Orthopädische Gelenk-Klinik

Orthopädische Gelenk-Klinik

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Kniespezialist Freiburg untersucht die Kniearthrose

Arthrose: Wie können wir ein Gelenk trotz Gelenkverschleiß erhalten?

Was ist Arthrose?

ArthroseAlle Gelenke des menschlichen Körpers können von Arthrose (Gelenkverschleiß) befallen sein. Bei Arthrose wird der als Gleitschicht für die Gelenkbeweglichkeit essentielle Gelenkknorpel abgebaut. Das Gelenk wird schmerzhaft, kann sich entzünden und versteift. © iStockphoto.com/Eraxion

Arthrose ist fortschreitender Gelenkverschleiß: Über viele Jahre wird die gleitfähige Knorpelschicht im Gelenk abgebrieben. Später führt Arthrose auch zu schmerzhaften Veränderungen an den Knochen, bis hin zu schmerzhaften Einsteifung des Gelenks im Endstadium. Wir wollen in diesem Artikel Arthrose nicht nur als schicksalhaften, unaufhaltsamen Gelenkverschleiß darstellen. Stattdessen wollen wir die gelenkerhaltenden Therapiemöglichkeiten in der Vordergrund stellen: Werden diese gelenkerhaltenden Therapien rechtzeitig angewendet, können wir Arthrose stark verzögern, und manchmal sogar ganz beenden. Voraussetzung der gelenkerhaltenden Therapie der Arthrose ist stets eine genaue Diagnose der Ursache. Je früher die konkrete Arthrose-Ursache fachärztlich geklärt wird, um so vielfältiger sind die Behandlungsmöglichkeiten zum Gelenkerhalt.

Über 5 Mio. Patienten mit Arthrose gibt es in Deutschland.

Arthrose ist die häufigste Gelenkerkrankung. Über 3 Mio. Menschen in Deutschland haben wegen Arthrose schon ein künstliches Gelenk erhalten. Am häufigsten ist das Knie betroffen, dann folgt das Hüftgelenk. Jährlich werden 150.000 Kniegelenke und 200.000 Hüftgelenke ersetzt. Dazu kommen jährlich 12.000 Schulterprothesen.

Verbreitung (Epidemologie) von Gelenksarthrose

In der Rotterdamstudie, die im Jahr 1997 durchgeführt wurde wurde ein Bevölkerungsquerschnitt von 1040 Patienten im Alter von 55 bis 65 Jahren auf Arthrose untersucht. Nur 135 Personen (also 12%) waren frei von jeder Form der im Röntgenbild nachweisbaren Arthrose. In dieser Reihenuntersuchung wurde Arthrose an den Händen, Wirbelsäule, Hüfte und Knie berücksichtigt.

Diese Studie erlaubt folgende Voraussage für die Häufigkeit von Arthrose: Durch die allgemeine Alterung der Gesellschaft wird der Anteil an Patienten, die mit schwerem Gelenkverschleiß leben, auch in Zukunft weiter ansteigen.

Gelenkverschleiß ist eine der häufigsten Ursachen für chronische Schmerzen und Bewegungsstörungen. In den meisten Fällen tritt die Arthrose in Knie oder Hüfte auf. Aber auch Hände, Schultern, Wirbelsäule und Sprunggelenke sind betroffen.

Die mit Röntgen feststellbare Arthroserate im Kniegelenk liegt bei den bis zu 35-jährigen Frauen unter 4%. Bei den gleichaltrigen Männern liegt sie mit 5,6 % etwas höher.

Bei den 55-64 jährigen Frauen steigt die Rate an Kniearthrose auf über 40% an. Bei Männern zwischen 55-64 Jahren liegt die Arthroserate bei 28,2% aller untersuchten Personen. Im höheren Lebensalter ist die Arthroserate bei Frauen in allen Altersgruppen deutlich höher als bei Männern. (Lawrence et al, 1966) Bemerkenswert ist aber, dass nur ein Teil der Patienten, bei denen Arthrose radiologisch (mit Röntgen) feststellbar war, auch unter den Symptomen leiden. Bei vielen Betroffenen verläuft die Arthrose über lange Zeit still und symptomfrei.

Arthrose im Knie Arthrose-Knie von vorne gesehen: Patella, Innen- und Außenmeniskus und das vordere Kreuzband. © Viewmedica

Vor dem 45. Lebensjahr sind Männer also weit häufiger von der Arthrose betroffen, als Frauen.

Über 55 ändert sich die Verteilung der Arthrose: Dann sind Frauen häufiger von Arthrose betroffen.

Am häufigsten betroffen sind die im Alltag und bei der Arbeit häufig stark belasteten Hüft- und Kniegelenke. Ist das Hüftgelenk betroffen, bezeichnet man dies medizinisch als Coxarthrose (Hüftarthrose ) - die Arthrose des Kniegelenks bezeichnet man medizinisch als Gonarthrose (Kniearthrose).

Arthrose ist ein Verschleiß eines Gelenks durch krankhafte Knorpelrückbildung (Degeneration). Im Laufe des Lebens wird die Funktion jedes Gelenkknorpels durch den normalen, altersbedingten Verschleiß schlechter. Von behandlungsbedürftiger Arthrose ist ein Gelenkverschleiß, der im Vergleich zur eigenen Altersgruppe überdurchschnittlich weit fortgeschritten ist.

Da die Knorpelschicht keinerlei sensible Nervenendigungen (Schmerzfühler) enthält, sind Schäden am Knorpel immer erst wahrnehmbar, wenn die Defekte bereits bis zu der unter dem Knorpel liegenden Knochenschicht reichen. Jeder weiß, wie schmerzhaft ein Anrempeln von Ellenbogen oder Schienbeinkante sein kann. Dies verdeutlicht, wie druckempfindlich die Knochenhaut (Periost) auf Stöße reagiert. Das beschreibt die Schmerzen bei einer fortgeschrittenen Arthrose annähernd.

Wie kann ich Gelenkverschleiß und Arthrose vorbeugen?

  • Übergewicht vermeiden: Hohes Körpergewicht belastet die Gelenke; Fettgewebe fördert entzündlichen Knorpelverlust.
  • Bewegung ist ein Lebenselixier das Gelenk: Knorpelregeneration in jedem Gelenk wird durch sanfte Bewegung gefördert.
  • Muskeltraining und Aufbau: Eine gut trainierte Muskulatur entlastet die Gelenke bei jeder Bewegung.
  • Bewusst ernähren: Hoher pflanzlicher Nahrungsanteil (Gemüse) reduziert knorpelschädliche Entzündungsprozesse im Körper. Rotes Fleisch und tierische Fette erhöhen die Entzündungsneigung.
  • Genussgifte meiden: Alkohol und Nikotin schädigen auch die Vitalität Ihrer Knorpelzellen.
  • Vorbeugende Instandhaltung Ihrer Gelenke: Wenn Sie nach Stürzen oder Unfällen chronische Schmerzen haben, klären Sie das mit Ihrem Spezialisten ab. Instabilität oder unbehandelte Knorpelschäden können langfristig zu Arthrose führen, wären aber bei rechtzeitiger Diagnose einfach zu behandeln.

Ursachen und Risikofaktoren

Arthrose ist immer die Folge einer Überbelastung der Gelenkflächen, die die von Natur aus geringe Regenerationsfähigkeit dieses Gewebes überfordert. Weil Muskeln die Gelenke entlasten und Stöße abfangen, begünstigt auch eine schlecht trainierte Muskulatur, vor allem in Verbindung mit Übergewicht, auch die Entstehung von Arthrose in allen Gelenken.

Fettgewebe belastet die Gelenke nicht nur wegen des höheren Körpergewichts: Die biochemische Aktivität von Fettgewebe, vor allem von Bauchfett, erhöht die allgemeine Entzündungsneigung im gesamten Körper, aber auch in den Gelenken. Entzündungsprozesse fördern direkt den Knorpelabbau und beschleunigen so die Erweichung des Gelenkknorpels. Reichlich vorhandenes und biochemisch aktives Fettgewebe verstärkt über biochemische Regelkreise daher den Knorpelabbau in den Gelenken.

Eine erhöhte Arthroseneigung wird auch häufig, als erbliche Belastung, in Familien weitergegeben.

Knorpel werden nicht durchblutet, sondern über einen passiv bewegten Strom aus Gewebsflüssigkeit ernährt. Bewegung ist also eine natürliche Pumpe für diesen Prozess. Wegen des wesentlichen Einflusses der Bewegung auf die Knorpelregeneration ist auch Bewegungsmangel - und nicht nur Überlastung der Gelenke - ein Auslöser der Arthrose.

Eine stark verminderte Knochendichte (Osteoporose) ist ebenfalls ein Risikofaktor für Arthrose: Je geringer die Knochendichte, um so höher ist die Arthroseneigung bei Osteoporosepatienten.

Was sind die wichtigen Risikofaktoren?

Höheres Arthroserisiko durch...

  • Muskelschwäche
  • Bewegungsmangel
  • Fehlstellungen (Dysplasie im Hüftgelenk oder X-Bein bzw. O-Beinstellung im Knie)
  • Knorpeltrauma (Unfall)
  • Gelenknahe Frakturen
  • Übergewicht
  • Mangelnde Bewegungskoordination und Selbstwahrnehmung (Neurologische Ursachen, Alter)
  • Erbliche Faktoren
  • Osteoporose (Knochenschwund)
  • Knochennekrose (Absterben des Knochens wegen Durchblutungsstörungen)

Bei Arthrose ist das Alter der stärkste Faktor, der die schmerzfreie Beweglichkeit eines Gelenks beeinflusst. Aus den oben ausgeführten Zahlen geht die Altersabhängigkeit klar hervor. Ein weiterer Risikofaktor scheint weibliches Geschlecht zu sein. Frauen haben im Alter eine deutlich höhere Arthroserate als Männer. Die Gründe für die relativ große Anfälligkeit von Frauen sind noch nicht wirklich geklärt.

Allgemeine und gelenkspezifische Risikofaktoren sind ein wichtiger Gesichtspunkt zur Planung der Therapie. Sie können den Verlauf und die Intensität des Gelenkverschleißes stark beeinflussen. Bei geeigneter Therapie verläuft das Leben vieler Arthrosepatienten fast normal, unter relativ geringen Beeinträchtigungen.

Die Rolle des Körpergewichtes

Laufen und Bewegung zur Vorbeugung gegen Arthrose Normalgewicht und regelmäßige Bewegung entlastet die Gelenke und senkt die Entzündungsneigung im Körper. Deshalb ist regelmäßige, sanfte Bewegung die effektivste Vorbeugung gegen Arthrose. © Wikimedia.org

Für die Rolle des Gewichts bei der Arthroseentstehung gibt es eine einfache und eine komplexere Erklärung. Der einfache Zusammenhang zwischen Körpergewicht und Gelenkverschleiß besteht in der größeren mechanischen Last auf den Gelenken. Alle Gelenke der unteren Extremität (Hüfte, Knie, Sprunggelenk) tragen das gesamte Körpergewicht. Beim Laufen und Springen wirkt häufig ein Vielfaches des Körpergewichtes auf die Gelenkknorpel ein.

Bei stark übergewichtigen Patienten liegt der Zeitpunkt einer Hüftprothesenoperation daher um über 10 Jahre früher, als bei Normalgewichtigen. Bei der Knieprothese ist dieser Zusammenhang noch deutlicher: Übergewichtige bekommen durchschnittlich 13 Jahre früher eine Knieprothese, als Normalgewichtige.

