Arzt vor eine zusätzliche Herausforderung.

Einteilung der Bruchformen bei der Tibiakopffraktur

Der Tibiakopf kann an unterschiedlichen Stellen brechen und folgenschwere Schädigungen im Kniegelenk auslösen. Die exakte Erfassung der Bruchform durch den Arzt ist zwingend notwendig, um für jeden einzelnen Patienten die optimale Behandlungsstrategie zu entwickeln. Das erklärte Ziel ist, alle knöchernen Strukturen zusammen mit anderen Bestandteilen des Gelenks - dem Gelenkknorpel, dem Bandapparat und den Menisken - korrekt wiederherzustellen und Spätschäden vorzubeugen.

Klassifikation der Tibakopffraktur:

  • Spaltbruch (Depressionsfraktur): Die Bruchlinie bildet einen Spalt an der Gelenkfläche. Die einzelnen Knochenfragmente sind gegeneinander verschoben und nicht mehr deckungsgleich.
  • Eindrückungsbruch (Impressionsfraktur): Teile der lasttragenden Gelenkfläche des Tibiakopfes sind eingebrochen. Knochenteile werden von dem walzenförmigen Ende des Oberschenkelknochens (Femnurkondylen) nach unten gedrückt. Ein Spaltbruch kann kombiniert mit einem Eindrückungsbruch vorliegen.
  • Trümmerbruch: Entstehen durch massive Krafteinwirkung viele Bruchspalten und Knochensplitter, spricht man von einem Trümmerbruch.
Schematische Darstellung der AO-Klassifikation der Tibiakopfbrüche mit Einteilung von Schweregrad und Lokalisation in die Kategorien A, B und C von 1 bis 3. © Gelenk-Klinik Schematische Darstellung der Klassifikation der Arbeitsgemeinschaft für Osteosynthesefragen (AO) für proximale Tibiakopfbrüche. Bei Kategorie A ist die Tibia-Gelenkfläche nicht betroffen, bei B teilweise und bei C vollständig. Der Schweregrad einer Fraktur steigt von 1 bis 3. Bei B1 liegt beispielsweise ein Spaltbruch vor, bei B2 ein Eindrückungsbruch, bei B3 ein Spalt-Impressionsbruch. ©Gelenk-Klinik

Alle Bruchformen können mit Schädigungen von Bändern, Menisken und - seltener - von Nerven und Gefäßen einhergehen. Dem Arzt stehen zur genauen Beschreibung der Fraktur etablierte Klassifikationen zur Verfügung, die eine detaillierte und international einheitliche Einteilung des vorliegenden Schadens erlauben.

Akute Symptome beim Bruch des Schienbeinkopfes

Ein Bruch des Schienbeinkopfes sorgt für den sofortigen, schmerzhaften Ausfall des betroffenen Kniegelenks. Das Kniegelenk ist wegen stechender Schmerzen nicht mehr belastbar. Unmittelbar nach einer Tibiakopffraktur leiden die Patienten typischerweise unter folgenden Beschwerden:

  • Starke, stechende Schmerzen im Kniegelenk bei Belastung
  • eingeschränkte Beweglichkeit bzw. Streckfähigkeit im Kniegelenk
  • Schwellungen und Ergüsse im Knie- und Unterschenkelbereich
  • Einblutungen in das Gelenk, wenn die Gelenkfläche ebenfalls betroffen ist. Dann tritt fast immer ein Erguss durch eine Blutansammlung im Kniegelenk (Hämarthrose) auf.

Wird sofort nach dem Unfall operiert oder erst später?

Der ideale Zeitpunkt für die Operation des Tibiakopfbruchs liegt bei offenen Brüchen (bei gleichzeitiger Verletzung der Haut) unmittelbar nach dem Unfallereignis. Bei geschlossenen Brüchen wartet der Arzt etwa 1-2 Wochen ab, bis das umgebende Weichgewebe abgeschwollen ist. Falls Verletzungen an Bändern oder Sehnen des Knies bestehen, können diese während der Operation der Tibiakopffraktur mitversorgt werden.

