Orthopädische Gelenk-Klinik

Orthopädische Gelenk-Klinik

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Kniespezialist untersucht Knieschmerzen

Arthrose: Gelenkerhaltende und knochenerhaltende Therapie

  1. Was ist Arthrose?
  2. Wie erhält man Gelenkknorpel gesund? Ursachen für Knorpelverschleiß
  3. Diagnose von Gelenkschmerzen und Arthrose
  4. Konservative Therapie der Arthrose
  5. Ernährungsumstellung und Heilfasten bei Arthrose
  6. Pflanzenmittel und Naturheilkunde gegen Arthroseschmerzen
  7. Medikamentöse Arthrosetherapie
  8. Therapie von Knorpelschaden durch Knorpeltransplantation
  9. Endoprothesen (Gelenkersatz) bei Arthrose

Was ist Arthrose?

Arthrose: Die möglichen betroffenen GelenkeAlle Gelenke des menschlichen Körpers können von Arthrose befallen sein. Bei Arthrose wird der für die Gelenkbeweglichkeit und Dämpfung essentielle Gelenkknorpel abgebaut. Das Gelenk schmerzt, kann sich entzünden und versteift. © Sagittaria, Fotolia

Arthrose ist fortschreitender Gelenkverschleiß: Über viele Jahre wird die gleitfähige Knorpelschicht im Gelenk abgerieben. Später führt Arthrose auch zu schmerzhaften Veränderungen an den Knochen bis hin zur schmerzhaften Einsteifung des Gelenks im Endstadium. Wir wollen in diesem Artikel Arthrose nicht nur als schicksalhaften, unaufhaltsamen Gelenkverschleiß darstellen. Stattdessen stehen bei uns die gelenkerhaltenden Therapiemöglichkeiten im Vordergrund: Werden diese gelenkerhaltenden Therapien rechtzeitig angewendet, können wir Arthrose stark verzögern und manchmal sogar ganz beenden. Voraussetzung der gelenkerhaltenden Arthrosetherapie ist stets eine genaue Diagnose der Ursache. Je früher der konkrete Grund für die Arthrose fachärztlich geklärt wird, umso vielfältiger sind die Behandlungsmöglichkeiten zum Gelenkerhalt.

Über 5 Mio. Patienten mit Arthrose gibt es in Deutschland. Damit ist Arthrose die häufigste Gelenkerkrankung. Über 3 Mio. Menschen in Deutschland haben wegen Arthrose schon ein künstliches Gelenk erhalten. Am häufigsten ist das Knie betroffen, dann folgt das Hüftgelenk. Jährlich werden 150.000 Kniegelenke und 200.000 Hüftgelenke ersetzt. Dazu kommen jährlich 12.000 Schulterprothesen.

Verbreitung (Epidemiologie) der Gelenkarthrose

In der 1997 durchgeführten Rotterdamstudie wurde ein Bevölkerungsquerschnitt von 1040 Patienten im Alter von 55 bis 65 Jahren auf Arthrose untersucht. Nur 135 Personen (also 12 %) waren frei von jeder Form der im Röntgenbild nachweisbaren Arthrose. In der Reihenuntersuchung wurde Arthrose an den Händen, an der Wirbelsäule, an der Hüfte und im Knie berücksichtigt.

Die Studie erlaubt folgende Voraussage für die Häufigkeit von Arthrose: Durch die allgemeine Alterung der Gesellschaft wird der Anteil an Patienten, die mit schwerem Gelenkverschleiß leben, auch in Zukunft weiter ansteigen.

Gelenkverschleiß ist eine der häufigsten Ursachen für chronische Schmerzen und Bewegungsstörungen. In den meisten Fällen tritt die Arthrose in Knie oder in der Hüfte auf. Aber auch Hände, Schultern, Wirbelsäule und Sprunggelenke sind betroffen.

Die im Röntgen feststellbare Arthroserate im Kniegelenk liegt bei den unter 35-Jährigen Frauen unter 4 %. Bei den gleichaltrigen Männern liegt sie mit 5,6 % etwas höher.

55–64-Jährige Frauen sind bereits zu über 40% von einer Arthrose betroffen. Bei Männern zwischen 55 und 64 Jahren liegt die Arthroserate bei 28,2 % aller untersuchten Personen. Im höheren Lebensalter ist die Arthroserate bei Frauen also deutlich höher als bei Männern (Lawrence et al, 1966). Bemerkenswert ist aber, dass nur ein Teil der Patienten, bei denen Arthrose radiologisch (mit Röntgen) feststellbar war, auch unter Beschwerden leiden. Bei vielen Betroffenen verläuft die Arthrose über lange Zeit still und symptomfrei.

Arthrose im Knie Knie mit Arthrose von vorne gesehen. Sichtbar sind die Patella, der Innen- und Außenmeniskus, die knöchernen Gelenkpartner und das vordere Kreuzband. © Viewmedica

Vor dem 45. Lebensjahr sind Männer weit häufiger von der Arthrose betroffen als Frauen.

Über 55 ändert sich die Verteilung der Arthrose: Dann kann die Arthrose vor allem bei Frauen festgestellt werden.

Am häufigsten betroffen sind die im Alltag und bei der Arbeit häufig stark belasteten Hüft- und Kniegelenke. Ist das Hüftgelenk betroffen, bezeichnet man dies medizinisch als Coxarthrose – die Arthrose des Kniegelenks heißt medizinisch als Gonarthrose.

Arthrose ist Gelenkverschleiß durch krankhafte Knorpelrückbildung (Degeneration). Im Laufe des Lebens verschlechtert sich die Funktion jedes Gelenkknorpels durch den normalen, altersbedingten Verschleiß. Ist der Gelenkverschleiß im Vergleich zur eigenen Altersgruppe überdurchschnittlich weit fortgeschritten, liegt eine behandlungsbedürftige Arthrose vor.

Da die Knorpelschicht keinerlei sensible Nervenendigungen (Schmerzfühler) enthält, sind Schäden am Knorpel immer erst wahrnehmbar, wenn die Defekte bereits bis zu der unter dem Knorpel liegenden Knochenschicht reichen. Jeder weiß, wie schmerzhaft ein Anrempeln von Ellenbogen oder Schienbeinkante sein kann. Dies verdeutlicht, wie druckempfindlich die Knochenhaut (Periost) auf Stöße reagiert. Schmerzen bei einer fortgeschrittenen Arthrose sind annähernd damit vergleichbar.

Wie kann ich Gelenkverschleiß und Arthrose vorbeugen?