Das individuelle Risiko, eine Arthrose zu entwickeln, ist bei stark Übergewichtigen mehr als doppelt so hoch, wie bei Normalgewichtigen. (Felson et al, 1988)

Unter den kontrollierbaren Faktoren, die Arthrose begünstigen, ist das Übergewicht der wichtigste einzelne Faktor.

Gewichtsregulierung und regelmäßige Bewegung ist daher einer der wichtigsten Ansätze zur →Vorbeugung von Arthrose durch bewusste Ernährung.

Aktivität von Fettgewebe und Arthroseentstehung

Der höhere Druck auf die Gelenke durch Übergewicht und die schlechtere Gelenkführung bei Muskelschwäche ist eine anerkannte Ursache der Arthrose. Fettgewebe hat jedoch auch nachteilige Folgen für den Stoffwechsel der Knorpelgewebe in den Gelenken (Peruccio et al, 2014).

Fettgewebe bildet entzündungsfördernde Stoffe (Adipokine). Gelangen diese Adipokine in die Gelenkflüssigkeit, beschleunigen sie auch den Abbau der Knorpel.

Untersuchungen an der Gelenkflüssigkeit übergewichtiger Patienten haben diesen Zusammenhang belegt.

Muskeltraining und Reduktion von Fettgewebe vermindert also nicht nur Arthrose durch verringerte mechanische Belastung durch Gewichtsverlust. Durch die langfristig positive Beeinflussung des Stoffwechsels verringert sich auch die Arthrose durch Reduktion der Entzündungsfaktoren im Körper.

Erbliche Faktoren begünstigen die Arthrose

Erbliche Arthrose-Auslöser

  • Genmutationen können die Knorpelbildung beeinträchtigen.
  • Wachstumsstörungen können die Ausbildung der Gelenkflächen stören (Hüftdysplasie, X- und O-Bein Stellung im Kniegelenk)
  • Erbliche Erkrankungen im Stoffwechsel stören die Knorpelbildung (z.B. Alkaptonurie oder Hämochromatose)
  • Erbliche endokrine Störungen wie z.B. Akromegalie (Riesenwuchs der Extremitäten)

Bei manchen Patienten ist auf Grund einer Schwäche des Gelenkknorpels auch in der Familiengeschichte eine erbliche Veranlagung für Arthrose zu finden.

Hier ist vor allem eine Mutation des sogenannten COL2A1-Gens verantwortlich: Es führt zu einer Fehlbildung des Bindegewebsproteins Kollagen. Folge dieser Erbkrankheit ist immer eine schwere Arthrose, die gleich nach der Beendigung der Wachstumsphase einsetzt.

Auch Entwicklungsstörungen bei der Skelettreifung und Störungen der Wachstumsfugen können zu inkongruenten (nicht passenden) Gelenkflächen führen, die Arthrose verursachen.

Man erkennt erbliche Arthrose meist daran, das sie in vielen Gelenken auftritt. Bei erblicher Arthrose ist die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass nahe Verwandte ebenfalls Arthrose haben. Erstmals wurde dieser Zusammenhang bei Heberdenarthrose (Fingerarthrose) gezeigt.

Bewegungsmangel als Risikofaktor für Arthrose

Die Folgen von Bewegungsmangel

In einer Studie wurde der Bewegungsradius von Versuchstieren kontrolliert. Die im Experiment bewegungsgreduzierten Tiere hatten deutliche biochemische und anatomische Veränderungen der Gelenke. Insbesondere die knorpelabbauenden Enzyme im Knorpelgewebe (Metalloprotheasen) wurden bei den bewegungsarmen Tieren in weit höherer Konzentration gefunden. Bei den Tieren mit hohem Bewegungsumfang wurde kein negativer Einfluss der Bewegung auf die Stabilität der Gelenkknorpel gefunden. Diese Ergebnisse bestätigen sich auch bei Menschen durch Reihenuntersuchungen an Joggern verglichen mit Bewegungsmuffeln. Studie

Bewegungsmangel, spezifische Belastungen oder Überlastung der Gelenke kann den vorzeitigen Knorpelabrieb verursachen.

Heutzutage ist immer häufiger jedoch nicht Überlastung der häufigste Auslöser für Arthrose: Auch Bewegungsmangel kann zu einer Rückbildung des Gelenkknorpels und Arthrose führen. Denn der Gelenkknorpel wird nicht direkt durchblutet. Nur durch Bewegung wird die Gelenkflüssigkeit im Knorpelgewebe ausgetauscht und erneuert. Der passive, durch Bewegung angetriebene Austausch dieser Nährflüssigkeit ist zentral für die Versorgung des Gelenkknorpels mit Nährstoffen und Sauerstoff. Auch der Abtransport der Stoffwechselendprodukte wird durch die Bewegung angetrieben. Nur durch regelmäßige, sanfte Bewegung wird dieser Austausch angeregt. Bewegung ist also der Motor für einen gesunden Knorpelstoffwechsel.

Die Prüfung von Bändern ist Teil der Diagnose der Arthroseursachen Die Prüfung der gelenkstabilisierenden Bänder gehört zur orthopädischen Diagnose bei Arthrose © Gelenk-Klinik

Eine weitgehend sitzende Lebensweise ohne Bewegungsausgleich lässt den Knorpel im Laufe der Jahre einfach "verhungern".

Auch langdauernde Immobilisierung durch neurologische Störungen oder Gipsverbände kann den Knorpel verkümmern lassen und zu Arthrose führen.

Knochendichte und Arthrose: Der Einfluss von Osteoporose oder Knochennekrose

Osteoporose begünstigt Arthrose in allen Gelenken Osteoporose (Verminderung der Knochendichte) begünstigt vor allem bei Frauen die Entwicklung von Arthrose. Bei Männern tritt diese Verminderung der Knochendichte erst etwa 10 Jahre später als bei Frauen ein.

Eine Verminderung der Knochendichte macht erhöht die Chance für Arthrose in fast allen Gelenken. Bei Frauen ist dieser Zusammenhang allerdings viel ausgeprägter, als bei Männern. Bei Männern ist Osteoporose ebenfalls ein Faktor für die Arthrose-Entstehung, jedoch erst in einem höheren Lebensalter, als bei Frauen.

Patientinnen aus der Gruppe der 25% mit der niedrigsten Knochendichte ihrer Altersgruppe haben eine über viermal so hohe Arthroserate, als die Patientinnen aus der Gruppe mit normaler Knochendichte. (→Studie).

Weiterlesen zu Osteoporose

Osteoporose und Arthrose
Hormonersatztherapie wird bei postmenopausalen Frauen häufig als Therapie gegen Osteoporose durchgeführt. Hormontherapie zur Behandlung der Osteoprose hatte jedoch in verschiedenen Studien nur einen geringen positiven Einfluss auf das Knorpelvolumen oder die Rate an Arthrose bei den behandelten Patientinnen.
→Studie

Auch die Osteonekrose kann ein Gelenk destabilisieren. Dabei wird aus teilweise noch unbekannten Gründen der Blutfluss in den Gefäßen innerhalb des Knochengewebes unterbrochen. Die Knochenzellen werden nicht mehr ausreichend ernährt. Nach einiger Zeit erscheint der Knochen an den Stellen mit Knochennekrose sogar im Röntgenbild demineralisiert. Schließlich kann der Knochen unter dem Knorpel ganz einbrechen und die glatte Knorpelfläche zerstören.
Weiterlesen zu Knochennekrose im Knie

Instabilität von Gelenken und Gangbildveränderungen als Auslöser von Arthrose

Instabilität und Arthrose

Neben Bewegungsmangel ist spezifische Überlastung des Gelenks ein wichtiger Auslöser von Arthrose. Eine solche Überlastung kann durch traumatische Störungen an Sehnen, Bändern und Bindegeweben hervorgerufen werden. Ein wichtiges Beispiel ist die erhöhte Rate an Arthrose im Sprunggelenk nach Außenbandruptur bei chronischer Instabilität im Sprunggelenk.

Auch ein Verlust der Meniskusfunktion z.B. nach Meniskusriss oder Meniskusentfernung führt zu einer nachweislich höheren Raten an Kniearthrose bei den betroffenen Patienten.

Ist Arthrose eine Folge des aufrechten Ganges?

Das Prinzip der Laständerung auf Gelenken kann auch evolutionär eine Rolle spielen. Ein Großteil der Arthrosefälle tritt an den gewichtstragenden unteren Extremitäten auf: Hüfte, Knie, Großzehengrundgelenk. Schulterarthrose ist relativ selten. Sie tritt, wenn überhaupt, auch viel später im Leben auf. Evolutionsbiologen folgern daraus, dass die Tragefähigkeit der unteren Extremitäten der Menschen noch nicht optimal an den aufrechten Gang und die resultierende Gewichtsverlagerung auf die "hinteren Extremitäten" angepasst ist (also "funktionell unterentwickelt" ist). Dahingegen hat das bei aufrecht gehenden Menschen nicht mehr gewichttragende Schultergelenk eine "funktionelle Reserve", hat also nur einen Bruchteil des Arthroserisikos der gewichttragenden Gelenke.
Studie

Neurologische Erkrankungen oder auch ein altersbedingter Verlust an Bewegungskontrolle können auch zu veränderten und schädlichen Belastungen der Gelenke führen. Das kann langfristig auch zu Arthrose führen.

Die spezifische Muskelschwäche in manchen Bereichen erhöht die Last auf dem Gelenkknorpel und fördert Knorpelverschleiß. So wurde am Kniegelenk gezeigt, dass ein spezielles Krafttraining das Voranschreiten der Gonarthrose wirksam hemmen kann.

Wir setzen die physiotherapeutische Kräftigung der Gelenke daher auch gezielt zur Arthrosetherapie ein. Auch physiotherapeutische Übungen zur Verbesserung der Koordination und Selbstwahrnehmung (Propriozeption) sind sehr gut geeignet, Arthrose zu verlangsamen und die Gelenkführung wieder zu verbessern. Vor allem nach Verletzung oder bei älteren Patienten sind diese kräftigenden Therapien sehr wirksam.

Arthrose (am Beispiel der Kniearthrose bzw. Gonarthrose) im Verlauf:

  1. Eine Überlastung oder ein Trauma führt zu einem Knorpelschaden (Osteochondrale Läsion).
  2. Die fortdauernde Knorpeldegeneration führt über Jahre zu einem im Endstadium vollständigen Knorpelverlust im Gelenk.
  3. Die Reibung der Knochen und die zunehmende Instabilität im Gelenk führt zu Knochenspornen (Osteophyten).
  4. Symptome der Arthrose: Zunächst Anlaufschmerzen am Morgen oder nach Ruhe, später auch Ruheschmerzen und Schmerzreaktionen auf Belastung des Gelenks.
  5. Behandlung: Schmerztherapie und Kräftigung des Gelenks.
Arthrose im Kniegelenk Röntgenbild eines Kniegelenks mit schwerer Arthrose. Der Knorpel zwischen den Gelenkflächen ist bereits völlig aufgebraucht. Die Gelenkflächen von Oberschenkel (Femur) und Unterschenkel (Tibia) liegen direkt aufeinander. In diesem Stadium ist es leider zu spät für eine gelenkerhaltende Therapie der Arthrose. © Gelenk-Klinik.de

Eine behandlungsbedürftige Arthrose liegt dann vor, wenn Sie über dem für das Alter des Patienten üblichen Maß an Gelenkverschleiß liegt.

Dieser Definition kann man auch entnehmen, dass Arthrose als Gelenkverschleiß, Versteifung und Verlust an Knorpelgewebe im Gelenk auch ein ganz normaler Teil der biologischen Alterung ist.