Begleitverletzungen und Komplikationen an Knorpel, Bändern und Menisken

Bei einem Bruch des Tibiakopfes, der durch einen Aufprall mit hoher Geschwindigkeit oder aus großer Höhe entsteht (Hochrasanzverletzung), ist häufig nicht nur der Knochen betroffen. Alle an der Funktion des Kniegelenks beteiligten Strukturen können durch sog. Begleitverletzungen mitbetroffen sein. Oftmals wirkt die Fraktur sich daher zusätzlich auf Kreuz- und Seitenbänder sowie die Menisken aus.

  • Wichtige Nerven und Blutgefäße, die am Kniegelenk verlaufen können insbesondere bei Auto- und Motorradunfällen bei hohen Geschwindigkeiten in Mitleidenschaft gezogen werden.
  • Bei sogenannten offenen Frakturen bestehen Verletzungen des Haut- und Weichteilgewebes. Ohne schützende Hautbarriere können Bakterien in die Wunde gelangen und eine Infektion mit Knochenbeteiligung (Osteomyelitis) verursachen.

Komplikation der Tibiakopffraktur: Kompartmentsyndrom am Unterschenkel

Bei ausgedehnten Frakturen mit Verletzung der umliegenden Weichteilstrukturen besteht die dringende Gefahr eines sogenannten Kompartmentsyndroms des Unterschenkels: Durch Anschwellen des Gewebes erhöht sich der Innendruck in den mit bindegewebigen Faszien abgegrenzten Muskelgruppen so stark, dass es zu einer gestörten Durchblutung der kleinen Blutgefäße (Mikrozirkulation) kommt. Das gestaute Gewebe wird dadurch nur noch unzureichend mit Sauerstoff versorgt und droht abzusterben. Bleibende, irreversible Schädigungen der Muskulatur und der Nerven sind die Folge des Kompartmentsyndroms.

Ein Kompartmentsyndrom ist daher ein absoluter medizinischer Notfall und bedarf sofortiger ärztlicher Behandlung. Wichtig: Ein fühlbarer Puls am Fuß schließt ein Kompartmentsyndrom des Unterschenkels nicht aus, da die Durchblutung der kleinen Gefäße auf diese Weise nicht ertastet werden kann.

Chronische Knieschmerzenals mögliche Folgeschäden nach einer Tibiakopffraktur

Der Bruch des Tibiakopfes kann Auslöser für zahlreiche Folgeschäden im Kniegelenk sein. Dabei ist nicht nur die Fraktur des Schienbeinkopfes in der Gelenkfläche entscheidend. Auch alle anderen an der Funktion des Kniegelenks beteiligten Knorpel, Menisken, Stütz- und Bindegewebe müssen sorgfältig untersucht und mitbehandelt werden. enn diese Aspekte des Tibiakopfbruchs nicht angemelssen erfasst werden, kann das Gelenk einem dauerhaft erhöhten Verschleiß bei reduzierter Belastbarkeit unterliegen. Folge der Tibiakopfraktur ist dann häufig eine unfallbedingte Kniearthrose (sog. sekundäre Gonarthrose).

In der orthopädischen Gelenk- Klinik sind wir spezialisiert auf die Behanldung der Spätschäden nach der Tibiakopffraktur. Diese machen sich häufig erst Jahre nach der akuten Fraktur durch chronische Knieschmerzen bemerkbar.

Begleitverletzungen der Tibiakopffraktur: Knorpel, Meniskus, Kreuzband und Seitenbändern

Die Hochrasanzfraktur der Gelenkfläche des Tibiakopfes - also ein Aufprall mit hoher Energie - wird oft von Verletzungen an Bändern und Weichteilen begleitet.

Diese Begleitverletzungen können noch Jahre nach der Akutbehandlung zu chronischen Knieschmerzen und in Alltag und Sport eingeschränkter Belastbarkeit des Kniegelenks nach einer Tibiakopffraktur führen. Häufig treten diese Begleitverletzungen in unterschiedlichem Ausmaß in Kombination als Resultat der Tibiakopffraktur auf. Durch eine genaue Untersuchung müssen wir herausfinden, welche der Ursachen für die Knieschmerzen im jeweilgen Einzelfall verantwortlich sind.