  • Übergewicht vermeiden: Hohes Körpergewicht belastet die Gelenke; Fettgewebe fördert entzündlichen Knorpelverlust.
  • Bewegung ist ein Lebenselixier des Gelenks: Sanfte Bewegung fördert die Knorpelregeneration in jedem Gelenk.
  • Muskeltraining und Aufbau: Eine gut trainierte Muskulatur entlastet die Gelenke bei jeder Bewegung.
  • Bewusst ernähren: Ein hoher pflanzlicher Nahrungsanteil (Gemüse) reduziert knorpelschädliche Entzündungsprozesse im Körper. Rotes Fleisch und tierische Fette erhöhen die Entzündungsneigung.
  • Genussgifte meiden: Alkohol und Nikotin schädigen die Vitalität Ihrer Knorpelzellen.
  • Vorbeugende Instandhaltung Ihrer Gelenke: Wenn Sie nach Stürzen oder Unfällen chronische Schmerzen haben, klären Sie das mit Ihrem Spezialisten ab. Instabilität oder unbehandelte Knorpelschäden können langfristig zu Arthrose führen, wären aber bei rechtzeitiger Diagnose einfach zu behandeln.

Ursachen und Risikofaktoren

Arthrose ist immer die Folge einer Überbelastung der Gelenkflächen. Die von Natur aus geringe Regenerationsfähigkeit dieses Gewebes wird überfordert. Weil Muskeln die Gelenke entlasten und Stöße abfangen, begünstigt auch eine schlecht trainierte Muskulatur, vor allem in Verbindung mit Übergewicht, die Entstehung von Arthrose in allen Gelenken.

Fettgewebe belastet die Gelenke nicht nur wegen des höheren Körpergewichts: Die biochemische Aktivität von Fettgewebe, vor allem von Bauchfett, erhöht die allgemeine Entzündungsneigung im gesamten Körper, aber auch in den Gelenken. Entzündungsprozesse fördern direkt den Knorpelabbau und beschleunigen so die Erweichung des Gelenkknorpels. Reichlich vorhandenes aktives Fettgewebe verstärkt über biochemische Regelkreise den Knorpelabbau in den Gelenken.

Eine erhöhte Arthroseneigung wird auch häufig als erbliche Belastung in Familien weitergegeben.

Knorpel werden nicht durchblutet, sondern über einen passiv bewegten Strom aus Gewebsflüssigkeit ernährt. Bewegung ist also eine natürliche Pumpe für diesen Prozess. Wegen des wesentlichen Einflusses der Bewegung auf die Knorpelregeneration ist auch Bewegungsmangel – und nicht nur Überlastung der Gelenke – ein Auslöser der Arthrose.

Eine stark verminderte Knochendichte (Osteoporose) ist ebenfalls ein Risikofaktor für Arthrose: Je geringer die Knochendichte, umso höher ist die Arthroseneigung bei Osteoporosepatienten.

Was sind die wichtigen Risikofaktoren?

Höheres Arthroserisiko durch:

  • Muskelschwäche
  • Bewegungsmangel
  • Fehlstellungen (Dysplasie im Hüftgelenk oder X-Bein- bzw. O-Beinstellung im Knie)
  • Knorpeltrauma (Unfall)
  • gelenknahe Frakturen
  • Übergewicht
  • mangelnde Bewegungskoordination und Selbstwahrnehmung (neurologische Ursachen, Alter)
  • erbliche Faktoren
  • Osteoporose (Knochenschwund)
  • Knochennekrose (Absterben des Knochens wegen Durchblutungsstörungen)

Bei Arthrose ist das Alter der stärkste Faktor, der die schmerzfreie Beweglichkeit eines Gelenks beeinflusst. Aus den oben ausgeführten Zahlen geht die Altersabhängigkeit klar hervor. Ein weiterer Risikofaktor scheint das weibliche Geschlecht zu sein. Frauen haben im Alter eine deutlich höhere Arthroseneigung als Männer. Die Gründe für die relativ große Anfälligkeit von Frauen sind noch nicht abschließend geklärt.

Allgemeine und gelenkspezifische Risikofaktoren sind ein wichtiger Gesichtspunkt zur Planung der Therapie. Sie können den Verlauf und die Intensität des Gelenkverschleißes stark beeinflussen. Bei geeigneter Therapie verläuft das Leben vieler Arthrosepatienten fast normal, unter relativ geringen Beeinträchtigungen.

Die Rolle des Körpergewichtes

Laufen und Bewegung zur Vorbeugung gegen Arthrose Normalgewicht und regelmäßige Bewegung entlastet die Gelenke und senkt die Entzündungsneigung im Körper. Deshalb ist regelmäßige, sanfte Bewegung die effektivste Vorbeugung gegen Arthrose. © lordn, Fotolia

Für die Rolle des Gewichts bei der Arthroseentstehung gibt es eine einfache und eine komplexere Erklärung. Der einfache Zusammenhang zwischen Körpergewicht und Gelenkverschleiß besteht in der größeren mechanischen Last auf den Gelenken. Alle Gelenke der unteren Extremität (Hüfte, Knie, Sprunggelenk) tragen das gesamte Körpergewicht. Beim Laufen und Springen wirkt häufig ein Vielfaches des Körpergewichtes auf die Gelenkknorpel ein.

Bei stark übergewichtigen Patienten liegt der Zeitpunkt einer Hüftprothesenoperation daher um über 10 Jahre früher als bei Normalgewichtigen. Bei der Knieprothese ist dieser Zusammenhang noch deutlicher: Übergewichtige bekommen durchschnittlich 13 Jahre früher eine Knieprothese als Normalgewichtige.

Das individuelle Risiko, eine Arthrose zu entwickeln, ist bei stark Übergewichtigen mehr als doppelt so hoch wie bei Normalgewichtigen (Felson et al, 1988).

Unter den kontrollierbaren Faktoren, die Arthrose begünstigen, ist das Übergewicht der wichtigste einzelne Faktor.

Gewichtsregulierung und regelmäßige Bewegung sind daher die wichtigsten Ansätze zur →Vorbeugung von Arthrose durch bewusste Ernährung.

Aktivität von Fettgewebe und Arthroseentstehung

Der höhere Druck auf die Gelenke durch Übergewicht und die schlechtere Gelenkführung bei Muskelschwäche sind anerkannte Ursachen der Arthrose. Zudem hat Fettgewebe nachteilige Folgen für den Stoffwechsel der Knorpelgewebe in den Gelenken (Peruccio et al, 2014).

Fettgewebe bildet entzündungsfördernde Stoffe (Adipokine). Gelangen diese Adipokine in die Gelenkflüssigkeit, beschleunigen sie den Abbau des Knorpelgewebes.

Untersuchungen der Gelenkflüssigkeit übergewichtiger Patienten haben diesen Zusammenhang belegt.

Muskeltraining und Reduktion von Fettgewebe vermindert also nicht nur Arthrose durch verringerte mechanische Belastung aufgrund des geringeren Gewichtes. Durch die langfristig positive Beeinflussung des Stoffwechsels verringert sich die Arthrose durch Reduktion der Entzündungsfaktoren im Körper.

Erbliche Faktoren begünstigen die Arthrose

Erbliche Arthrose-Auslöser

  • Genmutationen können die Knorpelbildung beeinträchtigen.
  • Wachstumsstörungen können die Ausbildung der Gelenkflächen stören (Hüftdysplasie, X- und O-Bein-Stellung im Kniegelenk).
  • Erbliche Erkrankungen im Stoffwechsel stören die Knorpelbildung (z. B. Alkaptonurie oder Hämochromatose).
  • Erbliche endokrine Störungen wie z. B. Akromegalie (Riesenwuchs der Extremitäten) begünstigen die Entstehung von Arthrose.

