Orthopädische Gelenk-Klinik

MVZ Gelenk-Klinik
EndoProthetikZentrum
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79194 Gundelfingen
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Kniespezialist untersucht Knieschmerzen

Bruch des Schienbeinkopfes (Tibiakopffraktur)

  1. Was ist eine Tibiakopffraktur?
  2. Ursachen der Tibiakopffraktur: Warum bricht der Schienbeinkopf?
  3. Einteilung der Bruchformen: Auf welche Arten kann der Schienbeinkopf brechen?
  4. Symptome beim Bruch des Schienbeinkopfes
  5. Diagnose: Woran erkennt der Arzt einen Bruchs des Schienbeinkopfes?
  6. Therapie: Wie behandelt der Orthopäde die Tibiakopffraktur?
  7. Nachbehandlung und Prognose der Tibiakopffraktur
Anatomie des Kniegelenks Anatomie des Kniegelenks: Durch den komplexen Aufbau aus Muskeln, Bändern, Knochen und Menisken können zahlreiche Strukturen durch eine Fraktur verletzt werden: Nicht nur das knöcherne Schienbeinplateau, sondern auch die Kreuzbänder, die das Kniegelenk von innen heraus stabilisieren, ebenso wie die halbmondförmigen Menisken, die auf dem Schienbeinplateau aufliegen und das walzenförmige Ende des Oberschenkelknochens aufnehmen. © Istockphoto.com/MedicalArtInc

Synonyme der Tibiakopffraktur:

  • Tibiakopffraktur
  • Bruch des Schienbeinkopfes
  • Schienbeinkopfbruch
  • Fraktur des Schienbeinkopfes

Bei der Tibiakopffraktur bricht das Schienbein im Kniegelenk. Stürze beim Sport und Verkehrsunfälle sind meistens die Ursache. Bei älteren Patienten genügen schon geringere Kräfte, um eine Fraktur des Tibiakopfes auszulösen. Bei einfachen Brüchen lässt sich die Tibiakopffraktur mithilfe einer Ruhigstellung behandeln. Komplexe Brüchen mit verschobenen Fragmenten therapiert man operativ: Das Gelenk wird in einer Operation mit Schrauben und Platten stabilisiert.

Besonders wichtig ist in unserem Hause die langfristige Betrachtung des Kniegelenks nach einer Schienbeinkopffraktur: Störungen der Gelenkfläche, der Beinachse oder der Menisken oder Kreuzbänder können zu einem frühen Verschleiß im Kniegelenk (Kniearthrose) führen.

Diese chronischen Schwierigkeiten nach der Akutbehandlung können eine weitere ärztliche Behandlung bis hin zur Knieprothese erforderlich machen. Die orthopädische Gelenk-Klinik hat es sich zur Aufgabe gemacht, gerade die Spätschäden nach der Tibiakopffraktur kompetent und gelenkerhaltend zu behandeln.

Die Spätfolgen nach einer Behandlung der Tibiakopffraktur treten häufig noch Jahre nach der unfallchirurgischen Behandlung als chronische Knieschmerzen oder Kniearthrose auf.

Was ist eine Tibiakopffraktur?

Röntgenbild einer Tibiakopffraktur: Der Aufprall der Femurrollen auf dem Tibiaplateau hat die Oberfläche eingedrückt und das Schienbein gespalten. Daher liegt hier ein kombinierter Spaltbruch und Eindrückungsbruch des Tibiakopfes vor. Röntgenbild einer Tibiakopffraktur: Der Aufprall der Oberschenkelrollen auf dem Schienbeinplateau hat die Oberfläche eingedrückt und das Schienbein gespalten. Es liegt ein kombinierter Spaltbruch (Pfeil nach rechts) und Eindrückungsbruch (Pfeil nach oben) des Tibiakopfes vor. © MVZ Gelenk-Klinik

Ein Knochenbruch (Fraktur) am oberen Ende des kräftigen Schienbeinknochens (Tibia) ist eine einschneidende und kritische Verletzung des Kniegelenks. Man spricht von einer Tibiakopffraktur.

Auf dem Kopf des Schienbeins lastet beim Gehen stets das gesamte Gewicht des Körpers. Geführt wird diese Lastübertragung im Kniegelenk durch die Menisken und Kreuzbänder, die das Kniegelenk im Inneren stabilisieren.

Bei jedem Schritt und jedem Sprung wirken enorme Kräfte auf unser Knie, oft ein Vielfaches unseres Körpergewichts. Das Knie gehört damit zu den am stärksten belasteten Gelenken im menschlichen Körper.

Ein Schienbeinkopfbruch führt zum sofortigen Funktionsverlust des Kniegelenkes. Gehen oder auch nur Stehen ist dann nicht mehr möglich. Langfristig gefährden der Bruch des Tibiakopfes und die meist damit einhergehenden Verletzungen an Knorpel, Kreuzband und Meniskus die normale Funktion des Kniegelenks.

Mithilfe einer sorgfältigen Diagnostik erkennt der behandelnde Arzt alle Schädigungen im Bereich des Kniegelenks und ist in der Lage, sie umfassend zu behandeln. Im anderen Fall drohen dem Patienten auch Jahre später noch Komplikationen.

Vorsicht: Belastung des Kniegelenks nach akuter Tibiakopffraktur unbedingt vermeiden

Ein Patient mit Tibiakopffraktur darf auf keinen Fall eigenständig aufstehen! Zum einen ist es sehr schmerzhaft, zum anderen können sich die Knochenfragmente gegeneinander verschieben (sekundäre Dislokation). Was den Betroffenen nach einem Unfallgeschehen manchmal nicht klar ist: Das Schienbein hat seine Belastbarkeit durch den Tibiakopfbruch vollständig verloren und nur eine absolute Entlastung kann eine weitere Verschlimmerung verhindern.