Knöcherne Stufenbildung in der Gelenkfläche nach Tibiakopffraktur

Normalerweise ist das Tibiaplateau auf seiner Oberfläche vollständig glatt. Unebenheiten der Gelenkfläche wie beispielsweise knöcherne Stufen führen aufgrund der stärkeren Reibung zu vermehrter Knorpelabnutzung. Auch diese Folge einer Tibiakopffraktur kann langfristig zu einem posttraumatischen Verschleiß im Kniegelenk, der Knierathrose (Gonarthrose), führen.

Knorpelverletzungen und Osteochondrale Läsionen

Knorpelverletzungen oder sogar Knochen-Knorpelverletzungen sind regelmäßig Folge von Überlastungen der Gelenkfläche. In machen Fällen ist sogar der unter der Gelenkfläche liegende Knochen mitgeschädigt. Man bezeichnet diese Traumata von Knorpeln und Knochen auch als osteochondrale Läsionen.

Für osteochomndrale Läsionen gibt bieten wir einige stadiengerechte operative Therapien zum Gelenkerhalt oder Gelenkersatz:

Gelenkerhaltende Therapien von Knochenknorplschäden

  • Knorpeltransplantation am Kniegelenk (ACT)
  • Knochenknorpeltransplantation
  • Mikrofrakturierung (Anbohrung der Knochenoberfläche zur Bildung von Ersatzknorpel)
  • Knochentransplantation mit AMIC-Membran
  • Operation eines Metallinlays im Knochen (Hemicap)

Gelenkersetzende Therapien von Knochenknorpelschäden

  • Knieteilprothese oder Schlittenprothese
  • Knievollprothese u.a. auch als individuelle Knieprothese

Seitenbandriss oder Dehnungen der Seitenbänder mit Instabilität

Seitenbänder des Kniegelenk werden meistens konservativ durch Ruhigstellung mit Hilfe von Schienen behandelt. Die Seitenbänder stabilieren das Kniegelenk gegen seitliches Aufklappen.

Meniskusriss nach Tibiakopffraktur

Ein Meniskusriss führt zur Bildung scharfer Kanten in der Gelenkfläche. Das kann zum erhöhten Knorpelabrieb am Oberschenkelknochen führen.

Therapie des Meniskusriss

Der Meniskusriss kann durch operative Glättung (Meniskusteilresktion) behandelt werden. Dadurch wird der Knorpelabrieb am Oberschenelknochen vermindert. Die Entzündungs- und Schwellungsneigung des Kniegelenks wird reduziert. in einigen Fällen - vor allem bei jüngeren Patienten, ist auch eine Meniskusnaht möglich.

Kreuzbandriss oder Kreuzbanddehnung nach Schienbeinkopffraktur

Ein Kreuzbandriss als Begleitverletzung der Tibiafraktur führt zu einer Überbeweglichkeit des Kniegelks. Dadurch werden Knorpel und Menisken im Kniegelenk überlastet und verschleißen. Aus einer chronischer Instabilität des Kniegelenks kann eine Kniearthrose entstehen. Häufig ist eine Instabilität des Kreuzbandes schwer auszumachen, wenn das Band noch vorliegt, aber durch Dehnung die innere Struktur zerstört ist (Kreuzbandinstabilität).

Therapie des Kreuzbandrisses

Der Kreuzbandriss oder die Kreuzbanddehnung wird meist durch eine operative Kreuzbandtransplantation behandelt.

Achsfehlstellungen im Kniegelenk als Folge der Tibiakopffraktur

Die Fehlstellung der Beinachse (X-Bein, O-Bein) ist die mögliche Folge der Fraktur des Tibiakopfes. Wegen der Fehlbelastung kann ein vorzeitiger Gelenkverschleiß (Arthrose) die Folge sein. Der Tibiakopf kann nach einer komplexen Fraktur oder nach operativer Therapie mit ungenauer Wiederausrichtung (Reposition) der Gelenkflächen in einer Fehlstellung verheilen. Knieschmerzen, Bewegungseinschränkungen und eine posttraumatische Kniearthrose (Gonarthrose) können die Folge der Fehlstellung sein.