Sie sollten daher bei dem ersten Hinweis auf Arthrose in einem Gelenk eine möglichst gezielte Diagnose der Ursache anstreben. Die Arthrose hat zwar in jedem Gelenk einen grundsätzlich ähnlichen Verlauf. Die genaue Diagnose sollten aber immer auch individuelle Ereignisse (Unfälle, besondere Belastungen) und die Biomechanik des betroffenen Gelenks miteinbeziehen.

Die Spezialisten der Gelenk-Klinik suchen zuallererst nach einer gelenkerhaltenden Behandlungsstrategie. Sie suchen daher im Hinblick auf eine kausale Arthrosetherapie die meist mechanischen Ursachen des Gelenkverschleißes. Diese ursachenbezogene Arthrosetherapie versucht also, das zugrundeliegende mechanische Problem im Gelenk zu identifizieren, und gezielt zu beheben. Daher wird die kausale Arthrosetherapie von einem erfahrenen Spezialisten durchgeführt, der nicht nur auf Arthrose allgemein, sondern auch besonders auf das erkrankte Gelenk spezialisiert ist.

Einteilung der Arthrose

  • Primäre Arthrose:
    Unklare Ursache der Arthrose, oder erbliche Ursachen, die zur geringeren Belastbarkeit der Knorpelgewebe führen können.
  • Sekundäre Arthrose:
    Ursache der Arthrose ist bekannt: Das können Überlastung, Fehlstellung, Entzündung oder ein Unfall (Trauma) sein.

Eine vollständige und differenzierte Diagnostik des erkranken Gelenks - Knorpel, Knochen, Muskulatur, Nervenfunktion, Bänder und Sehnen - muss durchgeführt werden, um mögliche Ursachen der Arthrose zu ermitteln und effektiv zu behandeln. Bei genauer Untersuchung lassen sich viele Fälle von scheinbarer primärer Arthrose (also Arthrose ohne Ursache) aufklären: Mit einer genau benennbaren Ursache werden sie erklärbare Fälle einer sekundären Arthrose. Mit einer konkret diagnostizierbaren und häufig behandelbaren Ursache .

Erst bei fortgeschrittener Arthrose steht dann die allgemeine Schmerztherapie und die Verlangsamung - also das "Arthrosemanagement" - im Vordergrund.

Welche Arten der Arthrose gibt es? Einteilung nach Gelenk

Wir wollen die wichtigsten Arten der Arthrose hier erwähnen. Detaillierte Informationen zur Arthrose in den einzelnen Gelenken erhalten Sie, wenn Sie den Links folgen. Wir wollen uns in diesem Artikel auf die allgemeinen Aspekte der Arthrose konzentrieren. Die speziellen Formen werden nur kurz erwähnt. Wenn Sie spezifische Informationen suchen, können Sie diesen Links zu den Spezialthemen folgen.

  • Wirbelsäulenarthrose (Facettengelenke)
    Die Facettengelenke, die jeweils die Dornfortsätze der Wirbelkörper gelenkig miteinander verbinden, können verschleißen.
  • Spinale Stenose
    Die Bandscheiben der Wirbelsäule können degenerieren und die Beweglichkeit der Wirbelkörper gegeneinander erhöhen. Die Wirbelsäule reagiert darauf mit Knochenneubildung (Spondylophyten), die die Überbeweglichkeit der Wirbelsäule durch die natürliche knöcherne Versteifung wieder aufhebt.
  • Schulterarthrose (Omarthrose):
    Die Schulterarthrose tritt relativ selten auf. Die Patienten mit Arthrose in der Schulter sind auch meistens schon älter als Patienten mit Arthrose der unteren Extremitäten.
  • Hüftarthrose (Coxarthrose):
    Arthrose des Hüftgelenks
  • Fingerarthrose (Heberdenarthrose):
    Arthrose der Fingergelenke und des Daumensattelgelenks
  • Kniearthrose (Gonarthrose):
    Kniearthrose ist die Arthrose des Kniegelenks. Die Kniearthrose kann im ganzen Gelenk auftreten, oder lediglich in einer Kammer des Kniegelenks: Mediale Arthrose im Knie ist innen im Knie, laterale Arthrose im Knie ist außen, retropatellare Arthrose im Knie ist hinter der Kniescheibe.
  • Arthrose im Sprunggelenk:
    Die Arthrose im Sprunggelenk tritt bereits bei relativ jungen Patienten auf, häufig als Folge von Sportunfällen.
  • Arthrose des Großzehengrundgelenks (Hallux rigidus):
    Meist als Folge eines Spreizfußes mit Hallux valgus kann sich die Großzehengrundgelenksarthrose entwickeln.

Strategien zum Gelenkerhalt bei Arthrose

Gelenkerhalt durch...

  • Physiotherapeutische Verbesserung der Führung im Gelenk.
  • Knorpeltransplantation nach Knorpelzüchtung.
  • Bandrekonstruktion zur Stabilisierung von Gelenken
  • Korrektur von Fehlstellungen der Gelenke durch Schuheinlagen
  • Korrektur von Fehlstellungen im Knie oder Hüftgelenk durch Osteotomie (Knochenumstellung)
  • Knochentransplantation zur Stabilisierung des Knorpelgewebes
  • Regeneration des Knochengewebes bei Osteonekrose durch Stoßwellentherapie
  • Operative Revitalisierung des Knochengewebes bei Osteonekrose etwa durch retrograde Anbohrung

Im Allgemeinen steht die Therapie der Arthrose in der Medizin unter dem Gesichtspunkt der Symptom-Behandlung: Das Fortschreiten des Gelenkverschleißes wird als unaufhaltsam und schicksalshaft gesehen. Die Rolle des Arztes wird im Allgemeinen drauf beschränkt, die schicksalshafte Erkrankung schmerzlindernd und entzündungshemmend zu begleiten.

Die moderne Arthrosetherapie kann aber viel mehr, als nur Symptome behandeln. In vielen Fällen wird die Ursache der Arthrose recht gut verstanden. Sehr häufig sind nicht Alter und Verschleiß durch Überlastung die Auslöser, sondern spezifische Fehlstellungen des Gelenks oder eine Fehlfunktion der Bänder, die das Gelenk umgeben und führen sollen. Ist eine klare Ursache der Arthrose erkennbar, spricht der Orthopäde von der sekundären Arthrose. Diese sekundäre Arthrose kann in vielen Fällen durch gelenksspezifische Therapien oder operative Eingriffe behoben werden.

Was geschieht bei Arthrose in einem Gelenk?

Veränderungen bei Hüftarthrose Dieses Bild illustriert typische Veränderungen bei Hüftarthrose. Nach dem Knorpelabrieb reiben die Knochen direkt aufeinander. An diesen Stellen bilden sich Osteophyten: Knochendornen oder Knochenfortsätze, die das Gelenk noch weiter versteifen und den Abrieb verstärken. © Viewmedica

Unabhängig von der konkreten Ursache der Arthrose, führt Sie stets zu krankhaftem Knorpelabbau. Mechanische Überlastung, gleich aus welcher Ursache heraus - ist stets eine wesentliche Komponente beim Knorpelabbau. Die Ursachen im Einzelnen - Unfall, Fehlstellung, Übergewicht, Arbeits- oder Sportüberlastung - können unterschiedlich gewichtet sein.

Arthrose betrifft immer zuerst die Gelenkflächen. Alle Gelenke des Menschen - Schulter, Finger, Wirbelgelenke und Bandscheiben, Hüfte und Knie bis hin zu Sprunggelenk und Fußknochen - können von Gelenkverschleiß betroffen sein.

Bei Arthrose wird die gleitfähige Knorpelschicht, die die Gelenkflächen schützend und dämpfend umgibt, immer dünner und rissig. Das Bindegewebe des Gelenkknorpels verliert bei Arthrose die Fähigkeit, Wasser einzulagern. Die Wassereinlagerung sorgt aber für die Elastizität und Robustheit des Knorpelgewebes. Die Gelenkfläche ist dadurch nicht mehr glatt, sondern wird rau und rissig.

Ganz allgemein gesagt: Arthrose ist eine Störung des natürlichen Gleichgewichts zwischen knorpelabbauenden und knorpelregenerierenden Prozessen im menschlichen Körper. Arthrose ist also eine Störung des Knorpelstoffwechsels.

Durch die bei Arthrose erhöhte Reibung im Gelenk löst sich Knorpel-Abrieb aus den Gelenkflächen. Später, nach Knorpelverlust, kommen durch die Reibung der Gelenkflächen sogar Knochensplitter hinzu. Dieser Abrieb kann zu sogenannter aktivierter Arthrose, also Entzündungen führen: Bei dieser akuten Verlaufsform kann sich das Gelenk also entzünden. Das Gelenk schwillt an, erwärmt sich und wird in Folge der entzündlich aktivierten Arthrose empfindlicher und schmerzhafter. Die für aktivierte Arthrose charakteristische Entzündungsreaktion beschleunigt durch die überschießenden Entzündungshormone den weiteren Knorpelabbau.

Ursache der Arthrose ist stets eine mechanische Überlastung des Gelenkknorpels, die die Regenerationsfähigkeit des Knorpels überfordert. Das kann Ursachen in der Lebensweise haben (Sport, Arbeit). Aber auch Fehlstellungen und eingeschränkte Funktion von Bändern und Weichteilen, z.B. durch angeborene Fehlstellung oder nach Sportunfall, können diese mechanische Überlastung auslösen.

Überlastung - egal aus welchem Grund - ist also stets eine wesentliche Ursache der Arthrose.

Anzeichen der Arthrose

Durch Arthrose wird das Gelenk steif: Es ermüdet schneller, und die Koordination (Geschicklichkeit) lässt nach. Erst im Spätstadium der Arthrose wird das Gelenk schmerzhaft anschwellen. Bei jeder Bewegung knirscht es in dem betroffenen Gelenk: Das Gelenk mit Arthrose produziert also hörbare Reibegeräusche.

Stechende Gelenkschmerzen treten dabei erst spät in der Arthrosentwicklung auf, weil Knorpelgewebe selbst keine Schmerzfühler hat. Knorpeldegeneration ist also völlig schmerzfrei. Nur der darunterliegende Knochen hat eingebettete Schmerzfühler (Nozizeptoren). Erst wenn der Knochen beschädigt ist, wird Arthrose also auch schmerzhaft. Wenn es aber schon so weit gekommen ist, sind die gelenkerhaltenden Therapiemöglichkeiten stark eingeschränkt.

Symptome der Arthrose
  • Zunehmende Versteifung des Gelenks.
  • Schnellere Ermüdung.
  • Das Gelenk fühlt sich steif an, die Bewegungskoordination wird schlechter.
  • Anlaufschmerz am Morgen oder nach Ruhe.
  • Belastungsabhängiger Gelenkschmerz.
  • Später auch Ruheschmerzen.
  • Gelenkerguss (entzündliche Schwellung).
  • Deformation des Gelenks nach Knorpelverlust.
  • Zunehmende Reibegeräusche bei der Bewegung.

Stellenwert der entzündlich aktivierten Arthrose

Die aktivierte Arthrose hat eine besonders knorpelabbauende Wirkung: Daher ist die möglichst schnelle Entzündungsreduktion von strategischer Bedeutung. In einem schmerzhaft entzündeten Gelenk ändert sich das biochemische Milieu: Aus einer schleichenden Arthrose wird eine stark beschleunigte Arthrose. Als Begleiterscheinung des entzündlichen Prozesses wird der Gelenkknorpel wesentlich schneller abgebaut.