Anatomie kurz gefasst: Welche Rolle spielt das Schienbein im Kniegelenk?

Anatomie des Kniegelenks von vorne gesehen: Wadenbein und Schienbein bilden zusammen den Unterschenkel. Aber nur das Schienbein ist mit seinem verbreiterten Plateau als Gewicht tragender Gelenkpartner am Kniegelenk beteiligt. © ttsz @ istockphoto Anatomie des Kniegelenks von vorne gesehen: Wadenbein und Schienbein bilden zusammen den Unterschenkel. Aber nur das Schienbein ist mit seinem verbreiterten Plateau (Tibiaplateau) als Gewicht tragender Gelenkpartner am Kniegelenk beteiligt. Auf dem Tibiaplateau liegen die mächtigen rollenartigen Walzen des Oberschenkelknochens (Femurkondylen) auf. © ttsz @ istockphoto

Das Schienbein (Tibia) verbindet gemeinsam mit dem dünneren Wadenbein (Fibula) das Kniegelenk mit dem Fuß. Ähnlich wie am Unterarm mit den beiden Knochen Elle und Speiche trägt diese paarige Anordnung der Unterschenkelknochen zu einer besonders hohen Beweglichkeit von Sprunggelenk und Fuß bei. Dieser Aufbau unterstützt die körperliche Koordination beim Stehen, Gehen und Laufen.

Die Tibia ist der stärkere der beiden Unterschenkelknochen. Am oberen Ende verbreitert sich der Schaft zum kräftigen Tibiakopf. Dieser ist mit Knorpel überzogen und bildet den unteren Teil des Kniegelenkes. Dabei unterstützen ihn die paarigen Menisken, die wie Schalen auf dem Tibiaplateau liegen und den Oberschenkelknochen im Gelenk führen. Der Tibiakopf bildet mit dem unteren Teil des Oberschenkelknochens (Femur) das Kniegelenk.

Die innere (mediale, zur Körpermitte weisende) und die äußere (laterale, zur Körperaußenseite weisende) Gelenkfläche werden von einer Erhebung getrennt. Im vorderen und hinteren Bereich dieser Erhebung setzen das vordere und hintere Kreuzband sowie die Haltebänder der Menisken an.

Die gesamte obere Fläche des Schienbeins bildet die untere Gelenkfläche des Kniegelenks – das sogenannte Tibiaplateau. Auf dieser Fläche, geführt durch die Menisken, ist das starke, walzenförmige Ende des Oberschenkelknochens in der Gelenkfläche beweglich gelagert.

Während der Mensch im Zuge der Evolution vom Vierbeiner zum Zweibeiner avancierte, lastete auf dem Tibiakopf bei jedem Schritt oder Sprung im aufrechten Gang das gesamte Gewicht des Körpers.

Die Form und der kräftige Knorpelüberzug des Tibiaplateaus verleihen dem Kniegelenk seine einzigartige Beweglichkeit und Belastbarkeit. Zugleich besitzt das Kniegelenk die Fähigkeit, trotz hoher Gewichtsbelastung und starker Beschleunigungen, ein dauerhaft stabiles Gelenk zu bilden. Kreuzbänder, Meniskus und Seitenbänder verhelfen zu kontrollierter Beweglichkeit.

Die Fasern des Kniestreckermuskels (Musculus quadriceps) verlaufen an der Vorderseite des Oberschenkels und setzen an der Kniescheibe (Patella) an. Einige oberflächliche Sehnen überspannen die Kniescheibe und münden in die Patellasehne (Ligamentum patellae). Diese Kniescheibensehne stabilisiert die Gelenkfunktion zwischen Schienbein und Oberschenkelknochen. Sie verläuft vom unteren Ende der Kniescheibe zu einem knöchernen Fortsatz an der Vorderseite des Schienbeinkopfes (Tuberositas tibiae).

Ursachen der Tibiakopffraktur: Warum bricht der Schienbeinkopf?

Als Tibiakopffraktur bezeichnet man einen Knochenbruch am oberen Ende des Schienbeins. Häufig erreicht die Fraktur auch den am Kniegelenk beteiligten Bereich: Im Extremfall kann es infolge der Fraktur der knorpeligen Gelenkfläche zu einer Stufenbildung kommen. Die Verletzung betrifft nicht nur die Knochen: Auch die Menisken und Bänder, Muskeln und Hautareale im Kniebereich sind häufig betroffen. Folgende zwei Unfallmechanismen sind typischerweise Ursachen für Tibiakopffrakturen.

Aufprallverletzungen des Tibiakopfes (Hochrasanztraumen)

Von Aufprallverletzungen sind meist jüngere Patienten betroffen. Eine Verletzung, bei der eine hohe Aufprallgeschwindigkeit auf den menschlichen Körper wirkt, nennt man Hochrasanztrauma. Bei jungen Patienten entstehen Tibiakopffrakturen häufig als Folge von Aufprallverletzungen. Typischer Hergang: Verkehrsunfälle, bei denen ein Aufprall am Armaturenbrett stattfindet oder Stürze aus großer Höhe mit Auftreffen der gestreckten Beine. Ein Hochrasanztrauma ist meist gekoppelt mit einer Vielzahl an Begleitverletzungen an Sehnen und Weichteilen.