Therapie der Fehlstellung: Osteotomie (Umstellungsoperation)

Bei der Osteotomie des Kniegelenks wird die Neigung des Tibiaplateaus durch Einbringen eines kleinen Knochenkeils im Schienbein leicht korrigiert.

Einsteifung des Kniegelenks durch ungenügende Mobilisierung

Die frühzeitige und regelmäßige Bewegung des verletzten Kniegelenks durch eine gut durchgeführte Physiotherapie ist wichtig, um die Einsteifung des Kniegelenks nach der Ausheilung einer Fraktur zu verhindern. eine Versteifung führt zu einer eingeschränkten Beweglichkeit des Kniegelenks. Ursache für eine Gelenkversteifung sind häufig narbige Verwachsungen im Bereich des Kniegelenks, die meist das Weichteilgewebe betreffen.

Arthrolyse: Operative Behandlung der Kniegelenksteife

Bewegungsdefizite im Knie nach Tibiakopffraktur können durch unzureichende oder nicht adäquate Mobilisation entstehen. Narbige Verwachsungen im Gelenk insbesondere in einem frühen Stadium nach der Verletzung begünstigen Gelenkeinsteifungen. Mobilisation des Kniegelenks durch operative Arthrolyse.

Die Arthrolyse (Lösung von Verwachsungen im Kniegelenk) zählt zu den operativen Verfahren. In den meisten Fällen wird eine Arthrolyse minimalinvasiv im Rahmen einer Arthroskopie durchgeführt. Narbige Verwachsungen, die aufgrund einer Verletzung entstanden sind, werden vom Operateur durchtrennt oder entfernt.

Der Patient kann sein Kniegelenk nach einer Arthrolyse meist deutlich besser bewegen und er erhält die Mobilität zurück, die er sich für ein aktives Berufs- und Privatleben wünscht. Während einer Arthrolyse kann störendes Material aus dem Gelenkspalt entfernt werden.

Fraktur der knöchernen Erhebungen an der Vorderseite des Schienbeinkopfes (Tuberositas tibiae)

An den knöchernen Höckern an der Schienbein-Vorderseite (Tuberositas tibiae) setzen die Patellasehne und der Oberschenkelmuskel an. Eine Fraktur mit Knochenverschiebung (Dislokation) der knöchernen Erhebungen kann zum vollständigen Verlust der Streckfunktion des Kniegelenks führen. Das Bein kann dann nicht mehr vollständig durchgestreckt werden.

Therapie der Tuberositas Tibiae-Fraktur am Kniegelenk

Die Knochenvorsprünge können mit Hilfe einer Schraubenosteosynthese wieder operativ refixiert werden. Nach einer mehrwöchigen Teilbelastung ist das Fragment wieder stabil angewchsen.

Verletzungen von Blutgefäßen und Nerven bei Tibiakopffraktur

Verletzungen der Kniekehlen-Arterie (Arteria poplitea) und des Wadenbeinnervs (Nervus peroneus) treten selten auf. Sie müssen aber dringend vom untersuchenden Arzt ausgeschlossen werden, da ein Funktionsverlust des Beines oder sogar der Verlust des Beines wegen Durchblutungsproblemen droht.

Diagnose der Tibiakopffraktur: Wie untersucht man den Bruch des Schienbeinkopfes?

Die Gefahr der oben genannten Spätfolgen erfordern eine besonders gründliche Untersuchung durch den Facharzt: Mithilfe apparativer Diagnostik muss alle Schäden an Knochen, Bändern und Weichteilen untersuchen und einordnen.

Blickdiagnose: Die äußeren Verletzungszeichen

Prellungen, Schwellungen, äußere Wunden sowie die Verformung des Kniegelenkes sind typische Symptome einer Tibiakopffraktur und führen den untersuchenden Arzt schnell zur richtigen Diagnose.