Der exakte Verlauf der Arthrose ist zwischen den einzelnen Patienten sehr verschieden. In fortgeschrittenen Fällen von Arthrose wird der Knorpel vollständig abgebaut: Eine sogenannte "Knochenglatze" - von Knorpel völlig befreiter Knochen - legt die knöchernen Gelenkflächen frei. Die Stoßdämpferfunktion des Knorpels im Gelenk geht damit unwiederbringlich verloren.

Wodurch entstehen Gelenkschmerzen bei Arthrose

Der Gelenkknorpel ist selbst weder durchblutet, noch wird er von Nerven versorgt. Ohne Schmerzfühler im Knorpelgewebe als Frühwarnsystem kann die Knorpeldegeneration lange Zeit ohne fühlbare Symptome voranschreiten. Die ersten Schmerzsymptome treten meist erst dann auf, wenn bereits der Knochen unter dem Knorpel angegriffen ist. Das ist ein sehr später Zeitpunkt für eine gelenkerhaltende Therapie: meist sind nur noch Inlays, Teilprothesen oder Vollprothesen möglich, nachdem dieses Stadium erreicht wurde.

Der Verlust des Knorpels führt zu einer vermehrten mechanischen Belastung des Gelenkes. Die Reibung im Gelenk nimmt deutlich zu. Die Druckbelastung des angrenzenden Knochens steigt rapide an. Die Entzündung im Gelenk wird im Laufe der Gelenkerkrankung immer stärker.

Die Entzündung entsteht bei der primären Arthrose durch den Abrieb im Gelenk. Sie wird durch eine Entzündung der Gelenkschleimhaut unterhalten (sog. Synovialitis oder Gelenkschleimhautentzündung). Je mehr Abrieb gebildet wird, desto stärker wird die Entzündung. Mit der Entzündung beschleunigt sich die Knorpelerweichung. Weicher Knorpel wird wiederum stärker abgerieben. Weil die Gelenkschleimhaut die für das Gelenk lebenswichtige Gelenkschmiere bildet, wird auch die Knorpelernährung durch die Entzündung der Gelenkschleimhaut gestört.

Arthroskopische Aufnahmen des Gelenkknorpels: unterschiedliche Stadien der Arthrose Arthroskopische Aufnahmen des Gelenkknorpels im Kniegelenk. Oben links: Gesunder Knorpel mit glatter Oberfläche. Dieser Knorpel ist elastisch und widerstandsfähig. Unten Links: Dieser Knorpel ist bereits aufgeraut und faserig. Er hat einen geringeren Wassergehalt. Daher ist er auch nicht mehr so elastisch. (Arthrose Grad 1) Oben Rechts: Der Knorpel ist bereits rissig. Die Zerstörung des Bindegewebes ist nicht nur oberflächlich, sondern reicht tief in das Knorpelgewebe hinein. (Arthrose Grad III) Unten rechts: Die Knorpelschicht ist bereits ganz abgetragen. Der darunterliegende Knochen ist sichtbar. Man spricht hier von einer Knochenglatze. (Arthrose Grad IV) © Gelenk-Klinik.de

Arthrose Stadien

  • Stadium 1: Die Knorpelschicht raut sich auf und bekommt kleinere Einrisse
  • Stadium 2: Der durchsichtige wasserhaltige Knorpel wird durch Faserknorpel (Narbengewebe) ersetzt, der keine Knorpelzellen mehr enthält. Das Knochengewebe unter dem Knorpel kann nekrotisch werden (absterben) oder Zysten bilden.
  • Stadium 3: Die Knorpeldefekte im Gelenk reichen vertikal bis auf den Knochen. Bindegewebiges Narbengewebe nimmt deutlich zu.
  • Stadium 4: Die Knochenglatze tritt auf, Knochen reibt auf Knochen. Die Knochen im Gelenk deformieren sich und flachen ab. Am Rand des Gelenks bilden sich Knochensporne (Osteophyten).

Welche Gewebe werden von Arthrose betroffen?

Arthrose betrifft aber nicht nur den Gelenkknorpel. In weiteren Stadien können auch die umliegenden Gewebe des Gelenks - Knochen, Bänder, Gelenkkapsel - durch den Gelenkverschleiß geschädigt werden. Durch den Knorpelabbau verliert das Gelenk seine natürliche Form: Fehlstellungen können auftreten. Vorhandene Fehlstellungen können durch die Arthrose verstärkt werden. Schließlich wird das Gelenk bei Arthrose (arthrosis deformans) deformiert, es verliert also auch seine äußere Form.

Die Entzündungsreaktion und die veränderte mechanische Belastung führt dann im Weiteren zu einer Reaktion des benachbarten Knochens. Neuer Knochen (sog. Osteophyten) bildet sich am eher wenig belasteten Rand des Gelenks.

Der Knochen unter der am stärksten belasteten Knorpelschicht kann sich verdicken (subchondrale Sklerose). Der Knochen kann sich an stark belasteten Arealen auch auflösen (Knochenzysten oder Geröllzysten). Diese arthrosebedingten Änderungen der Knochenstruktur kann man im Röntgenbild sehr gut nachweisen.

Durch Entzündung kann Arthrose auch die das Gelenk stabilisierenden und führenden Bänder und Sehnen schädigen. Durch die schmerzbedingte Schonung des betroffenen Gelenks wird die Muskulatur, die das Gelenk umgibt, zurückgebildet. Das Gelenk wird nicht mehr effizient durch straffe Bänder und Muskulatur geführt. Das Gelenk läuft - wie ein Autorad mit Lagerschaden - "aus der Spur". Durch diese Fehlbelastung verstärkt sich der Abrieb und der Arthroseprozess weiter. Die Belastung der Gelenkflächen steigt an.

Dieser Teufelskreis kennzeichnet den Zerfallsprozess des Gelenks.

Langfristig kann Arthrose zu einer vollständigen, schmerzhaften Versteifung des Gelenks führen. Durch Ausweichbewegungen und Schonhaltung kann diese Versteifung auch die benachbarten Gelenke oder die Gelenke auf der Gegenseite des Körpers schädigen: Man spricht in diesen Fällen von einer Begleitarthrose.

In letzter Konsequenz kann oft nur eine Gelenkprothese (Kunstgelenk) Statik und schmerzfreie Beweglichkeit im Alltag wiederherstellen.

Therapie der Arthrose

Arthrose-PyramideDie Therapiepyramide bei Arthrose: Die Maßnahmen in der Basis der Pyramide sind für alle Patienten richtig. Je weiter nach oben man in der Pyramide gelangt, um so seltener kommen die genannten Verfahren zur Anwendung.

Die Behandlung der Arthrose verfolgt normalerweise die üblichen Behandlungsziele für chronische Krankheiten: Die wirksamste Methode der Arthrosetherapie ist die Vorbeugung der Gelenkerkrankung. Wenn die Arthrose einmal begonnen hat, wird sie als chronische Krankheit nicht mit dem Ziel der Heilung, sondern mit dem Ziel der Linderung und Verlangsamung behandelt. Der Arzt will lediglich den weiteren Verlauf positiv beeinflussen und erträglicher gestalten. Vor allem Physiotherapie und Schmerztherapie fallen in diesen Bereich.

Arthroseprävention und Arthrosetherapie sind nicht klar voneinander abgetrennt: Alle Maßnahmen, die geeignet sind, Arthrose zu verhindern (Prävention), sind auch geeignet, bereits aufgetretene Arthrose im weiteren Verlauf abzumildern (Therapie).

Das betrifft auch die Empfehlungen für arthrosegerechte Ernährung. Zu diesen Maßnahmen gehört auch gelenkfreundlicher Sport. Gelenkfreundlich bedeutet vor allem: Wenig Last bei viel Bewegung. Ideal sind hierfür Radfahren oder Schwimmen.

Auch nach dem Auftreten von Arthrose kann die Verwendung von pflanzlichen Arthrosemitteln, wie Teufelskralle oder Brennnessel-Tee, den Schmerzmittelbedarf bei vielen Patienten deutlich absenken.

Wenn die Früherkennung der Arthrose gelingt und eine konkrete mechanische Ursache für die Störung des Bewegungsablaufes im Gelenk gefunden wurde, ist auch eine kausale, meist operative Therapie des Gelenks mit einer langfristigen Heilungsaussicht möglich. Eine Arthrose auf Grund einer traumatischen Schädigung im Gelenk (Fehlstellung, Kreuzbandriss, Außenbandabriss am Sprunggelenk) kann in vielen Fällen noch durch einen vorbeugenden operativen Eingriff gestoppt werden.

Auch aus der Alternativmedizin gibt es zahlreiche Verfahren, deren Wirkung bei Arthroseschmerzen inzwischen gesichert ist: Vor allem Yoga und Akupunktur sind wissenschaftlich nachweisbar wirksam gegen Arthroseschmerzen.

Die medizinische Behandlung der Arthrose durch einen Spezialisten ist also sehr individuell: Sie richtet sich also nach dem Verlauf, den bekannten Ursachen und dem individuellen Stadium der Arthrose-Erkrankung.

Arthrose-Therapie: Das allgemeine Therapieschema

Ihre ersten Fragen nach der Diagnose

  • Wie kann ich Arthrose aufhalten?
  • Wie lange bleibe ich noch beweglich?
  • Welche Ursachen hat meine Arthrose?
  • Wie kann ich mein Verhalten sinnvoll ändern?
  • Wie kann ich die Arthrose-Schmerzen behandeln?
  • Wie beeinträchtigt meine Arthrose meine Lebenssituation? (Berufstätiger oder alleinlebender Rentner?)

Die Diagnose "Arthrose" wird eine ganze Reihe neuer Fragen aufwerfen, mit denen Sie nicht alleine bleiben wollen. Dafür haben Sie Ihren Arzt, damit er Ihnen hilft, die Auswirkungen der Arthrose in den verschiedenen Lebensbereichen zu verarbeiten und Ihre Zukunftsängste zu vermindern. Arthrose ist also nicht nur ein medizinisches Problem.

Die Basisstrategie zum Leben mit Arthrose ist also auch eine umfassende, auch psychologische Bewältigungsstrategie. Sie hilft Ihnen, ihre Arthrose in allen Lebensbereichen zu integrieren.

Zu Ihren wichtigen Ressourcen gehören Sportfähigkeit, Disziplin, Lust auf Neues, und die Fähigkeit, verfestigte Verhaltensmuster auch wieder in Frage zu stellen.

Beispiele für wichtige Verhaltensanpassungen bei Arthrose:

  • Gehen Sie zu Fuß: Je mehr, um so besser. Die meisten Menschen gehen nicht mehr als 800-1200 Schritte am Tag. Mit 6000-8000 Schritten fördern Sie die Knorpelernährung und beugen effektiv Arthrose vor.
  • Wenn Sie Übergewicht haben, könnten Sie Ihr Gewicht reduzieren, um die Lebensdauer des Gelenks zu erhöhen.
  • Läufer können ihr Training umstellen und einen Teil des Trainings auf dem Fahrrad oder im Wasser absolvieren, um die Gelenke zu entlasten.
  • Patienten mit Bewegungsmangel können gelenkschonende Sportarten, wie Radfahren oder Schwimmen aufnehmen, um die Knorpelregeneration zu verbessern und zugleich durch Muskelaufbau Ihre Gelenke zu entlasten.
  • Patienten, die Alkohol trinken oder Zigaretten rauchen, können Ihren Stoffwechsel verbessern, indem Sie diese Gewohnheiten reduzieren oder aufgeben.
  • Patienten, die sich einseitig ernähren, können durch ausgewogene Ernährung den Nährstoffanteil (Vitamine, Mineralstoffe) in der Nahrung erhöhen und dadurch ihre Regeneration fördern.