Liegt zusätzlich zur Fraktur eine Hautverletzung vor, muss man mit einem offenen Bruch mit freiliegenden Knochen rechnen. Bakterien aus der Umwelt können an diesen Stellen ungehindert in den Körper gelangen und eine Entzündung verursachen. Dies wirkt sich auf die Akutbehandlung und die langfristige Prognose aus. Bei offenen Brüchen muss die Tibiakopffraktur sofort operiert werden.

Niederenergetische Unfälle bei älteren Patienten mit verminderter Knochendichte

Bei älteren Patienten kann aufgrund der abnehmenden Knochendichte bereits ein Sturz aus Standhöhe eine Fraktur verursachen. Auch eine stärkere Belastung des Tibiakopfes beim Herunterspringen von einer Stufe ist in einigen Fällen ausreichend, um einen Bruch zu provozieren.

Diese Brüche gehen im Vergleich zu Aufprallverletzungen seltener mit gravierenden Begleitverletzungen einher. Aber die Versorgung von Patienten mit verminderter Knochendichte oder möglichen Begleiterkrankungen stellt den behandelnden Arzt vor eine zusätzliche Herausforderung.

Einteilung der Bruchformen bei der Tibiakopffraktur

Der Tibiakopf kann an unterschiedlichen Stellen brechen und folgenschwere Schädigungen im Kniegelenk auslösen. Die exakte Erfassung der Bruchform durch den Arzt ist zwingend notwendig, um für jeden einzelnen Patienten die optimale Behandlungsstrategie zu entwickeln. Das erklärte Ziel ist, alle knöchernen Strukturen zusammen mit anderen Bestandteilen des Gelenks – dem Gelenkknorpel, dem Bandapparat und den Menisken – korrekt wiederherzustellen und Spätschäden vorzubeugen.

Klassifikation der Tibiakopffraktur:

  • Spaltbruch (Depressionsfraktur): Die Bruchlinie bildet einen Spalt an der Gelenkfläche. Die einzelnen Knochenfragmente sind gegeneinander verschoben und nicht mehr deckungsgleich.
  • Eindrückungsbruch (Impressionsfraktur): Teile der lasttragenden Gelenkfläche des Tibiakopfes sind eingebrochen. Knochenteile werden von den walzenförmigen Enden des Oberschenkelknochens (Femurkondylen) nach unten gedrückt. Ein Spaltbruch kann kombiniert mit einem Eindrückungsbruch vorliegen.
  • Trümmerbruch: Entstehen durch massive Krafteinwirkung viele Bruchspalten und Knochensplitter, spricht man von einem Trümmerbruch.
Schematische Darstellung der AO-Klassifikation von Tibiakopfbrüchen mit Einteilung von Schweregrad und Lokalisation in die Kategorien A, B und C von 1 bis 3. © Gelenk-Klinik Klassifikation der Arbeitsgemeinschaft für Osteosynthesefragen (AO) für proximale Tibiakopfbrüche. Kategorie A: Die Gelenkfläche des Schienbeins ist nicht betroffen. Kategorie B: Die Gelenkfläche ist teilweise betroffen. Kategorie C: Die Gelenkfläche ist vollständig betroffen. Der Schweregrad der Fraktur steigt von 1 bis 3. Bei B1 liegt beispielsweise ein Spaltbruch vor, bei B2 ein Eindrückungsbruch, bei B3 ein Spalt-Impressionsbruch. © Gelenk-Klinik

Alle Bruchformen können mit Schädigungen von Bändern, Menisken und – seltener – von Nerven und Gefäßen einhergehen. Dem Arzt stehen zur genauen Beschreibung der Fraktur etablierte Klassifikationen zur Verfügung. Diese erlauben eine detaillierte und international einheitliche Einteilung des vorliegenden Schadens.

Akute Symptome beim Bruch des Schienbeinkopfes

Ein Bruch des Schienbeinkopfes sorgt für den sofortigen, schmerzhaften Ausfall des betroffenen Kniegelenks. Das Kniegelenk ist wegen stechender Schmerzen nicht mehr belastbar. Unmittelbar nach einer Tibiakopffraktur leiden die Patienten typischerweise unter folgenden Beschwerden:

  • starke, stechende Schmerzen im Kniegelenk bei Belastung
  • eingeschränkte Beweglichkeit bzw. Streckfähigkeit im Kniegelenk
  • Schwellungen und Ergüsse im Knie- und Unterschenkelbereich
  • Einblutungen in das Gelenk, wenn die Gelenkfläche ebenfalls betroffen ist. Dann tritt fast immer ein Erguss durch eine Blutansammlung im Kniegelenk (Hämarthrose) auf.

Komplikation der Tibiakopffraktur: Kompartmentsyndrom am Unterschenkel

Bei ausgedehnten Frakturen mit Verletzung der umliegenden Weichteilstrukturen besteht die Gefahr eines Kompartmentsyndroms des Unterschenkels: Durch Anschwellen des Gewebes erhöht sich der Innendruck in den mit bindegewebigen Faszien abgegrenzten Muskelgruppen. Auf diese Weise kommt es zu einer gestörten Durchblutung der kleinen Blutgefäße (Mikrozirkulation). Das gestaute Gewebe wird dadurch nur noch unzureichend mit Sauerstoff versorgt und droht abzusterben. Bleibende, irreversible Schädigungen der Muskulatur und der Nerven sind die Folge des Kompartmentsyndroms.

Ein Kompartmentsyndrom ist daher ein absoluter medizinischer Notfall und bedarf sofortiger ärztlicher Behandlung. Wichtig: Ein fühlbarer Puls am Fuß schließt ein Kompartmentsyndrom des Unterschenkels nicht aus, da man die Durchblutung der kleinen Gefäße auf diese Weise nicht ertasten kann.