Bei manchen Patienten ist aufgrund einer Schwäche des Gelenkknorpels eine erbliche Veranlagung für Arthrose in der Familiengeschichte zu finden.

Hier ist vor allem eine Mutation des sogenannten COL2A1-Gens verantwortlich. Es führt zu einer Fehlbildung des Bindegewebsproteins Kollagen. Folge dieser Erbkrankheit ist immer eine schwere Arthrose, die gleich nach der Beendigung der Wachstumsphase einsetzt.

Auch Entwicklungsstörungen bei der Skelettreifung und Störungen der Wachstumsfugen können zu inkongruenten (nicht passenden) Gelenkflächen führen, die Arthrose verursachen.

Man erkennt erbliche Arthrose meist daran, das sie in vielen Gelenken auftritt. Die Wahrscheinlichkeit ist erhöht, dass nahe Verwandte ebenfalls an Arthrose leiden. Erstmals wurde dieser Zusammenhang bei der Heberdenarthrose (Fingerarthrose) gezeigt.

Bewegungsmangel als Risikofaktor für Arthrose

Eine Studie, die den Bewegungsradius von Versuchstieren kontrollierte, konnte nachweisen, dass Bewegungsmangel einen negativen Einfluss auf die Gesundheit der Gelenke hat. Die im Experiment bewegungsreduzierten Tiere wiesen deutliche biochemische und anatomische Veränderungen der Gelenke auf. Insbesondere die knorpelabbauenden Enzyme im Knorpelgewebe (Metalloprotheasen) fand man bei den bewegungsarmen Tieren in weit höherer Konzentration. Bei den Tieren mit hohem Bewegungsumfang wurde kein negativer Einfluss der Bewegung auf die Stabilität der Gelenkknorpel gefunden. Diese Ergebnisse bestätigten sich auch bei Menschen durch Reihenuntersuchungen an Joggern verglichen mit Bewegungsmuffeln.

Sowohl spezifische Belastungen oder Überlastung der Gelenke als auch Bewegungsmangel können den vorzeitigen Knorpelabrieb verursachen.

Heutzutage ist jedoch immer häufiger nicht Überlastung der häufigste Auslöser für Arthrose, sondern Bewegungsmangel. Der Grund dafür ist, dass der Gelenkknorpel nicht direkt durchblutet wird. Nur durch Bewegung wird die Gelenkflüssigkeit im Knorpelgewebe ausgetauscht und erneuert. Der passive, durch Bewegung angetriebene Austausch dieser Nährflüssigkeit ist zentral für die Versorgung des Gelenkknorpels mit Nährstoffen und Sauerstoff. Auch den Abtransport der Stoffwechselendprodukte treibt regelmäßige Bewegung an. Bewegung ist also der Motor für einen gesunden Knorpelstoffwechsel.

Die Prüfung von Bändern ist Teil der Diagnose der Arthroseursachen Die Prüfung der gelenkstabilisierenden Bänder gehört zur orthopädischen Diagnose bei Arthrose © Gelenk-Klinik

Eine weitgehend sitzende Lebensweise ohne Bewegungsausgleich lässt den Knorpel im Laufe der Jahre einfach "verhungern".

Auch langdauernde Immobilisierung durch neurologische Störungen oder Gipsverbände kann den Knorpel verkümmern lassen und zu Arthrose führen.

Knochendichte und Arthrose: Der Einfluss von Osteoporose oder Knochennekrose

Osteoporose begünstigt Arthrose in allen Gelenken. Osteoporose (Verminderung der Knochendichte) begünstigt vor allem bei Frauen die Entwicklung von Arthrose. Bei Männern tritt diese Verminderung der Knochendichte erst etwa 10 Jahre später als bei Frauen ein. © bilderzwerg, Fotolia

Eine Verminderung der Knochendichte erhöht die Chance für Arthrose in fast allen Gelenken. Bei Frauen ist dieser Zusammenhang allerdings viel ausgeprägter als bei Männern. Bei Männern ist Osteoporose ebenfalls ein Faktor für die Entstehung von Arthrose, jedoch erst in einem höheren Lebensalter als bei Frauen.

Die 25 % der Patientinnen mit der niedrigsten Knochendichte ihrer Altersgruppe zeigen eine über viermal so hohe Arthroserate wie die Patientinnen aus der Gruppe mit normaler Knochendichte. (→Studie).

Weiterlesen zu Osteoporose.

Osteoporose und Arthrose

Hormonersatztherapie wird bei Frauen nach den Wechseljahren häufig gegen Osteoporose angewandt. Allerdings hatte diese Hormontherapie in verschiedenen Studien nur einen geringen positiven Einfluss auf das Knorpelvolumen oder den Grad der Arthrose bei den behandelten Patientinnen.

→Studie

Auch die Osteonekrose kann ein Gelenk destabilisieren. Dabei wird aus teilweise noch unbekannten Gründen der Blutfluss in den Gefäßen innerhalb des Knochengewebes unterbrochen. Die Knochenzellen werden nicht mehr ausreichend ernährt. Nach einiger Zeit erscheint der Knochen an den Stellen mit Knochennekrose sogar im Röntgenbild demineralisiert. Schließlich kann der Knochen unter dem Knorpel ganz einbrechen und die glatte Knorpelfläche zerstören.
(Weiterlesen zu Knochennekrose im Knie).

Instabilität von Gelenken und Gangbildveränderungen als Auslöser von Arthrose

Instabilität und Arthrose:
  • Außenbandriss im Sprunggelenk
  • Kreuzbandriss
  • Beschädigung des Meniskus
  • Ruptur der Supraspinatussehne
  • neurologische Störungen der Propriozeption (Körperselbst- wahrnehmung)
  • altersbedingte Verschlechterung der Bewegungskontrolle
  • Änderung des Muskeltonus nach Verletzung oder im Alter

Neben Bewegungsmangel ist die spezifische Überlastung des Gelenks ein wichtiger Auslöser von Arthrose. Traumatische Störungen an Sehnen, Bändern und Bindegeweben können eine solche Überlastung auslösen. Ein wichtiges Beispiel ist die erhöhte Rate an Arthrose im Sprunggelenk nach Außenbandruptur bei chronischer Instabilität im Sprunggelenk.

Auch ein Verlust der Meniskusfunktion z. B. nach Meniskusriss oder Meniskusentfernung führt zu einer nachweislich höheren Rate an Kniearthrose bei den betroffenen Patienten.

Neurologische Erkrankungen oder ein altersbedingter Verlust an Bewegungskontrolle können ebenfalls zu veränderten und schädlichen Belastungen der Gelenke führen. Das kann langfristig eine Arthrose begünstigen.