Apparative Diagnostik und Bildgebung

  • Röntgendiagnostik: Bei Verdacht auf Tibiakopfbruch werden von Knie und Unterschenkel Röntgenbilder in zwei Ebenen angefertigt. Bei einfachen Frakturen ist das Röntgenbild ausreichend, um den Verlauf der Fraktur darzustellen und eine Behandlungsstrategie abzuleiten.
  • CT und DVT: Die Computertomografie (CT) oder der Digitalen Volumentomografoe (DVT) ermöglichen dem Orthopäden, die vorliegenden knöchernen Verletzungen sowie den Zustand der Gelenkfläche im Kniegelenk auf der Grundlage einer dreidimensionalen Darstellung der Bruchfragmente im Knochen zu beurteilen. Nur so könne bei komplexen Tibiakopffrakturen die unterschiedlichen Frakturtypen eindeutig untersucht werden. Mithilfe dieser Strahlendiagnostik kann der genaue Verlauf von Bruchflächen und die Lage von Fragmenten beurteilt werden. Bei Trümmerbrüchen ist diese Untersuchung unerlässlich, um die Lage der Fragmente genau beurteilen zu können. Auch bei Heilungsschwierigkeiten nach der Operation, z.B. bei der Bildung von Pseudarthrosen (überbeweglichen Falschgelenken) ist die Untersuchung mit dem DVT unerlässlich. Damit kann die Situation im Inneren des Schienbeinkopfes genau dargestellt werden.
  • Darstellung von Sehnen. Bändern, Weichteilverletzungen mit dem MRT: mit MRT Bei komplizierten Knieverletzungen unterstützt die Magnetresonanztomographie (MRT) den Arzt bei der Diagnose von Meniskus- und Bandverletzungen. Insbesondere die Verletzungen der für die Funktion des Kniegelenks wesentlichen Gewebe wie Kreuzband oder Meniskus muss nach Tibiakopffraktur stets mit dem MRT (Magnetresonanztomografie) ausgeschlossen werden.
  • Sonografie (Ultraschalluntersuchung) bei Blutgefäßverletzungen: Um bei der akuten Verletzung beurteilen zu können, ob die Blutgefäße oder Seitenbänder im Kniebereich verletzt sind, führt der Arzt mit dem Ultraschallgerät eine Doppler-Sonografie durch. Ein Kompartmentsyndrom muss ebenfalls ausgeschlossen werden.

Therapie: Wie wird die Tibiakopffraktur behandelt?

  • Ruhigstellung mit Gips oder Orthese
  • Entlastung durch von Unteramgehstzützen
  • Frühzeitige physiotherapeutische Mobilisierung vermeidet Einsteifung
  • Bei verschobenen oder komplexen Brüchen Op und Fixierung mit Platten und Schrauben

Die ärztlichen Therapie einer Tibiakopffraktur will das Kniegelenk sowie die Achsenverhältnisse des Beines durch Zusammenheilen der Fraktur wieder anatomisch korrekt wiederherstellen. Damit wird die Gefahr einer posttraumatischen Kniearthrose als Spätfolge eines Bruches des Schienbeinkopfes möglichst vermieden.

Zentral ist die Wiederherstellung der normalen Gelenkfunktion. Eine länger andauernde Unbeweglichkeit des Kniegelenks müssen wir im Hinblick auf die sonst drohende Gelenksteife vermeiden.

Die konservative Behandlung der Tibiakopffraktur

Einfache Tibiakopffrakturen, bei denen die knöchernen Fragmente nicht gegeneinander verschoben (“disloziert”) sind, können meist problemlos konservativ behandelt werden. Der Patient trägt hierzu eine Orthese (äußerlich angelegte Schiene) und benutzt Unterarmgehstützen, um das betroffene Kniegelenk zu entlasten. Regelmäßige ärztliche Termine und Röntgenkontrollen während der Heilung sind unerlässlich, um die Gefahr einer sekundären Dislokation (Verschiebung der Bruchfragmente) schnell zu erkennen.