Chronische Knieschmerzen als mögliche Folgeschäden nach einer Tibiakopffraktur

Der Bruch des Tibiakopfes kann Auslöser für zahlreiche Folgeschäden im Kniegelenk sein. Dabei ist nicht nur die Fraktur des Schienbeinkopfes in der Gelenkfläche entscheidend. Der Orthopäde muss alle an der Funktion des Kniegelenks beteiligten Knorpel, Menisken, Stütz- und Bindegewebe sorgfältig untersuchen und mitbehandeln. Wenn diese Aspekte des Tibiakopfbruchs nicht angemessen erfasst werden, kann das Gelenk verschleißen und die Belastbarkeit sinken. Folge der Tibiakopffraktur ist dann häufig eine unfallbedingte Kniearthrose (sog. sekundäre Gonarthrose).

In der orthopädischen Gelenk-Klinik sind wir spezialisiert auf die Behandlung der Spätschäden nach einer Tibiakopffraktur. Diese machen sich häufig erst Jahre nach der akuten Fraktur durch chronische Knieschmerzen bemerkbar.

Komplikationen und chronische Beschwerden nach Tibiakopffraktur

Unser Ziel: Spätfolgen der Tibiakopffraktur vermeiden

Nach einem Bruch innerhalb eines Gelenkes stellt sich – mehr als bei anderen Knochenbrüchen – eine entscheidende Frage: Bildet sich nach dem Zusammenheilen der Knochenfragmente wieder eine belastbare Gelenkfläche aus, die den täglichen Herausforderungen des Kniegelenks unter allen Umständen gewachsen ist?

Als größtes Gelenk des menschlichen Körpers mit Gewicht tragender Funktion ist das Knie ein Leben lang großen Belastungen ausgesetzt. Nur wenige Verletzungen können die Lebensqualität der Patienten so stark beeinträchtigen wie der Bruch des Tibiakopfes. Bleiben nach dem Ausheilen der Fraktur Unebenheiten in der normalerweise glatten Gelenkfläche zurück, sind Betroffene weniger belastbar, sportlich eingeschränkt und es treten chronische Knieschmerzen als deutliche Zeichen einer Kniearthrose auf.

Es ist eine große Herausforderung für den Unfallchirurgen, nach einer Tibiakopffraktur die Beweglichkeit im Kniegelenk wieder optimal herzustellen und dauernden Einschränkungen für die Patienten vorzubeugen. Im Folgenden möchten wir den Blick auf die Möglichkeiten einer umfassenden Versorgung der Tibiakopffraktur richten.

Begleitverletzungen der Tibiakopffraktur: Knorpel, Meniskus, Kreuzband und Seitenbänder

Oftmals begleiten Verletzungen an Bändern und Weichteilen eine Hochrasanzfraktur – ein Knochenbruch, der durch einen Aufprall mit hoher Energie entsteht.

Diese Begleitverletzungen können noch Jahre nach der Akutbehandlung zu chronischen Knieschmerzen führen. Der Patient leidet unter eingeschränkter Belastbarkeit des Kniegelenks in Alltag und Sport. Häufig treten diese Begleitverletzungen in unterschiedlichem Ausmaß als Resultat der Tibiakopffraktur auf. Durch eine genaue Untersuchung müssen wir im jeweiligen Einzelfall herausfinden, welche der Ursachen für die Knieschmerzen verantwortlich sind.

Knöcherne Stufenbildung in der Gelenkfläche nach Tibiakopffraktur

Normalerweise ist das Tibiaplateau auf seiner Oberfläche vollständig glatt. Unebenheiten der Gelenkfläche wie beispielsweise knöcherne Stufen führen aufgrund der stärkeren Reibung zu vermehrter Knorpelabnutzung. Auch diese Folge einer Tibiakopffraktur kann langfristig zu einem posttraumatischen Verschleiß im Kniegelenk, der Kniearthrose (Gonarthrose), führen.

Knorpelverletzungen und osteochondrale Läsionen

Knorpelverletzungen oder Knochen-Knorpelverletzungen sind Folge von überlasteten Gelenkflächen. In machen Fällen ist sogar der unter der Gelenkfläche liegende Knochen geschädigt. Man bezeichnet diese Traumata von Knorpeln und Knochen auch als osteochondrale Läsionen.

Für osteochondrale Läsionen bieten wir einige stadiengerechte operative Therapien zum Gelenkerhalt oder Gelenkersatz:

Gelenkerhaltende Therapien von Knochen-Knorpelschäden

Gelenkersetzende Therapien von Knochen-Knorpelschäden

Seitenbandriss oder Dehnungen der Seitenbänder mit Instabilität

Seitenbänder des Kniegelenks werden meistens konservativ durch Ruhigstellung mithilfe von Schienen behandelt. Die Seitenbänder stabilisieren das Kniegelenk gegen seitliches Aufklappen.

Meniskusriss nach Tibiakopffraktur

Durch einen Meniskusriss bilden sich scharfe Kanten in der Gelenkfläche. Dies kann zum erhöhten Knorpelabrieb am Oberschenkelknochen (Femur) führen.

Therapie des Meniskusriss

Eine operative Glättung (Meniskusteilresektion) kann den Meniskusriss therapieren. Dadurch wird der Knorpelabrieb am Oberschenkelknochen vermindert. Die Entzündungs- und Schwellungsneigung des Kniegelenks reduziert sich. in einigen Fällen – vor allem bei jüngeren Patienten – ist auch eine Meniskusnaht möglich.