Basistherapie: Vorbeugung und Arthrosegerechtes Verhalten

Diese grundlegenden Maßnahmen müssen allen Arthrose-Patienten empfohlen werden. Sie lassen sich zusammenfassend als Anpassung der Lebensführung und des Verhaltens beschreiben. Diese Basistherapie, also Maßnahmen zu Beginn der Arthrose, bestehen in der Aufklärung über die Arthrose-Erkrankung. Weitere Inhalte sind Beratung und Bewältigungsstrategien, die angesichts der möglicherweise chronischen Erkrankung erforderlich sind.

Ziele der Basistherapie bei Arthrose:

  • Schmerzreduktion, damit der Patient im Alltag nicht zu sehr unter den Arthrosesymptomen leidet.
  • Erhalt der Gelenkfunktion, Beweglichkeit und Belastbarkeit.
  • Erhalt der Knorpelschicht bzw. Verlangsamung des Knorpelabbaus.
  • Allgemeine Verbesserung des Stoffwechsels und des Allgemeinbefindens.
  • Einen möglichst geringen Anteil an der Arthrosebehandlung mit potentiell nebenwirkungsreichen Medikamenten oder operativen Eingriffen durchzuführen.

Die Mitarbeit unserer Patienten und ihr gutes Allgemeinverständnis für Ihre Arthrose ist sehr wichtig für den Erfolg dieser Maßnahmen. Eine besondere Hilfe erhalten Sie in dieser Phase von Ihrem Arzt. Stellen Sie Ihre Fragen. Von den Physiotherapeuten erhalten Sie wertvolle Hinweise zu Bewegungsabläufen und gelenkschonenden Trainingsmöglichkeiten. Eine zusätzliche Hilfe sind Präventionskurse, die meist auch von Ihrer Krankenkasse bezahlt werden. All diese Anregungen müssen Sie nach und nach in eine allgemeine Lebensstilanpassung integrieren. Sie sollten das mit viel Initiative, aber auch Geduld, im Alltag umsetzen.

Der Wert von Programmen zum Erlernen von arthrosegerechtem Verhalten wurde wissenschaftlich überprüft. Teilnehmer an Präventionskursen hatten auch 4 Jahre nach dem Abschluss der Kurse noch ein verbessertes Allgemeinbefinden, weniger Arztbesuche und eine geringere Medikamenteneinnahme, als eine nicht ausgebildete Vergleichsgruppe. Literatur

Die Übungsprogramme sind am effektivsten, wenn Sie die Kurse nur als Einstieg verwenden, und dann möglichst täglich zu Hause in festen Routinen weiter üben. Der Einstieg ist vielleicht mühsam, aber bei nur 3-4 Übungseinheiten in der Woche werden Sie nach einigen Wochen eine deutliche Verbesserung Ihrer Gelenkfunktion und Ihrer Stimmung feststellen. Mit diesen Aktivitäten leisten Sie eine regelmäßige "Einzahlung" auf Ihr "Lebenskonto" und erleben eine "Verzinsung" in Form von langfristig verbesserter Lebensqualität und verbessertem Allgemeinbefinden.

Wie kann Arthroseschmerz konservativ behandelt werden?

Die Behandlung von Arthrose gehört zu den schwierigsten Kapiteln in der Orthopädie. Arthrose gehört zu den chronischen Erkrankungen. Das bedeutet, wenn der Krankheitsprozess begonnen hat, kann man ihn noch beeinflussen, aber nicht mehr ganz stoppen.

Die einzige Ausnahme: Wenn die Arthrose recht früh erkannt wird und eine konkrete mechanische Ursache für die Störung des Bewegungsablaufes gefunden wurde, kann die Arthrose in vielen Fällen noch durch einen vorbeugenden operativen Eingriff gestoppt werden. Arthrose im Frühstadium kann durch diese neuen Behandlungsmethoden wesentlich effektiver behandelt werden, als stark fortgeschrittene Arthrose.

Die Behandlung der Arthrose richtet sich also nach vielen Umständen: Vor allem aber nach dem Verlauf und dem Stadium der Erkrankung.

Arthrose und Physiotherapie

"Sanfte" Sportarten bei Arthrose

  • Radfahren
  • Hometrainer
  • Elliptic Trainier (Cross-Trainer)
  • Aqua-Jogging
  • Je nach betroffenem Gelenk auch Schwimmen

Physiotherapie gehört zu den grundlegenden Empfehlungen, die bei Gelenksarthrose immer richtig sind. Physiotherapie bei Arthrose hat mehrere Ansatzpunkte.

  1. Kräftigung und Verbesserung der Gelenkführung:
    Vor allem im Bereich der Kniearthrose konnte gezeigt werden, dass Muskelaufbau und Kräftigung den Knorpelverschleiß deutlich verlangsamt und die Schmerzen reduziert. Das lässt sich auch auf andere Gelenke übertragen. Eine gut trainierte Muskulatur entlastet die Gelenke im Alltag.
  2. Verbesserte Knorpelernährung durch Bewegung:
    Gleichzeitig optimiert regelmäßiges Training oder auch nur das Einbauen von Gehstrecken in den Alltag den Stoffwechsel im Gelenk und verbessert die Knorpelernährung. Empfohlen sind 6000 Schritte oder mehr, aber auch kleinere Strecken helfen.
  3. Die verbesserte Koordination unterstützt das Gelenk:
    Die Koordination der Bewegung wird nicht nur durch Muskelkraft, sondern auch durch neurologisches Training der Koordination unterstützt. Neurologische Defizite sind wichtige Auslöser von Arthrose in den Gelenken. Durch besser koordinierte Bewegungen kann man das Gelenk länger gesund erhalten. Bewegungstraining ist daher ein wichtiger Aspekt der Physiotherapie bei Arthrose.

Krafttraining als knorpelschützende Maßnahme

Krafttraining ist, nicht nur bei Spitzensportlern, eine Maßnahme zur Steigerung der Leistungsfähigkeit. Krafttraining ist in seiner Wirkung direkt knorpelschützend und beugt damit auch der Entwicklung von Arthrose vor.

Ein wichtiger Faktor bei der Arthroseprävention ist die Entlastung der Gelenke durch die leistungsfähigere Muskulatur. Wichtig ist aber die richtige Dosierung der Übungen. Die Belastung der Gelenke sollte unterhalb der Rupturgrenze (Riss-Grenze) der Knorpelmatrix bleiben, um Knorpelschäden vorzubeugen. Die Dosierung der Belastung besonders wichtig für Patienten, bei denen der Gelenkknorpel schon von der Arthrose angegriffen wurde. Dann ist die Belastungsgrenze für Krafttraining bereits vermindert: Es sollte im Training mit geringeren Belastungsspitzen (weniger Gewicht), dafür aber mit mehr Wiederholungen gearbeitet werden. Eine sorgfältige Einweisung durch einen Physiotherapeuten ist daher von Vorteil.

Durch Krafttraining gibt es auch biochemische Reaktionen im Knorpel: Die Synthese von wasserbindenden Aggrekanen im Knorpel wird erhöht. Damit steigt die Dicke des Knorpels und die mechanische Pufferkapazität im Gelenk wieder an. Literatur zu Krafttraining bei Arthrose

Wichtig für die Vermeidung von Überlastungsschäden am Knorpel ist es auch, eine endgradige Belastung der Gelenke in voller Streckung oder voller Beugung zu vermeiden.

Die Belastung der Gelenke während des Krafttrainings sollte auch nicht statisch gehalten werden, sondern in Bewegung erfolgen, um eine lokale Überlastung der Knorpel zu vermeiden.

Zusammensetzung der Ernährung: Diät und Arthrose

Nährstoffreiche und fettarme Ernährung kann Ihre Arthrose positiv beeinflussen. Nährstoffreiche und fettarme Ernährung kann Ihre Arthrose positiv beeinflussen. © Fotolia

Zur Basisstrategie der Therapie von Arthrose gehört auch eine Anpassung der Ernährung - nach Menge und qualitativ, nach Zusammensetzung. Durch bewusste Umstellung ungünstiger Verhaltensweisen verlangsamen Sie den Knorpelabbau und verstärken die Knorpelregeneration. Die Ernährungsumstellung hat zwei Ziele: Eine qualitativ bessere Ernährung soll den allgemeinen Gesundheitszustand und die Regenerationsfähigkeit des Körpers verbessern. Durch Gewichtsreduktion sollen Gelenke entlastet werden.

Nach einer Fasten-Studie der Uniklinik Jena können Arthroseschmerzen auch durch eine Saftfasten-Kur wirksam bekämpft werden. Schon nach 15 Tagen einer Saftkur nach Buchinger sind die Arthroseschmerzen der meisten Teilnehmer fast ganz verschwunden. Die Einnahme von synthetischen Schmerzmitteln konnte bei den meisten der 36 Teilnehmer Teilnehmern fast ganz eingespart werden. Damit wurde gezeigt, dass degenerative (arthrosebedingte) Gelenkschmerzen durch eine Fastenkur wirksam bekämpft werden kann. Auch die Gelenkfunktion - das sind Beweglichkeit und Belastbarkeit der Gelenke - wurde durch diese Ernährungsumstellung massiv verbessert. Auch nach Beendigung der Fastenkur bleiben diese Vorteile für Arthrosepatienten über lange Zeit erhalten.

Vitamine und Arthrose

Die Wirkung der Vitamine bei Arthrose ist meistens verbunden mit ihrer antioxidativen und damit entzündungshemmenden Wirkung bei regelmäßiger Einnahme. Echte prospektive Studien, die die optimale Dosis und Einnahmeregimes ermitteln, sind leider noch nicht durchgeführt worden.

  • Vitamin C: Antioxidative Wirkung ist in moderaten Mengen auch knorpelschützend.
  • β-Carotin: Wirkt antioxidativ und knorpelschützend.
  • Vitamin E: Wirkt antioxidativ und knorpelschützend.
  • Vitamin D: reguliert den Knochenaufbau; niedrige Vitamin D Mengen im Körper sind mit einem erhöhtem Arthroserisiko verbunden.

Wie wir oben bei dem Thema →Ernährung als Risikofaktor für Arthrose ausgeführt haben, ist Übergewicht nicht nur ein mechanisches Problem für die Gelenksfunktion. In Gegenwart von Fettgewebe, vor allem Bauchfett, werden die knorpelschädlichen Adipokine stärker gebildet: Durch diese entzündungsfördernden Botenstoffe, die vom hormonell aktiven Fettgewebe gebildet werden, wird auch die Voraussetzung für eine Entgleisung des Knorpelstoffwechsels geschaffen.

Wichtiger Bestandteil der Ernährungsumstellung ist die Senkung des Anteils der gesättigten Fettsäuren (Käse, gehärtete Fette, fleischreiche Nahrung).

Wichtig ist hingegen eine fettarme und vitaminreiche Ernährung mit calciumreichen Lebensmitteln (Magere Milchprodukte, Olivenöl, Meeresfisch).

Die Inhaltsstoffe von Knoblauch, Lauch und Zwiebeln haben eine bei der Hüftarthrose nachgewiesene knorpelschützende Wirkung. Ebenso hilfreich war in Studien ein allgemein hoher Anteil an Gemüse und Früchten an der Ernährung.
Weiterlesen zu →Arthrose und Ernährung

Sind Glucosamin und Chondroitinsulfat knorpelaufbauende Nahrungsergänzungsmittel?