Die spezifische Muskelschwäche in manchen Bereichen erhöht die Last auf den Gelenkknorpel und fördert Knorpelverschleiß. So wurde am Kniegelenk gezeigt, dass ein spezielles Krafttraining das Voranschreiten der Gonarthrose (Kniearthrose) wirksam hemmen kann.

Wir setzen die physiotherapeutische Kräftigung der Gelenke daher gezielt zur Arthrosetherapie ein. Auch physiotherapeutische Übungen zur Verbesserung der Koordination und Selbstwahrnehmung (Propriozeption) sind sehr gut geeignet, um Arthrose zu verlangsamen und die Gelenkführung wieder zu verbessern. Vor allem nach Verletzungen oder bei älteren Patienten sind diese kräftigenden Therapien sehr wirksam.

Ist Arthrose eine Folge des aufrechten Ganges?

Die Evolution ist ursächlich für die veränderte Lastverteilung auf Gelenken. Ein Großteil der Arthrosefälle tritt an den gewichtstragenden unteren Extremitäten auf: Hüfte, Knie, Großzehengrundgelenk. Die Schulterarthrose kommt hingegen relativ selten vor. Sie tritt, wenn überhaupt, viel später im Leben auf. Evolutionsbiologen folgern daraus, dass die Tragfähigkeit der unteren Extremitäten der Menschen noch nicht optimal an den aufrechten Gang angepasst ist (also "funktionell unterentwickelt" ist). Dahingegen hat das bei aufrecht gehenden Menschen nicht mehr gewichtstragende Schultergelenk eine "funktionelle Reserve". Es trägt also nur einen Bruchteil des Arthroserisikos der gewichttragenden Gelenke.
)Link zur Studie)

Arthrose (am Beispiel der Kniearthrose) im Verlauf:

  1. Eine Überlastung oder ein Trauma führt zu einem Knorpelschaden (osteochondrale Läsion).
  2. Die fortdauernde Knorpeldegeneration führt über Jahre zu einem im Endstadium vollständigen Knorpelverlust im Gelenk.
  3. Die Reibung der Knochen und die zunehmende Instabilität im Gelenk führen zu Knochenspornen (Osteophyten).
  4. Die Symptome der Arthrose sind zunächst Anlaufschmerzen am Morgen oder nach Ruhe, später auch Ruheschmerzen und Schmerzreaktionen auf Belastung des Gelenks.
  5. Für die Behandlung sind Schmerztherapie und Kräftigung des Gelenks wichtig.
Arthrose im Kniegelenk Röntgenbild eines Kniegelenks mit schwerer Arthrose. Der Knorpel zwischen den Gelenkflächen ist bereits völlig abgetragen. Die Gelenkflächen von Oberschenkel (Femur) und Unterschenkel (Tibia) liegen direkt aufeinander. In diesem Stadium ist es zu spät für eine gelenkerhaltende Therapie der Arthrose. © Gelenk-Klinik.de

Eine behandlungsbedürftige Arthrose liegt dann vor, wenn sie über dem für das Alter des Patienten üblichen Maß an Gelenkverschleiß liegt.

Dieser Definition kann man auch entnehmen, dass Arthrose als Gelenkverschleiß, Versteifung und Verlust von Knorpelgewebe im Gelenk auch ein ganz normaler Teil der biologischen Alterung ist.

Sie sollten daher beim ersten Hinweis auf Arthrose in einem Gelenk eine möglichst gezielte Diagnose der Ursache anstreben. Die Arthrose hat zwar in jedem Gelenk einen grundsätzlich ähnlichen Verlauf. Die genaue Diagnose sollte aber immer auch individuelle Ereignisse (Unfälle, besondere Belastungen) und die Biomechanik des betroffenen Gelenks einbeziehen.

Die Spezialisten der Gelenk-Klinik suchen zuerst nach einer gelenkerhaltenden Behandlungsstrategie. Sie untersuchen daher das Gelenk im Hinblick auf eine kausale Arthrosetherapie auf mechanische Ursachen des Gelenkverschleißes. Diese ursachenbezogene Arthrosetherapie versucht, das zugrunde liegende mechanische Problem im Gelenk zu identifizieren und gezielt zu beheben. Daher führt ein erfahrener Spezialist die kausale Arthrosetherapie durch, der nicht nur auf Arthrose allgemein, sondern auch besonders auf das erkrankte Gelenk spezialisiert ist.

Einteilung der Arthrose

  • Primäre Arthrose:
    Eine unklare Ursache oder erbliche Ursachen führen zur geringeren Belastbarkeit der Knorpelgewebe.
  • Sekundäre Arthrose:
    Die Ursache der Arthrose ist bekannt. Überlastung, Fehlstellung, Entzündung oder ein Unfall (Trauma) können verantwortlich sein.

Eine vollständige und differenzierte Diagnostik des erkrankten Gelenks – Knorpel, Knochen, Muskulatur, Nervenfunktion, Bänder und Sehnen – muss durchgeführt werden, um mögliche Ursachen der Arthrose zu ermitteln und effektiv zu behandeln. Bei genauer Untersuchung lassen sich viele Fälle von scheinbar primärer Arthrose (also Arthrose ohne Ursache) aufklären: Mit einer genau benennbaren Ursache werden sie zu erklärbaren Fällen einer sekundären Arthrose.

Bei fortgeschrittener Arthrose steht die allgemeine Schmerztherapie und die Verlangsamung – also das "Arthrosemanagement" – im Vordergrund.

Arten der Arthrose (Einteilung nach Gelenk)

Wir konzentrieren uns in diesem Artikel auf die allgemeinen Aspekte der Arthrose. Die speziellen Formen werden nur kurz erwähnt. Wenn Sie detaillierte Informationen suchen, folgen Sie den Links zu den Spezialthemen.

Strategien zum Gelenkerhalt bei Arthrose

Gelenkerhalt durch:

  • physiotherapeutische Verbesserung der Führung im Gelenk
  • Knorpeltransplantation nach Knorpelzüchtung
  • Bandrekonstruktion zur Stabilisierung von Gelenken
  • Korrektur von Fehlstellungen der Gelenke durch Schuheinlagen
  • Korrektur von Fehlstellungen im Knie oder Hüftgelenk durch Osteotomie (Knochenumstellung)
  • Knochentransplantation zur Stabilisierung des Knorpelgewebes
  • Regeneration des Knochengewebes bei Osteonekrose durch Stoßwellentherapie
  • operative Revitalisierung des Knochengewebes bei Osteonekrose etwa durch retrograde Anbohrung

Im Allgemeinen steht die Therapie der Arthrose unter dem Gesichtspunkt der Symptom-Behandlung: Das Fortschreiten des Gelenkverschleißes wird als unaufhaltsam und schicksalhaft gesehen. Die Rolle des Arztes beschränkt sich oft darauf, die schicksalhafte Erkrankung schmerzlindernd und entzündungshemmend zu begleiten.