Kreuzbandriss oder Kreuzbanddehnung nach Schienbeinkopffraktur

Ein Kreuzbandriss als Begleitverletzung der Tibiakopffraktur führt zu einer Überbeweglichkeit des Kniegelenks. Dies überlastet Knorpel und Menisken im Kniegelenk, wodurch sie verschleißen. Aus einer chronischen Instabilität des Kniegelenks kann eine Kniearthrose entstehen. Häufig ist eine Instabilität des Kreuzbandes schwer auszumachen, wenn das Band äußerlich noch intakt ist, aber eine Dehnung die innere Struktur zerstört hat (Kreuzbandinstabilität).

Therapie des Kreuzbandrisses

Kreuzbandriss und Kreuzbanddehnung lassen sich meist durch eine operative Transplantation behandeln.

Achsfehlstellungen im Kniegelenk als Folge der Tibiakopffraktur

Die Fehlstellung der Beinachse (X-Bein, O-Bein) ist eine mögliche Folge der Fraktur des Tibiakopfes. Wegen der Fehlbelastung kann sich ein vorzeitiger Gelenkverschleiß (Arthrose) entwickeln. Der Tibiakopf verheilt in einigen Fällen nach einer komplexen Fraktur oder Operation mit ungenauer Wiederausrichtung (Reposition) der Gelenkflächen in einer Fehlstellung. Knieschmerzen, Bewegungseinschränkungen und eine posttraumatische Kniearthrose (Gonarthrose) können die Folge der Fehlstellung sein.

Therapie der Fehlstellung: Osteotomie (Umstellungsoperation)

Die Osteotomie des Kniegelenks korrigiert die Neigung des Tibiaplateaus durch Einbringen eines kleinen Knochenkeils in das Schienbein.

Einsteifung des Kniegelenks durch ungenügende Mobilisierung

Die frühzeitige und regelmäßige Bewegung des verletzten Kniegelenks mittels gut durchgeführter Physiotherapie ist wichtig, um eine Einsteifung nach ausgeheilter Fraktur zu verhindern. Eine Versteifung führt zu einer eingeschränkten Beweglichkeit des Kniegelenks. Ursache für eine Gelenkversteifung sind häufig narbige Verwachsungen im Bereich des Kniegelenks, die meist das Weichteilgewebe betreffen.

Arthrolyse: Operative Behandlung der Kniegelenksteife

Bewegungsdefizite im Knie nach Tibiakopffraktur können durch unzureichende oder nicht adäquate Mobilisation entstehen. Narbige Verwachsungen im Gelenk – insbesondere in einem frühen Stadium nach der Verletzung – begünstigen Gelenkeinsteifungen.

Die Arthrolyse (Lösung von Verwachsungen im Kniegelenk) zählt zu den operativen Verfahren. In den meisten Fällen führen wir eine Arthrolyse minimalinvasiv im Rahmen einer Arthroskopie durch. Narbige Verwachsungen, die aufgrund einer Verletzung entstanden sind, werden vom Kniespezialisten durchtrennt oder entfernt.

Der Patient kann sein Kniegelenk nach einer Arthrolyse meist deutlich besser bewegen. Er erhält die Mobilität zurück, die er sich für ein aktives Berufs- und Privatleben wünscht. Während einer Arthrolyse kann der Orthopäde störendes Material aus dem Gelenkspalt entfernen.

Fraktur der knöchernen Erhebungen an der Vorderseite des Schienbeinkopfes (Tuberositas tibiae)

An den knöchernen Höckern an der Vorderseite des Schienbeins (Tuberositas tibiae) setzen die Patellasehne und der Oberschenkelmuskel an. Eine Fraktur mit Knochenverschiebung (Dislokation) der knöchernen Erhebungen kann zum vollständigen Verlust der Streckfunktion des Kniegelenks führen. Der Patient kann das Bein dann nicht mehr vollständig durchstrecken.

Therapie der Tuberositas-tibiae-Fraktur am Kniegelenk

Der Orthopäde kann die Knochenvorsprünge mithilfe einer Schraubenosteosynthese wieder operativ refixieren. Nach einer mehrwöchigen Teilbelastung ist das Fragment wieder stabil angewachsen.

Verletzungen von Blutgefäßen und Nerven bei Tibiakopffraktur

Verletzungen der Kniekehlen-Arterie (Arteria poplitea) und des Wadenbeinnervs (Nervus peroneus) treten selten auf. Sie müssen aber dringend vom untersuchenden Arzt ausgeschlossen werden. Ansonsten droht ein Funktionsverlust oder sogar der Verlust des Beines wegen Durchblutungsproblemen.

Diagnose der Tibiakopffraktur: Wie untersucht der Arzt den Bruch des Schienbeinkopfes?

Die Gefahr der oben genannten Spätfolgen erfordern eine besonders gründliche Untersuchung durch den Facharzt: Mithilfe apparativer Diagnostik beurteilt der Orthopäde alle Schäden an Knochen, Bändern und Weichteilen.

Blickdiagnose: Die äußeren Verletzungszeichen

Prellungen, Schwellungen, äußere Wunden und die Verformung des Kniegelenkes sind typische Symptome einer Tibiakopffraktur und führen den untersuchenden Arzt schnell zur richtigen Diagnose.