Unter den Nahrungsergänzungsmitteln stehen vor allem Glucosamin und Chondroitinsulfat im Ruf, eine knorpelschützende Wirkung bei Arthrose zu entfalten. Glucosamin ist eine Vorstufe des Chondroitin. Chondroitin ist ein wesentlicher Bestandteil des Bindegewebes der Knorpelzellen.

Die vermutete medizinische Wirksamkeit des Chondroitin bei Arthrose mag daran liegen, dass man diese Substanz im Knorpelgewebe als Bestandteile findet.

Tatsächlich findet sich im Knorpelgewebe bei Arthrose ein geringerer Anteil von Chondroitinsulfat, als im gesunden Knorpel. Da liegt die These nahe, dass Zufuhr von Chondroitin bzw. der Vorstufe Glucosamin über die Nahrung tatsächlich auch die Verfügbarkeit dieser Stoffe im Knorpelgewebe erhöht.

Es gibt für die orale Einnahme dieser Substanzen als Kapseln oder Dragees keine wissenschaftliche Studie, die eine knorpelschützende Wirkung nachweist.

Es ist auch nicht nachgewiesen, in welchem Maße Chondroitin aus dem Verdauungstrakt tatsächlich in den Körper aufgenommen wird.

Untersuchungen an Zellkulturen im Labor zeigen, dass Knorpelzellen bei der Produktion von Bindegewebe zu 99% auf selbst produzierte Glucose als Vorstufe zurückgreifen. Die Verwendung von über die Nahrung zugeführtem Chondroitin durch die Knorpelzellen konnte nicht nachgewiesen werden. Ein möglicher Wirkmechanismus der Glucosamingabe auf die Chondroitinsynthese über die Nahrungsaufnahme scheint damit ausgeschlossen.

Eine Verbesserung der Arthrosesymptome wurde unter Glucosamineinnahme nicht gezeigt. Auch eine radiologisch (durch Röntgenaufnahmen) belegbare Verbesserung der Knorpelsituation im Gelenk konnte nicht bewiesen werden oder bleibt unterhalb der Messbarkeit.

Wenn überhaupt, bleibt die Wirkung im Bereich einer Verlangsamung des Knorpelabbaus.

Chondroitin wird aus den Schalen von Krustentieren oder aus Knorpelfischen (Haifischen) gewonnen. Es hat keine Nebenwirkungen. Es könnte sein, dass Chondroitin eine leicht schmerzreduzierende Wirkung bei leichter Arthrose hat.

Die Aufnahme aus der Nahrung ist für Chondroitinsulfat aber noch schlechter belegt, als für die Vorstufe Glucosamin.

Die Wirkung bleibt aus unserer Sicht im Bereich von individuellen Einzelfällen. Es kann sich lohnen, ein Chondroitinpräparat auszuprobieren. Die schmerzerleichternde Wirkung sollte nach etwa 8 Wochen einsetzen. Die gesetzlichen Kassen bezahlen eine Kur mit diesen Präparaten allerdings nicht.

Kann eine Hyaluronsäure-Injektion die Beweglichkeit des Gelenks erhalten?

Hyaluronsäure Fakten

  • Hyaluronsäure ist ein von der Gelenksschleimhaut gebildeter Inhaltsstoff der Synovialflüssigkeit (Gelenkschmiere).
  • Eine verstärkte Knorpelbildung durch Hyaluronsäure ist nicht nachgewiesen.
  • Hyaluronsäure wird in das Gelenk injiziert (gespritzt).
  • Hyaluronsäure kann schmerzstillend wirken.
  • Die Anwendung wird von den gesetzlichen Kassen nicht bezahlt.

Hyaluronsäure ist ein Protein, das in der normalen Gelenkflüssigkeit zu finden ist. Es wird vom Bindegewebe des Knorpels aufgenommen und ist auch eines seiner Bestandteile.

Ist es möglich, durch gezielte Gabe von Hyaluronsäure die Knorpelbildung wieder anzuregen?

Das wäre eine Knorpeltherapie von verführerischer Einfachheit. Hyaluronsäure wird tatsächlich medizinisch eingesetzt.

Meistens wird Hyaluronsäure aus Krustentieren (Krebsen) hergestellt. Hyaluronsäure wird durch eine Injektion in das Arthrose-Gelenk injiziert. Diese Hyaluronsäuretherapie wird von den gesetzlichen Kassen nicht bezahlt, weil noch immer der medizinische Wirkungsnachweis auf die Arthrose aussteht. Es ist aber sicher, dass Hyaluronsäureinjektionen in früheren Stadien der Arthrose den Gelenkschmerz lindern kann. Es ist aber noch nicht gezeigt, dass eine regelmäßige Therapie mit Hyaluronsäure auch mittelfristig den Gelenkverschleiß reduzieren oder gar aufhalten kann.

Die Anwendung der Hyaluronsäure erfolgt kurweise in Sequenzen von 4-5 Injektionen, meist einmal pro Woche. Diese Hyaluronsäure-Kuren kann man beliebig oft wiederholen: Es gibt keine Nebenwirkungen. Da Hyaluronsäure in Körper auch abgebaut wird, ist eine Behandlung aber nicht beliebig lange wirksam.

Die schmerzstillende Wirkung tritt erst nach c.a. 12 Wochen ein und kann, je nach Zustand des Gelenks und seiner Knorpelschricht, Monate bis Jahre anhalten. Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen die Behandlung nicht. Die privaten Kassen unterstützen diese Therapie. Als Selbstzahlerleistung kostet eine Hyaluronsäurebehandlung c.a. 350 EUR.

Im Einzelfall haben wir beobachtet, dass sich die Schmerz-Situation mit Arthrose verbessert. Dennoch halten wir die Hyaluronsäureinjektion für eine vorwiegend symptomatische, also schmerzlindernde Behandlung. Sie ist wesentlich besser verträglich als nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), aber auch wesentlich kostspieliger. Im Gegensatz zu anderen symptomatischen Arthrosetherapien sind Nahrungsergänzungsstoffe wie Hyaluronsäure nebenwirkungsfrei, und beeinträchtigen den Patienten auch bei Dauertherapie nicht. Eine kausale Arthrose-Therapie ist die Hyaluron-Injektion aber nicht. Als kausale Therapie gibt es nur die Knorpelersatztherapie in Verbindung mit der Behandlung der tatsächlichen Arthroseursachen - meist einer mechanischen Instabilität oder Überlastung des Gelenks - durch den spezialisierten Orthopäden.
→Literatur zu Hyaluronsäurebehandlung der Arthrose

Pflanzenmittel und Naturheilkunde helfen gegen Arthroseschmerzen

Pflanzenstoffe haben teilweise einen verzögerten Wirkeintritt, im Vergleich zu synthetischen Antirheumatika. Eine kurmäßige Anwendung über mehrere Wochen ist daher immer empfehlenswert, um eine Wirkung zu erzielen.

  • Ingwer und Ingwer-Präparate
  • Extrakt aus der Wurzel der Teufelskralle
  • Extrakt aus der Weidenrinde
  • Brennnesselblätter als Tee zubereitet
  • Avocado Soja-Extrakt
  • Arnika Gel

In unserer Praxis spielen pflanzliche Präparate wegen Ihrer ausgezeichneten Verträglichkeit eine Rolle bei der Behandlung der leichten Arthrose. Vor allem für Präparate aus der Wurzel der Teufelskralle liegen auch sehr zuverlässige Wirksamkeitsstudien vor.

Kurmässig angewendet hat der Teufelskrallenextrakt eine langanhaltende Wirksamkeit gegen Arthroseschmerzen. Diese Wirkung hält auch nach Beendigung der Einnahme an.

Auch bei stärkeren Arthroseschmerzen empfehlen wir pflanzliche Präparate.

Brennesselextrakt bei Kniearthrose Brennesselextrakt bei Kniearthrose

Sie helfen die notwendige Dosis an den für viele nicht so gut verträglichen Schmerzmedikamenten aus der Gruppe der NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika) zu reduzieren. Das Potential gravierender Nebenwirkungen der NSAR wird durch die Ergänzung durch Pflanzenmittel reduziert.

Wegen der vielen Inhaltsstoffe ist die Wirkung von Pflanzenmitteln bei Arthrose nicht so gut erforscht. bei der Daueranwendung sind Nebenwirkungen nicht auszuschließen. So ist die Heilpflanze Arnika (Arniva montana) bei Rücken und Gelenkschmerzen aktiv. Bei längerer Einnahme kann es allerdings auch zu Ekzemen und allergischen Reaktionen kommen. Daher ist bei Heilpflanzen gegen Arthrose in der Regel nur eine kurmäßige Anwendung empfohlen.

Alternative Arthrose-Therapien: Akupunktur und Yoga

Für chinesische Akupunktur konnte in zuverlässigen Studien eine deutliche Schmerzminderung speziell bei Kniearthrose gezeigt werden. Mit Akupunktur kann man vielen Patienten mit Kniearthrose eine höhere Dosis antirheumatischer Schmerzmittel ersparen. In der orthopädischen Gelenk-klinik gehört Akupunktur daher zur Routinebehandlung beim Arthrose am Knie. Alle Ärzte der Gelenk-Klinik sind in Akupunktur ausgebildet.

Yoga ist eine ursprünglich aus Indien stammende Gymnastik mit besonderem Fokus auf die Einnahme bestimmter Positionen bei gleichzeitiger Achtsamkeit auf Atmung und Selbst-Wahrnehmung.

In diversen Studien verbesserte ein 8-wöchiges Yoga-Programm die Funktion der Gelenke. Gleichzeitig wirkte Yoga schmerzreduzierend, reduzierte also auch die Arthrose-Symptome. Sicher gilt hier auch: Je früher die Gelenke durch Yoga stabilisiert werden und die Bewegungsabläufe so verbessert werden, um so wirksamer ist diese Form der Arthrose-Prävention.

Die Bewegungsmuster und Bewegungsökonomie wurde durch ein mehrwöchiges Yogaprogramm deutlich verbessert. Das wurde durch eine podometrische Reihenuntersuchung (Fußabdruckmessung beim Gehen) belegt. Die Patienten aus der Yogagruppe waren insgesamt leistungsfähiger und konnten sich schneller und ausdauernder bewegen. (Studie)

Stufe 2: Medikamentöse Arthrose-Therapien: Schmerz- und Entzündungshemmung

In Stufe 2 der Therapiepyramide werden Maßnahmen, Hilfsmittel und Geräte zum Schutz der Gelenke, einfache schmerzstillende Medikamente und Therapiezyklen mit herkömmlichen Antirheumatika und neuerdings mit den modernen, magenfreundlichen Antirheumatika empfohlen. Weitere mögliche Maßnahmen: Iontophorese, Zell-Matrix-Therapie.

Schmerztherapie mit Medikamenten ist erst dann angebracht, wenn die anderen Maßnahmen aus Stufe I nicht erfolgreich waren.

Bei stärkeren Arthroseschmerzen ist für viele Patienten eine Behandlung mit Schmerzmitteln und Entzündungshemmern aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) erforderlich. Diese NSAR (Ibuprofen, Diclofenac u.ä.) sind nicht sehr magenfreundlich. Daher wird die NSAR Therapie, vor allem in der Langzeitanwendung, meist kombiniert mit einem pharmazeutischen Magenschutzmittel (Omeprazol).

Für die gewünschte Wirkung müssen die Tabletten regelmäßig und nach der Verordnung des Arztes genommen werden - nicht erst wenn die Gelenkschmerzen wieder auftreten.