Die moderne Arthrosetherapie kann aber viel mehr als nur Symptome behandeln. In vielen Fällen verstehen wir die Ursache der Arthrose recht gut. Sehr häufig sind nicht Alter und Verschleiß durch Überlastung die Auslöser, sondern spezifische Fehlstellungen des Gelenks oder eine Fehlfunktion der Bänder, die das Gelenk umgeben und führen sollen. Ist eine klare Ursache der Arthrose erkennbar, spricht der Orthopäde von der sekundären Arthrose. Diese sekundäre Arthrose kann in vielen Fällen durch gelenkspezifische Therapien oder operative Eingriffe behoben werden.

Was geschieht bei Arthrose in einem Gelenk?

Veränderungen bei Hüftarthrose Dieses Bild illustriert typische Veränderungen bei Hüftarthrose. Nach dem Knorpelabrieb reiben die Knochen direkt aufeinander. An diesen Stellen bilden sich Osteophyten, Knochensporne oder Knochenfortsätze, die das Gelenk noch weiter versteifen und den Abrieb verstärken. © Viewmedica

Unabhängig von der konkreten Ursache der Arthrose, führt sie stets zu krankhaftem Knorpelabbau. Mechanische Überlastung, egal aus welcher Ursache heraus, ist stets eine wesentliche Komponente beim Knorpelabbau. Die Ursachen im Einzelnen – Unfall, Fehlstellung, Übergewicht, Arbeits- oder Sportüberlastung – können unterschiedlich gewichtet sein.

Arthrose betrifft immer zuerst die Gelenkflächen. Alle Gelenke des Menschen – Schulter, Finger, Wirbelgelenke und Bandscheiben, Hüfte und Knie bis hin zu Sprunggelenk und Fußgelenke – können von Gelenkverschleiß betroffen sein.

Bei Arthrose wird die gleitfähige Knorpelschicht, die die Gelenkflächen schützend und dämpfend umgibt, immer dünner und rissig. Das Bindegewebe des Gelenkknorpels verliert seine Fähigkeit, Wasser einzulagern. Die Wassereinlagerung sorgt aber für die Elastizität und Robustheit des Knorpelgewebes. Die Gelenkfläche ist dadurch nicht mehr glatt, sondern wird rau und rissig.

Ganz allgemein gesagt: Arthrose ist eine Störung des natürlichen Gleichgewichts zwischen knorpelabbauenden und knorpelregenerierenden Prozessen im menschlichen Körper. Arthrose ist also eine Störung des Knorpelstoffwechsels.

Durch die bei Arthrose erhöhte Reibung im Gelenk löst sich Knorpelabrieb aus den Gelenkflächen. Später, nach Knorpelverlust, kommen durch die Reibung der Gelenkflächen sogar Knochensplitter hinzu. Dieser Abrieb kann zu sogenannter aktivierter Arthrose – also Entzündungen – führen. Das Gelenk schwillt an, erwärmt sich und wird infolge der entzündlich aktivierten Arthrose empfindlicher und schmerzhafter. Die für eine aktivierte Arthrose charakteristische Entzündungsreaktion beschleunigt durch die überschießenden Entzündungshormone den weiteren Knorpelabbau.

Ursache der Arthrose ist stets eine mechanische Überlastung des Gelenkknorpels, die die Regenerationsfähigkeit des Knorpels überfordert. Das kann Ursachen in der Lebensweise haben (Sport, Arbeit). Aber auch Fehlstellungen und eingeschränkte Funktion von Bändern und Weichteilen, z. B. durch angeborene Fehlstellungen oder nach einem Sportunfall, können diese mechanische Überlastung auslösen.

Überlastung – egal aus welchem Grund – ist also stets eine wesentliche Ursache der Arthrose.

Anzeichen der Arthrose

Durch Arthrose wird das Gelenk steif: Es ermüdet schneller und die Koordination (Geschicklichkeit) lässt nach. Erst im Spätstadium der Arthrose schwillt das Gelenk schmerzhaft an. Bei jeder Bewegung knirscht es im betroffenen Gelenk: Das Gelenk mit Arthrose produziert also hörbare Reibegeräusche.

Stechende Gelenkschmerzen treten erst spät in der Arthroseentwicklung auf, weil Knorpelgewebe selbst keine Schmerzfühler hat. Knorpeldegeneration verläuft also völlig schmerzfrei. Nur der darunterliegende Knochen hat eingebettete Schmerzfühler (Nozizeptoren). Erst wenn der Knochen beschädigt ist, wird Arthrose schmerzhaft. Wenn es aber schon so weit gekommen ist, sind die gelenkerhaltenden Therapiemöglichkeiten stark eingeschränkt.

Symptome der Arthrose:

  • zunehmende Versteifung des Gelenks
  • schnellere Ermüdung
  • schlechtere Bewegungskoordination
  • Anlaufschmerz am Morgen oder nach Ruhe
  • belastungsabhängiger Gelenkschmerz
  • später auch Ruheschmerzen
  • Gelenkerguss (entzündliche Schwellung)
  • Deformation des Gelenks nach Knorpelverlust
  • zunehmende Reibegeräusche bei der Bewegung

Stellenwert der entzündlich aktivierten Arthrose

Die aktivierte Arthrose hat eine besonders knorpelabbauende Wirkung. Daher ist die möglichst schnelle Entzündungsreduktion von strategischer Bedeutung. In einem schmerzhaft entzündeten Gelenk ändert sich das biochemische Milieu: Aus einer schleichenden Arthrose wird eine stark beschleunigte Arthrose. Als Begleiterscheinung des entzündlichen Prozesses wird der Gelenkknorpel wesentlich schneller abgebaut.

Der exakte Verlauf der Arthrose ist zwischen den einzelnen Patienten sehr verschieden. In fortgeschrittenen Fällen von Arthrose degeneriert der Knorpel vollständig: Eine sogenannte "Knochenglatze" – von Knorpel völlig befreiter Knochen – legt die knöchernen Gelenkflächen frei. Die Stoßdämpferfunktion des Knorpels im Gelenk geht damit unwiederbringlich verloren.

Wodurch entstehen Gelenkschmerzen bei Arthrose?

Der Gelenkknorpel ist selbst weder durchblutet noch innerviert (von Nerven versorgt). Ohne Schmerzfühler im Knorpelgewebe als Frühwarnsystem kann die Knorpeldegeneration lange Zeit ohne fühlbare Symptome voranschreiten. Die ersten Schmerzsymptome treten meist erst dann auf, wenn bereits der Knochen unter dem Knorpel angegriffen ist. Das ist ein sehr später Zeitpunkt für eine gelenkerhaltende Therapie: Meist sind in diesem Stadium nur noch Inlays, Teilprothesen oder Vollprothesen möglich.

Der Verlust des Knorpels führt zu einer vermehrten mechanischen Belastung des Gelenks. Die Reibung im Gelenk nimmt deutlich zu. Die Druckbelastung des angrenzenden Knochens steigt rapide an. Im Laufe der Gelenkerkrankung wird die Entzündung im Gelenk immer stärker.