Krankschreibung und Dauer der Knochenheilung nach Tibiakopffraktur

Patienten müssen mit einem relativ langen Heilungszeitraum rechnen, während dem sie das betroffene Kniegelenk entlasten: Es kann bis zu 12 Wochen dauern, bis die Bruchzone soweit ausgeheilt ist, dass der Tibiakopf wieder den Belastungen des Alltags gewachsen ist.

Die Dauer der notwendigen Krankschreibung richtet sich dabei nach dem Beruf der Patrienten Ein ganz entscheidender Faktor für ein optimales Behandlungsergebnis ist ein frühzeitiger Beginn der Bewegungstherapie durch Mitwirkung des Physiotherapeuten.

Konservative oder operative Therapie der Tibiakopffraktur?

Deshalb wird heutzutage die operative Therapie einer Tibiakopffraktur bevorzugt. Danach ist eine schnellere Vollbelastung des Kniegelenk möglich. Ebenso ist zu bedenken, dass nicht jeder Patient, z.B. in höherem Alter, in der Lage ist, eine entlastende oder teilbelastende Mobilisation mit Unterarmgehstützen durchzuführen.

Die chirurgische (operative) Behandlung der Tibiakopffraktur

Bei einer Verschiebung (Dislokation) der Bruchfragmente, bei Beteiligung der Gelenkfläche oder bei Achsfehlstellungen im Kniegelenk ist eine Operation der Tibiakopffraktur unumgänglich.

Zur Frakturstabilisierung werden die einzelnen knöchernen Fragmente vom Operateur präzise an ihren ursprünglichen Platz reponiert (zurückgesetzt und mit Schrauben und winkelstabilen Platten an Ort und Stelle fixiert. Dieses operative Vorgehen wird als Platten-Osteosynthese bezeichnet. Es bietet den Gelenkknochen eine hohe Stabilität, so dass das Knie rasch wieder mobilisiert und zumindest teilbelastet werden kann.

Die Osteosynthese mit winkelstabilen Plattensystemen überbrückt von außen die Bruchzone, so dass eine Durchblutung im Bereich der Fraktur möglich ist. Diese minimalinvasive Operationstechnik schont das umliegende Weichteilgewebe. Bei komplexen Frakturen ist die Abstützung des Tibiakopfes mit Platten von mehreren Seiten denkbar.

Im Anschluss an die operative Versorgung kontrolliert der Arzt den Behandlungserfolg und schließt die Entwicklung eines Kompartmentsyndroms beim Patienten aus.

Periprothetische Schienbeinkopffraktur

Eine besondere Stellung nimmt der Tibiakopfbruch bei bereits vorhandenem Kunstgelenk (Knieendoprothese) ein. Diese Operationen erfordern ein hohes Maß an rekonstruktivem wie auch endoprothetischem Verständnis. Die Behandlung ist individuell sehr unterschiedlich und richtet sich nach dem vorhandenen Kunstgelenk, dem Anspruch des Patienten, der Bruchform und den Schäden im umgebenden Gewebe.

Wie sieht die Nachbehandlung der Tibiakopffraktur aus?

Patienten, die ein Anti-Graviatations-Laufband nutzen, können sehr früh nach einer Knie-Operation gehen, laufen oder Übungen ausführen. In einer Druckkammer, die in Hüfthöhe luftdicht abschließt, verringert der erhöhte Luftdruck das Körpergewicht des Patienten um bis zu 80 %. Diese Hebekräfte vermindern die Stoßwirkung auf der Unterlage. Patienten behalten ihr natürliches Gangbild bei und bewegen frühzeitig Muskeln, Sehnen und Gelenke. Das Anti-Gravitations-Laufband ermöglicht Patienten unmittelbar nach Knie-Operationen einen frühen Reha-Beginn mit geringer Schmerzbelastung. Eine Druckkammer, die luftdicht an der Hüfte abschließt, verringert das Körpergewicht des Patienten in kleinen Schritten um bis zu 80 %. Der erhöhte Luftdruck hebt die Schwerkraft während des Gehens, Laufens oder der Übungen auf. Der Patient behält sein natürliches Gangbild und kann Muskeln, Sehnen und Bänder frühzeitig mobilisieren. Ein Bildschirm liefert dem Arzt eine aktuelle Ganganalyse und Schmerzempfindungen des Patienten. Copyright Gelenk-Klinik

Eine konsequente Nachbehandlung ist sowohl bei einer konservativen als auch bei einer operativen Behandlung der Tibiakopffraktur erforderlich. Sie besteht in erster Linie aus Physiotherapie, damit der Patient die gewohnte Bewegungsfähigkeit zurückerhält. Moderne Behandlungsverfahren wie ein Antigravitationslaufband verringern die Rückbildung der Muskulatur und erhalten das Bewegungsgefühl.