Apparative Diagnostik und Bildgebung

  • Röntgendiagnostik: Bei Verdacht auf einen Tibiakopfbruch werden Röntgenbilder in zwei Ebenen von Knie und Unterschenkel angefertigt. Bei einfachen Frakturen ist das Röntgenbild ausreichend, um den Verlauf der Fraktur darzustellen und eine Behandlungsstrategie abzuleiten.
  • CT und DVT: Die Computertomografie (CT) oder Digitale Volumentomografie (DVT) ermöglichen dem Orthopäden, die vorliegenden knöchernen Verletzungen und den Zustand der Gelenkfläche im Kniegelenk im Knochen zu beurteilen. Auf der Grundlage einer dreidimensionalen Darstellung der Bruchfragmente kann er bei komplexen Tibiakopffrakturen die unterschiedlichen Frakturtypen eindeutig untersuchen. Mithilfe dieser Strahlendiagnostik lässt sich der genaue Verlauf von Bruchflächen und die Lage von Fragmenten darstellen und bewerten. Bei Trümmerbrüchen ist diese Untersuchung unerlässlich, um die Lage der Fragmente genau beurteilen zu können. Auch bei Heilungsschwierigkeiten nach der Operation, z. B. bei der Bildung von Pseudarthrosen (überbeweglichen Falschgelenken) ist die Untersuchung mit der DVT unerlässlich. Damit lässt sich die Situation im Inneren des Schienbeinkopfes genau darstellen.
  • MRT: Die Magnetresonanztomografie ermöglicht eine strahlenfreie Darstellung von Sehnen, Bändern und Weichteilverletzungen. Bei komplizierten Knieverletzungen unterstützt die Magnetresonanztomografie den Arzt bei der Diagnose von Meniskus- und Bandverletzungen. Insbesondere die Verletzungen der für die Funktion des Kniegelenks wesentlichen Gewebe wie Kreuzband oder Meniskus muss nach Tibiakopffraktur stets mittels MRT ausgeschlossen werden.
  • Sonografie (Ultraschalluntersuchung): Bei einer akuten Verletzung muss der Arzt beurteilen, ob die Blutgefäße oder Seitenbänder im Kniebereich verletzt sind. Dazu führt er mit dem Ultraschallgerät eine Doppler-Sonografie durch. Ein Kompartmentsyndrom muss ebenfalls ausgeschlossen werden.

Therapie: Wie behandelt der Orthopäde die Tibiakopffraktur?

  • Ruhigstellung mit Gips oder Orthese
  • Entlastung durch Unterarmgehstützen
  • frühzeitige physiotherapeutische Mobilisierung zur Vermeidung einer Einsteifung
  • bei verschobenen oder komplexen Brüchen: OP und Fixierung mit Platten und Schrauben

Nach einer Tibiakopffraktur will der Arzt das Kniegelenk und die Achsenverhältnisse des Beines durch Zusammenheilen der Fraktur anatomisch korrekt wiederherstellen. Die Therapie soll die Gefahr einer posttraumatischen Kniearthrose als Spätfolge vermeiden.

Zentral ist die Wiederherstellung der normalen Gelenkfunktion. Eine länger andauernde Unbeweglichkeit des Kniegelenks versuchen wir im Hinblick auf die sonst drohende Gelenksteife zu vermeiden.

Wird sofort nach dem Unfall operiert oder erst später?

Offene Brüche (bei gleichzeitiger Verletzung der Haut) des Schienbeinkopfes sollten unmittelbar nach dem Unfallereignis operiert werden. Bei geschlossenen Brüchen wartet der Arzt etwa 1–2 Wochen ab, bis das umgebende Weichgewebe abgeschwollen ist. Falls Verletzungen an Bändern oder Sehnen des Knies bestehen, versorgt der Orthopäde diese während der Operation der Tibiakopffraktur mit.

Begleitverletzungen und Komplikationen an Knorpel, Bändern und Menisken

Bei einem Bruch des Tibiakopfes, der durch einen Aufprall mit hoher Geschwindigkeit oder aus großer Höhe entsteht (Hochrasanzverletzung), ist häufig nicht nur der Knochen betroffen. Alle an der Funktion des Kniegelenks beteiligten Strukturen können durch Begleitverletzungen mitbetroffen sein. Oftmals wirkt die Fraktur sich daher zusätzlich auf Kreuz- und Seitenbänder und die Menisken aus.

  • Wichtige Nerven und Blutgefäße, die am Kniegelenk verlaufen, können insbesondere bei hohen Geschwindigkeiten (z. B. Auto- und Motorradunfälle) in Mitleidenschaft gezogen werden.
  • Bei offenen Frakturen bestehen Verletzungen des Haut- und Weichteilgewebes. Ohne schützende Hautbarriere können Bakterien in die Wunde gelangen und eine Infektion mit Knochenbeteiligung (Osteomyelitis) verursachen.

Die konservative Behandlung der Tibiakopffraktur

Einfache Tibiakopffrakturen, bei denen die knöchernen Fragmente nicht gegeneinander verschoben (“disloziert”) sind, können meist problemlos konservativ behandelt werden. Der Patient trägt hierzu eine Orthese (äußerlich angelegte Schiene) und entlastet das betroffene Kniegelenk mittels Unterarmgehstützen. Regelmäßige ärztliche Termine und Röntgenkontrollen während der Heilung sind unerlässlich, um die Gefahr einer sekundären Dislokation (Verschiebung der Bruchfragmente) schnell zu erkennen.

Krankschreibung und Dauer der Knochenheilung nach Tibiakopffraktur

Patienten müssen mit einem relativ langen Heilungszeitraum rechnen. In dieser Zeit müssen sie das betroffene Kniegelenk entlasten. Es kann bis zu 12 Wochen dauern, bis die Bruchzone so weit ausgeheilt ist, dass der Tibiakopf wieder den Belastungen des Alltags standhält.