Eine wesentliche Wirkung der NSAR neben der akuten Schmerztherapie ist auch die Entzündungshemmung im Gelenk: Wird die schmerzerzeugende Entzündung im Arthrose-Gelenk gehemmt, treten Schmerzen seltener oder gar nicht mehr auf. In der unregelmäßigen Einnahme liegt aber ein Problem bei der Medikamententherapie von Arthroseschmerzen: Viele Patienten nehmen die NSAR erst bei erneutem Beginn der Schmerzen. Durch unregelmäßige Einnahme unterlaufen Patienten die entzündungshemmende Wirkung und damit langfristig auch die gelenkschützende Wirkung dieser Medikamente.

Cox-2-Hemmer ("Coxibe") als moderne Alternative zu NSAR

Es gibt inzwischen auch magenfreundlichere Alternativen zu den NSAR, die sogenannten Coxibe. Die Blutungsneigung bei den "Coxiben" oder COX-2-Hemmern ist wesentlich geringer, eine Kombination mit dem Magenschutz Omeprazol ist bei Cox-2-Hemmern nicht erforderlich. Die Cox-2-Hemmer sind daher magenfreundliche Alternativen zum herkömmlichen NSAR, die wir bei magenempfindlichen Patienten und bei Patienten über 65 Jahren grundsätzlich verordnen.

Autologe Knorpel- Transplantation bei ArthroseKnorpeltransplantation mit autologen (körpereigenen Knorpelzellen) ist eines der erfolgreichsten Verfahren der operativen Knorpeltherapie. Die Zellen werden außerhalb des Körpers im Labor gezüchtet. Das Verfahren wird bei akuten Knorpelschäden und beginnender Arthrose eingesetzt.

Nach der Lebensstilanpassung als erster Stufe der Arthrosetherapie und der Schmerztherapie als zweiter Stufe, bezeichnet die dritte Stufe vor allem gelenkerhaltende operative Verfahren: Das sind operative Maßnahmen, die grundsätzlich auf die Beseitigung der zugrundeliegenden Arthrose-Ursachen abzielen.

Bei der sogenannten sekundären Arthrose wird der Gelenkverschleiß meist durch konkrete mechanische Störungen des Gelenks ausgelöst. Das kann eine Bandinstabilität sein, die zur einer arthrosefördernden Überbeweglichkeit im Gelenk führt.

Häufig führen auch Fehlstellungen (X-Bein, O-Bein) zu lokalen Überlastungen im Gelenkknorpel. Eine operative Knochenumstellung (Osteotomie) kann das Gelenk begradigen und diese Ursache beseitigen.

Eine Knorpelersatztherapie macht nur in Verbindung mit der Beseitigung dieser Störungen im Gelenk wirklich Sinn.

Diese arthroseverhindernden Maßnahmen sehen wir zugleich die grösste Erfolgsgeschichte der modernen Arthrosetherapie. Rechtzeitig angewendet kann man durch zeitnahe Sanierung nach dem ersten Auftreten chronischer Gelenkbeschwerden in vielen Fällen Arthrose stark verlangsamen oder ganz stoppen.

Diese differenzierte, gelenkerhaltende und damit auch kausale Arthrosetherapie beschreibt das eigentliche therapeutische Selbstverständnis der orthopädischen Gelenk-Klinik.

  1. Gelenkerhaltende Arthroskopie
  2. Gelenkerhaltende Knochenumstellung
  3. Übersicht: Operationen mit dem Ziel der gelenkerhaltenden Arthrosetherapie
  4. Knorpeltransplantation

Gelenkerhaltende Operative Therapie bei Arthrose

Operationen gegen Arthrose

  • Knorpelzelltransplantation (ACT)
  • Arthroskopische Operation
  • Oberflächenersatz (Hüfte, Schulter, Knie)
  • Teilprothese (Knie)
  • Totalendoprothese (Knie-Prothese, Hüft-Prothese, Schulterprothese, Sprunggelenkprothese)

Die Stufe 3 der Arthrose-Therapie beinhaltet gelenkerhaltende und knochenerhaltende Therapieformen bei Arthrose: Sie beinhalten operative Maßnahmen, die grundsätzlich auf die Beseitigung der zugrunde liegenden Ursachen abzielen. Diese Maßnahmen sehen wir zugleich die grösste Erfolgsgeschichte der modernen Arthrosetherapie. Rechtzeitig angewendet kann man durch zeitnahe Sanierung nach dem ersten Auftreten chronischer Gelenkbeschwerden in vielen Fällen Arthrose stark verlangsamen oder ganz stoppen.

Die gelenkerhaltende operative Therapie bei Arthrose wird stets von einem spezialisierten Orthopäden durchgeführt, der die operativen Eingriffe und die Biomechanik des betroffenen Gelenks aus vertiefter Erfahrung kennt. Sie werden angewendet mit dem Anspruch, eine kausale Therapie der Arthrose durchzuführen.

Die zugrundeliegenden Ursachen des Gelenkverschleiß sind häufig mechanische Probleme des Gelenks aus folgenden Bereichen:
  • Fehlstellungen des Gelenks (X-Bein, O-bein, Hüftimpingement)
  • Freie Gelenkkörper (Knorpeltrümmer, Knochentrümmer nach Unfall oder Fraktur)
  • Weichteilverletzungen (Meniskusriss, am Knie, Labrumriss an der Hüfte oder Schulter
  • Probleme der Gelenkführung etwa durch Kreuzbandriss oder Außenbandinstabilität
  • Knorpelaufrauungen
  • Sog. fokale Knorpelverletzungen, das heißt Knorpelverletzungen an einem bestimmten Ort
  • Unebenheit der Gelenksflächen, etwa nach einem gelenknahen Knochenbruch (Talusfraktur im Sprunggelenk, Tibiakopffraktur im Kniegelenk, Humeruskopffraktur im Schultergelenk)

Arthroskopie als gelenkerhaltender Eingriff zur Behandlung von Arthrose

Arthroskopie zur vorbeugenden Behandlung von Arthrose Bei der Arthroskopie werden lediglich dünne Schläuche in das Gelenk eingeführt. Der Arzt operiert unter direkter Aufsicht auf die erkrankten Gelenkstrukturen. © Istockphoto

Die minimalinvasive arthroskopische Operation ist meistens die Grundlage dieser gelenkerhaltenden Eingriffe. Bei der Arthroskopie werden lediglich kleine Schnitte in der Größe von 1-2 cm gesetzt. Durch diese "Zugänge" werden kleinste Instrumente und eine Kamera über bewegliche Schläuche in das Gelenk eingeführt.

Arthroskopie ist nicht gleich Gelenkspülung

Es gibt einige Studien (siehe die IQWiG-Studie), die belegen wollen, dass eine Arthroskopie nichts zum Gelenkerhalt beiträgt. Das wurde auch stark verkürzt in die Publikumspresse gebracht. Diese Studien wurden aber lediglich mit einer arthroskopischen Gelenksspülung - also Durchspülung des Gelenks mit Kochsalzlösung - durchgeführt. Die tatsächlich für die sekundäre Arthrose wichtigen Umstände (wie Weichteilrisse, Sehnenrisse, Entfernung entzündeter Gelenkschleimhaut - Synovialitis - oder Instabilitäten), die vom Gelenksspezialisten arthroskopisch behandelt werden, wurden nicht mit einbezogen. Eine reine Gelenksspülung (joint lavage) hingegen wird in der Praxis so gut wie gar nicht durchgeführt.

Der Operateur kann den Operationsort im Arthrose-Gelenk über leistungsfähige Minikameras, die durch Schläuche eingeführt werden, direkt einsehen. Sie werden auf Monitoren dargestellt. Er kann den Zustand von Knochen, Knorpel und Sehnen beurteilen.

Instrumente wie Tasthaken helfen bei der Beurteilung der vorliegenden Strukturen, der Knorpelfestigkeit oder der Intaktheit von Sehnen und Weichteilen. Zugleich wird permanent physiologische Kochsalzlösung durch das Gelenk gepumpt, um Schwebeteilchen, die die Sicht des Operateurs behindern, abzutransportieren.

Zur gezielten Behebung dieser mechanischen Arthroseursachen müssen freie Gelenkkörper entfernt werden folgende Behandlungen durchgeführt:

Knorpelaufrauungen werden geglättet (Cartilage shaving).

Achsenfehlstellungen werden durch Umstellungs-OPs korrigiert (Osteotomie).

Fehlender Knorpel wird durch Transplantation ersetzt.

Vollständig zerstörte Gelenkflächen können durch Inlays oder Teilprothesen ersetzt werden.

Die arthroskopische Operation ist ein sehr sicheres und komplikationsarmes Verfahren. Die Heilung erfolgt innerhalb weniger Tage, weil nur kleine Schnitte gesetzt werden.

Weichteilverletzungen in der Nähe des Gelenks und die Narbenbildung sind bei der Arthroskopie minimal, weil kein offener Zugang zum Operationsgebiet erforderlich ist. So können die meisten arthroskopische Operationen ambulant oder mit nur 2 Nächten stationär zur Überwachung durchgeführt werden.

Dennoch gilt: Auch eine Arthroskopie ist ein operativer Eingriff, der mit einer klaren Indikation (Operationsvoraussetzung) durchgeführt wird, wenn alle konservativen Therapiemaßnahmen nicht mehr ausreichend sind.

Grundsätzlich gilt: Weniger ist oft mehr, und je früher die zugrunde liegende Ursache beseitigt wird, umso geringer ist der Schaden und umso kleiner ist der Eingriff.

Osteotomie: Knochenumstellung

Behandelbare Fehlstellungen:

  • X-Bein (genu valgum)
  • O-Bein (genu varum)
  • Varusstellung des Sprunggelenks
  • Valgusfehlstellung des Sprunggelenks
  • Fehlstellung des Sprungbeines (Talus)
  • Fehlstellung der Sprunggelenkgabel

Bei der Osteotomie (Knochenumstellung) wird die Integrität des Gelenks nicht beeinträchtigt. Durch eine Knochenumstellung in der Umgebung des Gelenks soll die Belastung im Gelenk verändert werden. Ziel der Belastungsänderung ist die Einbindung der Gelenkanteile mit höherem Anteil intakten Gelenkknorpels in die Statik des Gelenks. Das kann die biologische Funktion des Gelenks wieder herstellen. Durch die Abnahme einer Überlast in manchen Gelenkbereichen verbessert sich nach Osteotomie auch wieder die Blutversorgung im subchondralen Knochen. Knochendegeneration oder Knochennekrose wird so durch die Umstellung vorgebeugt. Vor allem jüngere Patienten sind Kandidaten für eine gelenkerhaltende Umstellungsoperation.

Fallbeispiel Osteotomie:

Ein 46 jähriger sportlicher Patient hat seit Monaten starke Knieschmerzen auf der Innenseite des rechten Knies. Die Untersuchung zeigt eine Knorpeldegeneration, in Verbindung mit einer O-Beinstellung (genu varum), die zu viel Last auf das rechte Innenknie brachte. Nach einer ersten arthroskopischen Operation mit Knorpelentnahme wurden die Knorpelzellen sieben Wochen im Labor angezüchtet. Dann wurde ein Knorpeltransplantat im Innenknie eingebracht. Zugleich wurde durch eine Umstellung (Osteotomie nach Pudu) das Innenknie entlastet und durch eine Korrektur um etwa 7° mehr Last auf den intakten Knorpel des Außenknies gebracht. nach der Rehabilitation war der Mann beschwerdefrei und konnte sein Lauftraining wieder fortsetzen.