Postoperativ kann zudem die Beweglichkeit des Kniegelenks zügig zunächst durch die passive Bewegung des Beines auf einer motorisierten Bewegungsschiene trainiert werden. Die Belastungen werden vorsichtig Schritt für Schritt gesteigert, um eine Überforderung des Tibiakopfes vermeiden.

Wann ist eine Vollbelastung des operierten Kniegelenks wieder möglich?

Eine Vollbelastung im Alltag ist bei einfachen Brüchen in der Regel nach 6 Wochen möglich, bei komplizierten Brüchen dauert es unter Umständen bis zu 12 Wochen. Wichtig ist, dass der Patient seine Beinmuskulatur kräftigt, um das operierte Kniegelenk optimal zu stabilisieren.

Wie sieht die Nachbehandlung der Tibiakopffraktur aus?

Eine konsequente Nachbehandlung ist sowohl bei einer konservativen als auch bei einer operativen Behandlung der Tibiakopffraktur erforderlich. Sie besteht in erster Linie aus Physiotherapie, damit der Patient die gewohnte Bewegungsfähigkeit zurückerhält. Moderne Behandlungsverfahren wie ein Antigravitationslaufband (Link: Alter G https://gelenkreha.de/physiotherapie-rehabilitation-startseite-therapieangebote/antigravitations-laufband-der-gelenkreha.html) verringern die Rückbildung der Muskulatur und erhalten das Bewegungsgefühl.

Postoperativ kann zudem die Beweglichkeit des Kniegelenks zügig zunächst durch die passive Bewegung des Beines auf einer motorisierten Bewegungsschiene trainiert werden. Die Belastungen werden vorsichtig Schritt für Schritt gesteigert, um eine Überforderung des Tibiakopfes vermeiden.

Wie gestaltet sich die Physiotherapie nach Tibiakopffraktur?

Bei den Patienten unterscheiden sich bei einer Tibiakopffraktur die Art, der Schweregrad sowie die begleitenden Schäden an Sehnen, Bändern oder Menisken. Daher ist eine generelle Empfehlung bestimmter Übungen nicht möglich. Diese müssen individuell an den Patienten angepasst werden. Trotzdem sollte sich die Nachbehandlung nach bestimmten Prinzipien richten, die im Folgenden dargestellt werden.

Abschwellende Maßnahmen

Um die Wundheilung zu unterstützen und einer starken Schwellung entgegen zu wirken, eignen sich folgende Maßnahmen:

Beweglichkeitstraining

Nach einer Operation bestehen Bewegungsvorgaben bzw. -einschränkungen. Trotzdem sollten möglichst frühzeitig alle erlaubten Bewegungen auch ausgeführt werden, um eine Versteifung und Vernarbung des Knies zu verhindern. Sprechen Sie deshalb mit Ihrem Arzt und Physiotherapeuten über das erlaubte Bewegungsausmaß.

Übungen zur Bewegungserweiterung zeichnen sich durch eine hohe Wiederholungszahl bei geringer Belastung aus. Dies bedeutet, dass es sinnvoller ist, eine Bewegung häufig zu wiederholen, ohne jedoch mit Anstrengung oder hoher Muskelkraft die Bewegung zu erweitern.

Neben der Beweglichkeit im Kniegelenk sollte in der Therapie unbedingt auch die Bewegung im oberen Sprunggelenk beachtet werden, um einem fehlerhaften Gangbild vorzubeugen. Auch eine regelmäßige Behandlung der Narben durch eine sogenannte Narbenmobilisation ist wichtig.