Die Dauer der notwendigen Krankschreibung richtet sich dabei nach dem Beruf der Patienten. Ein ganz entscheidender Faktor für ein optimales Behandlungsergebnis ist ein frühzeitiger Beginn der Bewegungstherapie durch Mitwirkung des Physiotherapeuten.

Konservative oder operative Therapie der Tibiakopffraktur?

Heutzutage bevorzugen wir die operative Therapie einer Tibiakopffraktur. Danach ist eine schnellere Vollbelastung des Kniegelenks möglich. Ebenso ist zu bedenken, dass nicht jeder Patient (z. B. in höherem Alter) in der Lage ist, eine entlastende oder teilbelastende Mobilisation mit Unterarmgehstützen durchzuführen.

Die chirurgische (operative) Behandlung der Tibiakopffraktur

Bei folgenden Umständen ist eine Operation der Tibiakopffraktur unumgänglich:

  • Verschiebung (Dislokation) der Bruchfragmente
  • Beteiligung der Gelenkfläche
  • Achsfehlstellungen im Kniegelenk

Zur Frakturstabilisierung werden die einzelnen knöchernen Fragmente durch den Operateur präzise reponiert. Das bedeutet, er platziert sie an ihren ursprünglichen Platz und fixiert sie mit Schrauben und winkelstabilen Platten. Dieses operative Vorgehen bezeichnet der Mediziner als Platten-Osteosynthese. Es bietet den Gelenkknochen eine hohe Stabilität, sodass das Knie rasch wieder mobilisiert und zumindest teilbelastet werden kann.

Die Osteosynthese mit winkelstabilen Plattensystemen überbrückt von außen die Bruchzone, sodass eine Durchblutung im Bereich der Fraktur möglich ist. Diese minimalinvasive Operationstechnik schont das umliegende Weichteilgewebe. Bei komplexen Frakturen ist die Abstützung des Tibiakopfes mit Platten von mehreren Seiten denkbar.

Im Anschluss an die operative Versorgung kontrolliert der Arzt den Behandlungserfolg und schließt die Entwicklung eines Kompartmentsyndroms beim Patienten aus.

Periprothetische Schienbeinkopffraktur

Eine besondere Stellung nimmt der Tibiakopfbruch bei bereits vorhandenem Kunstgelenk (Knieendoprothese) ein. Diese Operationen erfordern ein hohes Maß an rekonstruktivem wie auch endoprothetischem Verständnis. Die Behandlung ist individuell sehr unterschiedlich und von folgenden Faktoren abhängig:

  • Art und Form des vorhandenen Kunstgelenks
  • Anspruch des Patienten
  • Bruchform
  • Schäden im umgebenden Gewebe

Wie sieht die Nachbehandlung der Tibiakopffraktur aus?

Patienten, die ein Anti-Gravitations-Laufband nutzen, können sehr früh nach einer Knie-Operation gehen, laufen oder Übungen ausführen. In einer Druckkammer, die in Hüfthöhe luftdicht abschließt, verringert der erhöhte Luftdruck das Körpergewicht des Patienten um bis zu 80 %. Diese Hebekräfte vermindern die Stoßwirkung auf der Unterlage. Patienten behalten ihr natürliches Gangbild bei und bewegen frühzeitig Muskeln, Sehnen und Gelenke. Das Anti-Gravitations-Laufband ermöglicht Patienten unmittelbar nach Knie-Operationen einen frühen Reha-Beginn mit geringer Schmerzbelastung. Eine Druckkammer, die luftdicht an der Hüfte abschließt, verringert das Körpergewicht des Patienten in kleinen Schritten um bis zu 80 %. Der erhöhte Luftdruck hebt die Schwerkraft während des Gehens, Laufens oder der Übungen auf. Der Patient behält sein natürliches Gangbild bei und mobilisiert Muskeln, Sehnen und Bänder frühzeitig. Ein Bildschirm liefert dem Arzt eine aktuelle Ganganalyse und Schmerzempfindungen des Patienten. Copyright Gelenk-Klinik

Eine konsequente Nachbehandlung ist sowohl bei einer konservativen als auch bei einer operativen Behandlung der Tibiakopffraktur erforderlich. Sie besteht in erster Linie aus Physiotherapie, damit der Patient die gewohnte Bewegungsfähigkeit zurückerhält. Moderne Behandlungsverfahren wie ein Antigravitationslaufband verringern die Rückbildung der Muskulatur und erhalten das Bewegungsgefühl.

Postoperativ kann der Patient zudem die Beweglichkeit des Kniegelenks zunächst durch die passive Bewegung des Beines auf einer motorisierten Bewegungsschiene trainieren. Er steigert dabei die Belastungen vorsichtig Schritt für Schritt, um eine Überforderung des Tibiakopfes zu vermeiden.

Wann ist eine Vollbelastung des operierten Kniegelenks wieder möglich?

Eine Vollbelastung im Alltag ist bei einfachen Brüchen in der Regel nach 6 Wochen möglich. Bei komplizierten Brüchen dauert es unter Umständen bis zu 12 Wochen. Wichtig ist, dass der Patient seine Beinmuskulatur kräftigt, um das operierte Kniegelenk optimal zu stabilisieren.

Wie gestaltet sich die Physiotherapie nach Tibiakopffraktur?

Bei jedem Patienten unterscheiden sich bei einer Tibiakopffraktur die Art, der Schweregrad und die begleitenden Schäden an Sehnen, Bändern oder Menisken. Daher ist eine generelle Empfehlung bestimmter Übungen nicht möglich. Diese müssen individuell an den Patienten angepasst werden. Trotzdem sollte sich die Nachbehandlung an bestimmten Prinzipien orientieren, die im Folgenden dargestellt werden.