Die Gelenkentzündung entsteht bei der primären Arthrose durch den Abrieb im Gelenk. Sie wird durch eine Entzündung der Gelenkschleimhaut unterhalten (sog. Synovialitis oder Gelenkschleimhautentzündung). Je mehr Abrieb gebildet wird, desto stärker entzündet sich das Gelenk. Mit der Entzündung beschleunigt sich die Knorpelerweichung. Weicher Knorpel wird wiederum stärker abgerieben. Weil die Gelenkschleimhaut die für das Gelenk lebenswichtige Gelenkschmiere bildet, geht auch die Knorpelernährung durch die Entzündung der Gelenkschleimhaut zurück.

Arthroskopische Aufnahmen des Gelenkknorpels: unterschiedliche Stadien der Arthrose Die Bilder zeigen arthroskopische Aufnahmen des Gelenkknorpels im Kniegelenk. Oben links: Der Knorpel ist gesund und weist eine glatte Oberfläche auf. Dieser Knorpel ist elastisch und widerstandsfähig. Unten links: Dieser Knorpel ist bereits aufgeraut und faserig. Der Wassergehalt ist gesunken. Daher ist er nicht mehr so elastisch (Arthrose Grad 1). Oben rechts: Der Knorpel ist bereits rissig. Das Bindegewebe ist nicht nur oberflächlich zerstört, sondern bis tief in das Knorpelgewebe hinein (Arthrose Grad 3). Unten rechts: Die Knorpelschicht ist bereits ganz abgetragen. Der darunterliegende Knochen ist sichtbar. Man spricht hier von einer Knochenglatze (Arthrose Grad 4). © Gelenk-Klinik.de

Stadien der Arthrose

  • Stadium 1: Die Knorpelschicht raut sich auf und bekommt kleinere Einrisse.
  • Stadium 2: Der durchsichtige wasserhaltige Knorpel wird durch Faserknorpel (Narbengewebe) ersetzt, der keine Knorpelzellen mehr enthält. Das Knochengewebe unter dem Knorpel kann nekrotisch werden (absterben) oder Zysten (Hohlraum im Gewebe) bilden.
  • Stadium 3: Die Knorpeldefekte im Gelenk reichen vertikal bis auf den Knochen. Es entsteht immer mehr bindegewebiges Narbengewebe.
  • Stadium 4: Eine Knochenglatze tritt auf, sodass Knochen auf Knochen reibt. Die Knochen im Gelenk deformieren sich und flachen ab. Am Rand des Gelenks bilden sich Knochensporne (Osteophyten).

Welche Gewebe sind von Arthrose betroffen?

Arthrose betrifft nicht nur den Gelenkknorpel. In weiteren Stadien schädigt der Gelenkverschleiß auch die umliegenden Gewebe des Gelenks – Knochen, Bänder, Gelenkkapsel. Durch den Knorpelabbau verliert das Gelenk seine natürliche Form (Arthrosis deformans). Es können Fehlstellungen auftreten. Vorhandene Fehlstellungen werden durch die Arthrose verstärkt.

Die Entzündungsreaktion und die veränderte mechanische Belastung führen dann im weiteren Verlauf zu einer Reizung des benachbarten Knochens. Neue Knochenanbauten (sog. Osteophyten) bilden sich am eher wenig belasteten Rand des Gelenks.

Der Knochen unter der am stärksten belasteten Knorpelschicht kann sich verdicken (subchondrale Sklerose). Es kann an stark belasteten Arealen aber auch zur Auflösung von Knochengewebe kommen (Knochenzysten oder Geröllzysten). Diese arthrosebedingten Änderungen der Knochenstruktur sind im Röntgenbild sehr gut sichtbar.

Durch Entzündungen kann Arthrose zudem die Bänder und Sehnen schädigen, die das Gelenk stabilisieren und führen. Durch die schmerzbedingte Schonung des betroffenen Gelenks bildet sich die umliegende Muskulatur zurück. Das Gelenk wird nicht mehr effizient durch straffe Bänder und Muskulatur geführt. Es läuft – wie ein Autorad mit Lagerschaden – "aus der Spur". Durch diese Fehlbelastung verstärken sich der Abrieb und der Arthroseprozess weiter. Die Belastung der Gelenkflächen steigt an.

Dieser Teufelskreis kennzeichnet den Zerfallprozess des Gelenks.

Langfristig kann Arthrose zu einer vollständigen, schmerzhaften Versteifung des Gelenks führen. Durch Ausweichbewegungen und Schonhaltung schädigt diese Versteifung auch die benachbarten Gelenke oder die Gelenke auf der Gegenseite des Körpers. Man spricht in diesen Fällen von einer Begleitarthrose.

In letzter Konsequenz stellt oft nur eine Gelenkprothese (Kunstgelenk) die Statik und schmerzfreie Beweglichkeit im Alltag wieder her.

Therapie der Arthrose

Arthrose-PyramideDie Therapiepyramide bei Arthrose: Die Maßnahmen in der Basis der Pyramide sind für alle Patienten richtig. Je weiter nach oben man in der Pyramide gelangt, umso seltener kommen die genannten Verfahren zur Anwendung.

Die Behandlung der Arthrose verfolgt normalerweise die üblichen Behandlungsziele für chronische Krankheiten: Die wirksamste Methode der Arthrosetherapie ist die Vorbeugung. Wenn die Arthrose einmal begonnen hat, behandelt man sie als chronische Krankheit nicht mit dem Ziel der Heilung, sondern mit dem Ziel der Linderung und Verlangsamung. Der Arzt kann lediglich den weiteren Verlauf positiv beeinflussen und erträglicher gestalten. Vor allem Physiotherapie und Schmerztherapie fallen in diesen Bereich.

Arthroseprävention und Arthrosetherapie sind nicht klar voneinander abgetrennt: Alle Maßnahmen, die geeignet sind, Arthrose zu verhindern (Prävention), sind auch geeignet, bereits aufgetretene Arthrose im weiteren Verlauf abzumildern (Therapie).

Das betrifft auch die Empfehlungen für arthrosegerechte Ernährung und gelenkfreundlichen Sport. Gelenkfreundlich bedeutet vor allem wenig Last bei viel Bewegung. Ideal sind Radfahren oder Schwimmen.

Auch nach dem Auftreten von Arthrose kann die Verwendung von pflanzlichen Arthrosemitteln wie Teufelskralle oder Brennnesseltee den Schmerzmittelbedarf bei vielen Patienten deutlich absenken.

Wenn die Früherkennung der Arthrose gelingt und eine konkrete mechanische Ursache für die Störung des Bewegungsablaufes im Gelenk gefunden wurde, ist auch eine kausale, meist operative Therapie des Gelenks mit einer langfristigen Heilungsaussicht möglich. Eine Arthrose infolge einer traumatischen Schädigung im Gelenk (Fehlstellung, Kreuzbandriss, Außenbandriss am Sprunggelenk) kann in vielen Fällen noch durch einen vorbeugenden operativen Eingriff gestoppt werden.

Auch in der Alternativmedizin gibt es zahlreiche Verfahren, deren Wirkung bei Arthroseschmerzen inzwischen gesichert ist. Vor allem Yoga und Akupunktur sind wissenschaftlich nachweisbar wirksam gegen Arthroseschmerzen.