Beispielübung: Boden wischen

Boden wischen im Sitzen Übung Boden wischen: Diese Übung verbessert die Beweglichkeit des Kniegelenks und reduziert Knieschmerzen. © Gelenk-Klinik.de

Ausgangsstellung: Sitz mit angewinkelten Bein auf einem Hocker. Der Fuß steht auf einem Tuch, das auf einem Boden mit wenig Widerstand liegt, z. B. Parkett oder Fliesen.

Durchführung: Wischen Sie durch Ausstrecken und Anziehen des Beines im Kniegelenk den Boden mit dem Fuß. Führen Sie die Bewegungen gleichmäßig aus.

Wiederholen Sie die Übung pro Bein 20-mal. Dies entspricht einem Satz. Führen Sie 2–3 Sätze durch mit jeweils circa 30 Sekunden Pause zwischen den Sätzen. Üben Sie 2- bis 3-mal pro Woche.

Belastungstraining

Eine Ruhigstellung führt zu Schäden im Gewebe, sogenannten Immobilisationsschäden. Dies betrifft Knochen, Knorpel und Muskeln, aber auch Sehnen und Bänder.

Diese Immobilisationsschäden sollen vermieden oder zumindest gering gehalten werden.

Je nach postoperativem Stadium stehen Ihnen dazu verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Eine gute Abstimmung und Kommunikation zwischen Patient, Arzt und Physiotherapeut sind für eine optimale ausgerichtete Behandlung besonders wichtig.

Bewegungsstabiler Zustand, d. h. der Patient darf passive Bewegungen, assistive Bewegungen unter Mithilfe des Therapeuten und aktive Bewegungen durchführen (bis 6. Woche)

  • Statische Muskelarbeit bei gestrecktem Knie
  • Training mit dem gesunden Bein bewirken gleichzeitig Muskelanspannungen im operierten Bein, sogenannte Ko-Kontraktionen
  • Stemmführung nach Brunkow: Durch parallele Kräftigung von Bauch- und Rückenmuskulatur wird eine aufrechte Körperhaltung erzielt

Belastungsstabiler Zustand, d. h. Bewegungen dürfen im Rahmen der Möglichkeiten des Patienten gegen einen angepassten Widerstand ausgeführt und gesteigert werden (ab 7. Woche):

  • Kräftigen des gesamten Beines
  • Ausdauertraining
  • Koordinationstraining
  • Gleichgewichtstraining
  • Gangschule
  • Trainingsstabiler Zustand, d. h. aktive, wiederholte Bewegungen gegen die Schwerkraft oder einen Widerstand, ohne dass durch die mehrmalige Wiederholung negative Einflüsse auf die ehemals verletzten Strukturen auftreten (ab 13. Woche):

    Training je nach Anspruch und Fortschritt der Heilung: Fahrrad fahren, Schwimmen, Reflextraining, Funktionstraining.

    Welche Prognose hat eine behandelte Tibiakopffraktur

    Die Therapieergebnisse variieren und hängen ganz entscheidend von der Komplexität und Art des Bruches ab. Bei umfangreichen Frakturen mit Beteiligung des Gelenks bleibt ein Restrisiko für die Betroffenen, später eine Gonarthrose mit Fehlstellungen zu entwickeln oder unter chronischen Knieschmerzen zu leiden.

    Eine gute operative Erstversorgung mit Rekonstruktion der gebrochenen Gelenkfläche, die Wiederherstellung der normalen Beinachse sowie die Naht gerissener Bänder schaffen die Voraussetzungen für eine gute Prognose. Eine konsequente Nachbehandlung mit adäquater Physiotherapie sowie gute individuelle Voraussetzungen sind zusätzlich wichtig für den Heilungsverlauf und die spätere Funktion des Beines.

    Fachartikel von Priv.-Doz. Dr. med. habil. Bastian Marquaß zum Bruch des Schienbeinkopfes auf Jameda

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Dr. med. Dirk Hömig, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Kinderchirurgie

Dr. med. Dirk Hömig
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Spezielle Orthopädische Chirurgie