Abschwellende Maßnahmen

Um die Wundheilung zu unterstützen und einer starken Schwellung entgegenzuwirken, eignen sich folgende Maßnahmen:

Beweglichkeitstraining

Nach einer Operation bestehen Bewegungsvorgaben bzw. -einschränkungen. Trotzdem sollten möglichst frühzeitig alle erlaubten Bewegungen auch ausgeführt werden. Dies verringert die Gefahr einer Versteifung und Vernarbung des Knies. Sprechen Sie deshalb mit Ihrem Arzt und Physiotherapeuten über das erlaubte Bewegungsausmaß.

Übungen zur Bewegungserweiterung zeichnen sich durch eine hohe Wiederholungszahl bei geringer Belastung aus. Dies bedeutet, dass es sinnvoller ist, eine Bewegung häufig zu wiederholen, ohne jedoch mit Anstrengung oder hoher Muskelkraft zu arbeiten.

Neben der Beweglichkeit im Kniegelenk sollte die Therapie unbedingt auch die Bewegung im oberen Sprunggelenk beachten, um einem fehlerhaften Gangbild vorzubeugen. Auch eine regelmäßige Behandlung der Narben durch eine sogenannte Narbenmobilisation ist wichtig.

Beispielübung: Boden wischen

Boden wischen im Sitzen Übung Boden wischen: Diese Übung verbessert die Beweglichkeit des Kniegelenks und reduziert Knieschmerzen. © Gelenk-Klinik.de

Ausgangsstellung: Sitz mit angewinkelten Beinen auf einem Hocker. Der Fuß steht auf einem Tuch, das auf einem Boden mit wenig Widerstand liegt, z. B. Parkett oder Fliesen.

Durchführung: Wischen Sie durch Ausstrecken und Anziehen des Beines im Kniegelenk den Boden mit dem Fuß. Führen Sie die Bewegungen gleichmäßig aus.

Wiederholen Sie die Übung pro Bein 20-mal. Dies entspricht einem Satz. Führen Sie 2–3 Sätze durch mit jeweils circa 30 Sekunden Pause zwischen den Sätzen. Üben Sie 2- bis 3-mal pro Woche.

Belastungstraining

Eine Ruhigstellung führt zu Schäden im Gewebe, sogenannten Immobilisationsschäden. Dies betrifft Knochen, Knorpel und Muskeln, aber auch Sehnen und Bänder.

Diese Immobilisationsschäden will man vermeiden oder zumindest gering halten.

Je nach postoperativem Stadium stehen Ihnen dazu verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Eine gute Abstimmung und Kommunikation zwischen Patient, Arzt und Physiotherapeut sind für eine optimal ausgerichtete Behandlung besonders wichtig.

Bewegungsstabiler Zustand: bis 6. Woche nach OP

In den ersten 6 Wochen nach dem Schienbeinkopfbruch darf der Patient passive Bewegungen, assistive Bewegungen unter Mithilfe des Therapeuten und aktive Bewegungen durchführen.

  • Statische Muskelarbeit bei gestrecktem Knie aktiviert die knieführende Muskulatur.
  • Training mit dem gesunden Bein bewirkt gleichzeitig Muskelanspannungen im operierten Bein, sogenannte Ko-Kontraktionen.
  • Stemmführung nach Brunkow: Durch parallele Kräftigung von Bauch- und Rückenmuskulatur erzielt der Patient eine aufrechte Körperhaltung.

Belastungsstabiler Zustand: ab der 7. Woche nach OP

Der Patient darf nach Abschluss der Wundheilung Bewegungen im Rahmen seiner Möglichkeiten gegen einen angepassten Widerstand ausführen und steigern.

  • Kräftigen des gesamten Beines
  • Ausdauertraining
  • Koordinationstraining
  • Gleichgewichtstraining
  • Gangschule

Trainingsstabiler Zustand: ab der 13. Woche nach OP

13 Wochen nach der Operation des Tibiakopfes darf der Patient aktive, wiederholte Bewegungen gegen die Schwerkraft oder einen Widerstand durchführen. Es sind durch mehrmalige Wiederholung keine negativen Einflüsse mehr auf die ehemals verletzten Strukturen zu erwarten.

Das Training muss je nach Anspruch und Fortschritt der Heilung angepasst werden. Erlaubt sind Fahrrad fahren, Schwimmen, Reflextraining und Funktionstraining.

Welche Prognose hat eine behandelte Tibiakopffraktur?

Die Therapieergebnisse variieren und hängen entscheidend von der Komplexität und Art des Bruches ab. Bei umfangreichen Frakturen mit Beteiligung des Gelenks bleibt das Restrisiko von Spätfolgen bestehen. Dazu zählen beispielsweise die Gonarthrose mit Fehlstellungen oder chronische Knieschmerzen.

Eine gute operative Erstversorgung schafft die Voraussetzungen für eine gute Prognose. Wichtig dafür ist die Rekonstruktion der gebrochenen Gelenkfläche, die Wiederherstellung der normalen Beinachse und die Naht gerissener Bänder. Eine konsequente Nachbehandlung mit adäquater Physiotherapie sowie gute individuelle Voraussetzungen sind zusätzlich essentiell für den Heilungsverlauf und die spätere Funktion des Beines.

Fachartikel von Priv.-Doz. Dr. med. habil. Bastian Marquaß zum Bruch des Schienbeinkopfes auf Jameda

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