Die medizinische Behandlung der Arthrose durch einen Spezialisten ist also sehr individuell: Sie richtet sich nach dem Verlauf, den bekannten Ursachen und dem individuellen Stadium der Arthroseerkrankung.

Arthrosetherapie: das allgemeine Therapieschema

Ihre ersten Fragen nach der Diagnose:

  • Wie kann ich Arthrose aufhalten?
  • Wie lange bleibe ich noch beweglich?
  • Welche Ursachen hat meine Arthrose?
  • Wie kann ich mein Verhalten sinnvoll ändern?
  • Wie kann ich die Arthroseschmerzen behandeln?
  • Wie beeinträchtigt die Arthrose meine Lebenssituation?

Die Diagnose "Arthrose" wirft eine ganze Reihe neuer Fragen auf, mit denen Sie nicht alleine bleiben wollen. Ihr Arzt hilft Ihnen, die Auswirkungen der Arthrose in den verschiedenen Lebensbereichen zu verarbeiten und Ihre Zukunftsängste zu vermindern. Arthrose ist also nicht nur ein medizinisches Problem.

Die Basisstrategie zum Leben mit Arthrose ist eine umfassende, auch psychologische Bewältigungsstrategie. Sie hilft Ihnen, Ihre Arthrose in allen Lebensbereichen zu integrieren.

Zu Ihren wichtigen Ressourcen gehören Sportfähigkeit, Disziplin, Lust auf Neues, und die Fähigkeit, verfestigte Verhaltensmuster infrage zu stellen.

Beispiele für wichtige Verhaltensanpassungen bei Arthrose:

  • Gehen Sie zu Fuß: Je mehr, desto besser. Die meisten Menschen gehen nicht mehr als 800–1200 Schritte am Tag. Mit 6000–8000 Schritten fördern Sie die Knorpelernährung und beugen effektiv einer Arthrose vor.
  • Wenn Sie Übergewicht haben, sollten Sie Ihr Gewicht reduzieren, um die Lebensdauer des Gelenks zu erhöhen.
  • Läufer können ihr Training umstellen und einen Teil des Trainings auf dem Fahrrad oder im Wasser absolvieren, um die Gelenke zu entlasten.
  • Patienten mit Bewegungsmangel können gelenkschonende Sportarten wie Radfahren oder Schwimmen aufnehmen, um die Knorpelregeneration zu verbessern und zugleich durch Muskelaufbau die Gelenke zu entlasten.
  • Patienten, die Alkohol trinken oder Zigaretten rauchen, können ihren Stoffwechsel verbessern, indem sie diese Gewohnheiten reduzieren oder aufgeben.
  • Eine ausgewogene Ernährung erhöht den Nährstoffanteil (Vitamine, Mineralstoffe) in der Nahrung und fördert dadurch die Regeneration.

Basistherapie: Vorbeugung und arthrosegerechtes Verhalten

Die grundlegenden Maßnahmen müssen alle Patienten mit Arthrose berücksichtigen. Sie lassen sich zusammenfassend als Anpassung der Lebensführung und des Verhaltens beschreiben. Diese Basistherapie, also Maßnahmen zu Beginn der Arthrose, beginnen mit der Aufklärung über die Arthrose. Weitere Inhalte sind Beratung und Bewältigungsstrategien, die angesichts der möglicherweise chronischen Erkrankung erforderlich sind.

Ziele der Basistherapie bei Arthrose:

  • Schmerzreduktion, damit der Patient im Alltag nicht zu sehr unter den Arthrosesymptomen leidet
  • Erhalt der Gelenkfunktion, Beweglichkeit und Belastbarkeit
  • Erhalt der Knorpelschicht bzw. Verlangsamung des Knorpelabbaus
  • allgemeine Verbesserung des Stoffwechsels und des Allgemeinbefindens
  • möglichst geringer Anteil an potentiell nebenwirkungsreichen Medikamenten oder operativen Eingriffen

Die Mitarbeit unserer Patienten und ihr gutes Allgemeinverständnis für ihre Arthrose sind sehr wichtig für den Erfolg dieser Maßnahmen. Eine besondere Hilfe erhalten Sie in dieser Phase von Ihrem Arzt. Stellen Sie Ihre Fragen. Von den Physiotherapeuten erhalten Sie wertvolle Hinweise zu Bewegungsabläufen und gelenkschonenden Trainingsmöglichkeiten. Eine zusätzliche Hilfe sind Präventionskurse, die meist von Ihrer Krankenkasse bezahlt werden. All diese Anregungen müssen Sie nach und nach in eine allgemeine Lebensstilanpassung integrieren. Sie sollten diese Maßnahmen mit viel Initiative, aber auch Geduld im Alltag umsetzen.

Stellenwert von Präventionskursen bei Arthrose

Der Wert von Programmen zum Erlernen von arthrosegerechtem Verhalten wurde wissenschaftlich überprüft. Teilnehmer an Präventionskursen wiesen auch 4 Jahre nach dem Abschluss der Kurse noch ein verbessertes Allgemeinbefinden, weniger Arztbesuche und eine geringere Medikamenteneinnahme aus als eine nicht ausgebildete Vergleichsgruppe (Literatur zur Arthroseprävention).

Die Übungsprogramme sind am effektivsten, wenn Sie die Kurse nur als Einstieg verwenden und dann möglichst täglich zu Hause in festen Routinen weiter üben. Der Einstieg ist vielleicht mühsam, aber bei nur 3–4 Übungseinheiten in der Woche werden Sie nach einigen Wochen eine deutliche Verbesserung Ihrer Gelenkfunktion und Ihrer Stimmung feststellen. Mit diesen Aktivitäten leisten Sie eine regelmäßige "Einzahlung" auf Ihr "Lebenskonto" und erleben eine "Verzinsung" in Form von langfristig verbesserter Lebensqualität und verbessertem Allgemeinbefinden.

Konservative Behandlung von Arthroseschmerzen

Die Behandlung von Arthrose gehört zu den schwierigsten Kapiteln in der Orthopädie. Arthrose ist eine chronische Erkrankungen. Das bedeutet, wenn der Krankheitsprozess begonnen hat, kann man ihn noch beeinflussen, aber nicht mehr ganz stoppen.

Die einzige Ausnahme: Wenn die Arthrose recht früh erkannt wird und eine konkrete mechanische Ursache für die Störung des Bewegungsablaufes gefunden wurde, kann ein operativer Eingriff die Arthrose in vielen Fällen noch stoppen. Arthrose im Frühstadium kann durch neue Behandlungsmethoden wesentlich effektiver behandelt werden als stark fortgeschrittene Arthrose.

Die Behandlung der Arthrose richtet sich also nach vielen Umständen. Vor allem richtet sie sich aber nach dem Verlauf und dem Stadium der Erkrankung.