Weil häufig eine mechanische Fehlbelastung oder eine Fehlstellung Auslöser der Arthrose ist, kann eine Veränderung der Belastungslinie die Perspektive des Gelenks nachhaltig ändern. Vor allem bei den gewichttragenden Gelenken der unteren Extremität (Hüfte, Knie, Sprunggelenk) haben sich Osteotomien als Mittel der Arthroseprävention bewährt. Bei richtiger Diagnosestellung hat eine Osteotomie das Potential, die Beweglichkeit zu erhöhen, Schmerzen zu reduzieren und die Arthrose abzubremsen oder ganz zu stoppen.

Die Osteotomie des Kniegelenks oder des Sprunggelenks wird in der orthopädischen Gelenk-Klinik vor allem auch in Verbindung mit der Knorpeltherapie (Knorpeltransplantation) eingesetzt. Die operative Knochenumstellung kann zusätzlich Last vom Knorpeltransplantat nehmen und das Einwachsen fördern.

Knorpeltransplantation mit Hilfe einer arthroskopischen Operation

Autologe Knorpel- Transplantation bei ArthroseKnorpeltransplantation mit autologen (körpereigenen Knorpelzellen) ist eines der erfolgreichsten Verfahren der operativen Knorpeltherapie. Die Zellen werden außerhalb des Körpers im Labor gezüchtet. Das Verfahren wird bei akuten Knorpelschäden und beginnender Arthrose eingesetzt.

Die autologe Knorpeltransplantation (ACT) ist in der orthopädischen Gelenk-Klinik Gundelfingen eines der wichtigsten gelenkerhaltenden Verfahren bei Knorpelschäden oder beginnender Arthrose.

  1. Operative Therapie
  2. Gelenkerhaltende Arthroskopie
  3. Gelenkerhaltende Knochenumstellung
  4. Knorpeltransplantation

Bei der autologen Knorpeltransplantation wird eine kleine Menge körpereigener Knorpel des Patienten arthroskopisch entnommen.

Der Knorpel ist ein Gewebe mit hohem Eiweißanteil, der zwischen den Knochen der Gelenke als "Stoßdämpfer", Kraftvermittler und Gleitschicht dient. Die Knorpelzellen bestehen von Geburt an und zeigen nach Wachstumsabschluss des Individuums keine Teilungsfähigkeit solange sie in der sie umgebenden Schicht von Proteoglykanen (zuckerhaltige Eiweißmoleküle des Bindegewebes) eingebettet sind.

Eine Arthrose ist mit einer zunehmenden Schädigung des Knorpels oder einem Verlust der Knorpelmasse in einem oder mehreren Gelenken verbunden.

Nur unter Laborbedingungen kann diese wachstumsregulierende Umgebung der Knorpelzellen enzymatisch abgelöst werden. Erst dann nehmen Knorpelzellen wieder erneut die Vermehrung (im Sinne der Zellteilung) auf. Dies ist der Grund, warum eine Knorpeltransplantation nur mit Hilfe von unter Laborbedingungen gezüchteten Zellen möglich ist.

Die Knorpelzellen teilen sich dann unter Zugabe von Nährstoffen in einem Serum das aus einer Blutprobe des Patienten gewonnen wird. Die so innerhalb von 6-8 Wochen entstehende Masse kann dann in einem weiteren arthroskopischen Eingriff wieder in das geschädigte Gelenk des Patienten eingebracht werden. Dort differenziert sich der körpereigene Knorpelersatz innerhalb weniger Monate wieder zu funktionierenden Knorpelzellen, die das Gelenk bedecken und die Gleitfähigkeit erhöhen.

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Arthrose und Endoprothesen - wann ist der richtige Zeitpunkt für die Prothese?

Hemiprothese oder Teilprothese als SchulterprotheseLediglich die Gelenkfläche des Oberarmkopfes ist nach Verschleiß zu ersetzen. Die Hemiprothese der Schulter (Oberflächenersatz-Prothese) bedeckt die Oberfläche des Humerus. Sie wird nicht mit einem Schaft im Markraum des Oberarmknochens verankert. © Depuy-Synthes

In einigen Fällen kommt die Gelenkerhaltende Behanldung zu spät. Wenn die Arthrose die unter dem Knorpel liegenden Knochen schon stark beeinträchtigt hat und Knochensporne sowie Knochenzysten die Gelenkoberflächen stark beeinträchtigen, ist es für eine konservative Therapie oder eine gelenkerhaltende operative Therapie zu spät.

Dann kann nur noch das Einsetzen eines künstlichen Gelenkes (Endoprothese) die Beweglichkeit des Gelenks erhalten.

Auch bei der Implantation einer Prothese steht bei uns der Gedanke des Gelenkerhaltes noch im Vordergrund. In vielen Fällen können Teilprothesen, etwa Repicciprothesen im Kniegelenk den Bereich mit fortgeschrittener Arthrose sanieren, und den noch intakten Rest des Gelenks weitestgehend erhalten.

Bei Schulterarthrose und Hüftarthrose stehen bei uns Oberflächenersatzprothesen im Vordergrund. Diese Prothesen sind vor allem knochensparend. Anders als bei den klassischen Totalendoprothesen mit dem im Knochenmark verankerten Schaft wird die natürliche Knochensubstanz weitestgehend erhalten.

Erst bei vollständigem Verschleiß der Gelenke erwägen wir Totalendoprothesen. Allein in Deutschland werden gegenwärtig jährlich etwa 200.000 Hüft- und etwa 150.000 Knieendoprothesen eingesetzt.

  1. Gelenkerhaltende Teilprothesen bzw. Oberflächenersatzprothesen
  2. Totalendoprothesen

Wann muss bei Arthrose die Gelenkoberfläche ersetzt werden?

Eine Prothese ist sinnvoll, wenn...

  • Der Patient starke Schmerzen hat.
  • Mobilität im sozialen Umfeld (zu Hause oder in der Gemeinde) durch Prothese wiederhergestellt werden kann.
  • Arbeitsfähigkeit im beruflichem Umfeld erhalten bleiben kann.
  • Gelenkerhaltende Therapien nicht mehr greifen.

Nehmen die Beschwerden weiter zu oder sind für eine konservative Therapie oder eine gelenkerhaltende operative Therapie zu fortgeschritten, hilft auch meist keine Knorpeltransplantation mehr. Eine ausgeprägte Arthrose ist sogar eine Kontraindikation für eine Knorpeltransplantation.

Dann kann nur noch das Einsetzen eines künstlichen Gelenkes (Endoprothese) die Beweglichkeit des Gelenks erhalten. Allein in Deutschland werden gegenwärtig jährlich etwa 200.000 Hüft- und etwa 150.000 Knieendoprothesen eingesetzt.

Teilprothesen: Oberflächenersatz und knochensparende Teilprothesen für jüngere Patienten

Hemiprothese oder Teilprothese als SchulterprotheseLediglich die Gelenkfläche des Oberarmkopfes ist nach Verschleiß zu ersetzen. Die Hemiprothese der Schulter (Oberflächenersatz-Prothese) bedeckt die Oberfläche des Humerus. Sie wird nicht mit einem Schaft im Markraum des Oberarmknochens verankert. © Depuy-Synthes

Neben der weit verbreiteten Vollprothese haben sich in den letzten Jahren eine Reihe knochensparender Verfahren in der Endoprothetik etabliert. Was bedeutet "knochensparend"?

Wenn eine Schulterprothese, oder eine Hüftprothese implantiert wird, muss eine Totalendoprothese meist im Markraum des Röhrenknochen (Humerus an der Schulter und Femur an der Hüfte) verankert werden.

Um diese sichere Verankerung zu erreichen, werden Oberarmkopf und Oberschenkelhalskopf abgetrennt und der Markraum ausgehöhlt. Das sorgt für einen sehr guten Sitz der Prothese. Aber gerade bei jüngeren Patienten unter 65 Jahren ist ein Prothesenwechsel jedoch nicht ausgeschlossen. In diesem Fall ist schon ein großer Teil der erforderlichen Knochensubstanz für eine erneute Stabilisierung einer Vollprothese verbraucht.

Gerade für jüngere Patienten mit Arthrose setzen wir regelmässig Teilprothesen oder Oberflächenersatzprothesen ein.

Durch den höheren Aktivitätsgrad und tw. auch höheres Körpergewicht ist Verschleiß und dadurch ein frühes Versagen der Prothese eine der wichtigsten Komplikationen bei Prothesenoperationen junger Patienten. Wird dann eine Prothesenrevision erforderlich, muss der Operateur für das Implantat wieder auf die vorhandenen Knochensubstanz zugreifen.

Teilprothesen sind von Vorteil, weil Sie durchweg knochensparend implantiert werden können, im Vergleich zu Vollprothesen. Mit 10 Jahren Überlebensraten von 98% und einer sehr hohen Patientenzufriedenheit, sind sie daher eine wichtige Alternative in der Versorgung von Arthrose. In der orthopädischen Gelenk-Klinik sind daher beinahe 60% der Prothesenversorgungen Teilprothesen.

Die Erfahrungen der letzten Jahre geben weiter Hoffnung auf eine optimierte Behandlung dieser Erkrankung.

Totalendoprothesen: Gelenkersatz bei fortgeschrittener Arthrose

Das Einsetzen (Implantation) eines künstlichen Gelenkes soll die normale Form der natürlichen Gelenke mit Kopf und Pfanne nachempfinden und deren Funktion wieder herstellen:

Totalendoprothesen sind seit Jahrzehnten bei allen Gelenken im Einsatz. Sie stellen nicht nur die Gelenkfunktion wieder her. Prothesen sind immer dann indiziert, wenn die Patienten ohne prothetische Versorgung ein starke Bewegungseinschränkung erleiden würden. Alle anderen konservativen und operativen gelenkerhaltenden Behandlungsmöglichkeiten müssen ausgeschöpft sein, bevor eine Prothese in Betracht gezogen wird. Prothesen ermöglichen dem betroffenen Patienten auch nach vollständiger Zerstörung des des Gelenks durch die Arthrose eine mobile Lebensweise. Das ist besonders wichtig zum Erhalt der Selbstständigkeit in der eigenen Lebensumgebung.

Es ist natürlich gesundheitsfördernd und unterstützt einen aktiven Lebensstil, mit dem Gelenkersatz wieder schmerzfrei Wandern, Schwimmen und moderat Sport treiben zu können. Damit leisten Vollprothesen einen unersetzlichen Beitrag zur Lebensqualität bei Patienten mit schwerer Arthrose.

Dieses Video zeigt schematisch das Vorgehen bei der Operation einer Hüfttotalendoprothese im Vergleich zu einer Oberflächenersatzprothese der Hüfte.

Totalendoprothesen halten je nach Lebensumständen 15-25 Jahre.

Erhöhung der Lebensdauer der Prothese durch...

  • Höheres Alter des Patienten (geringere Haltbarkeit bei jüngeren Patienten)
  • Gute Knochenqualität (hohe Knochendichte)
  • Normales Körpergewicht
  • Noch relativ gute Gelenkfunktion vor der Operation

Bei der Indikationsstellung der Totalendoprothese achtet der Spezialist darauf, dass die Lebensdauer der Prothese möglichst nicht unter der zu erwartenden Lebensdauer des Patienten liegt. Er will den Patienten dadurch mögliche Prothesenwechseloperationen ersparen: Auch künstliche Gelenke unterliegen dem Verschleiß und können aus verschiedenen Gründen versagen. Das wird heutzutage aber nicht vor 15-25 Jahren nach dem Implantat erwartet. Diese Revisionsoperationen sind unter den Bedingungen der vorangegangenen Operation nur erschwert durchführbar: Beim Einbau der Totalendoprothese wurde in der Regel schon eigeneKnochensubstanz geopfert.

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