Arthrose und Physiotherapie

"Sanfte" Sportarten bei Arthrose

  • Radfahren
  • Hometrainer
  • Elliptic Trainier (Cross-Trainer)
  • Aqua-Jogging
  • Schwimmen (je nach betroffenem Gelenk)

Physiotherapie gehört zu den grundlegenden Empfehlungen, die bei Gelenkarthrose immer richtig sind. Die physiotherapeutische Behandlung hat mehrere Ansatzpunkte.

  1. Kräftigung und Verbesserung der Gelenkführung:
    Vor allem im Bereich der Kniearthrose konnte gezeigt werden, dass Muskelaufbau und Kräftigung den Knorpelverschleiß deutlich verlangsamen und die Schmerzen reduzieren. Das lässt sich auch auf andere Gelenke übertragen. Eine gut trainierte Muskulatur entlastet die Gelenke im Alltag.
  2. Verbesserte Knorpelernährung durch Bewegung:
    Gleichzeitig optimiert regelmäßiges Training oder auch nur das Einbauen von Gehstrecken in den Alltag den Stoffwechsel im Gelenk und verbessert die Knorpelernährung. Empfohlen sind 6000 Schritte oder mehr. Aber auch kleinere Strecken helfen.
  3. Die verbesserte Koordination unterstützt das Gelenk:
    Die Koordination der Bewegung wird nicht nur durch Muskelkraft, sondern auch durch neurologisches Training unterstützt. Neurologische Defizite sind wichtige Auslöser von Arthrose in den Gelenken. Durch besser koordinierte Bewegungen kann man das Gelenk länger gesund erhalten. Bewegungstraining ist daher ein wichtiger Aspekt der Physiotherapie bei Arthrose.

Krafttraining als knorpelschützende Maßnahme

Krafttraining ist nicht nur bei Spitzensportlern eine Maßnahme zur Steigerung der Leistungsfähigkeit. Es ist in seiner Wirkung direkt knorpelschützend und beugt damit der Entwicklung von Arthrose vor.

Ein wichtiger Faktor bei der Arthroseprävention ist die Entlastung der Gelenke durch die leistungsfähigere Muskulatur. Wichtig ist aber die richtige Dosierung der Übungen. Die Belastung der Gelenke sollte unterhalb der Rupturgrenze (Riss-Grenze) der Knorpelmatrix bleiben, um Knorpelschäden vorzubeugen. Die Dosierung der Belastung ist besonders wichtig für Patienten, bei denen der Gelenkknorpel schon von der Arthrose angegriffen wurde. Die Belastungsgrenze für Krafttraining ist dann bereits vermindert. Betroffene sollten im Training mit geringeren Belastungsspitzen (weniger Gewicht), dafür aber mit mehr Wiederholungen arbeiten. Eine sorgfältige Einweisung durch einen Physiotherapeuten ist daher von Vorteil.

Durch Krafttraining entstehen biochemische Reaktionen im Knorpel: Die Synthese von wasserbindenden Aggrekanen (Knorpelproteine) im Knorpel wird erhöht. Damit steigen die Dicke des Knorpels und die mechanische Pufferkapazität im Gelenk wieder an (Literatur zu Krafttraining bei Arthrose).

Wichtig für die Prävention von Überlastungsschäden am Knorpel ist es auch, eine endgradige Belastung der Gelenke in voller Streckung oder voller Beugung zu vermeiden.

Die Belastung der Gelenke während des Krafttrainings sollte zudem nicht statisch gehalten werden, sondern in Bewegung erfolgen, um eine lokale Überlastung der Knorpelflächen zu vermeiden.

Diät und Arthrose: optimale Zusammensetzung der Ernährung

Eine nährstoffreiche und fettarme Ernährung kann Ihre Arthrose positiv beeinflussen. Eine nährstoffreiche und fettarme Ernährung kann Ihre Arthrose positiv beeinflussen. © monticellllo, Fotolia

Zur Basisstrategie der Therapie von Arthrose gehört eine Anpassung der Ernährung. Durch bewusste Umstellung ungünstiger Verhaltensweisen verlangsamen Sie den Knorpelabbau und unterstützen die Knorpelregeneration. Die Ernährungsumstellung hat zwei Ziele: Eine qualitativ bessere Ernährung soll den allgemeinen Gesundheitszustand und die Regenerationsfähigkeit des Körpers verbessern. Durch Gewichtsreduktion werden die Gelenke entlastet.

Nach einer Fastenstudie der Uniklinik Jena können Arthroseschmerzen auch durch eine Saftfastenkur wirksam bekämpft werden. Schon nach 15 Tagen der Saftkur nach Buchinger sind die Arthroseschmerzen der meisten Teilnehmer fast ganz verschwunden. Synthetische Schmerzmittel konnten bei den meisten der 36 Teilnehmer fast ganz eingespart werden. Damit wurde gezeigt, dass eine Fastenkur degenerative (arthrosebedingte) Gelenkschmerzen wirksam bekämpfen kann. Auch die Gelenkfunktion – Beweglichkeit und Belastbarkeit der Gelenke – verbesserte sich durch diese Ernährungsumstellung massiv. Nach Beendigung der Fastenkur bleiben diese Vorteile für Arthrosepatienten über lange Zeit erhalten.

Vitamine und Arthrose

Die Wirkung von Vitaminen bei Arthrose ist meistens verbunden mit ihrer antioxidativen und damit entzündungshemmenden Wirkung. Echte prospektive Studien, die die optimale Dosis und Einnahmeregelungen ermitteln, sind leider noch nicht durchgeführt worden.

  • Vitamin C: Die antioxidative Wirkung ist in moderaten Mengen auch knorpelschützend.
  • β-Carotin: Wirkt antioxidativ und knorpelschützend.
  • Vitamin E: Wirkt antioxidativ und knorpelschützend.
  • Vitamin D: Reguliert den Knochenaufbau; niedrige Vitamin-D-Mengen im Körper sind mit einem erhöhten Arthroserisiko verbunden.

Wie wir oben beim Thema →Ernährung als Risikofaktor für Arthrose ausgeführt haben, ist Übergewicht nicht nur ein mechanisches Problem für die Gelenksfunktion. In Gegenwart von Fettgewebe, vor allem Bauchfett, bilden sich vermehrt knorpelschädliche Adipokine: Diese entzündungsfördernden Botenstoffe, die von hormonell aktivem Fettgewebe gebildet werden, schaffen die Voraussetzung für eine Entgleisung des Knorpelstoffwechsels.

Ein wichtiger Bestandteil der Ernährungsumstellung sollte daher die Senkung des Anteils der gesättigten Fettsäuren (Käse, gehärtete Fette, fleischreiche Nahrung) sein.

Stattdessen sollte man vermehrt fettarme, vitaminreiche und calciumhaltige Lebensmittel (magere Milchprodukte, Olivenöl, Meeresfisch) konsumieren.

Die Inhaltsstoffe von Knoblauch, Lauch und Zwiebeln haben eine bei der Hüftarthrose nachgewiesene knorpelschützende Wirkung. Ebenso hilfreich war in Studien ein allgemein hoher Anteil an Gemüse und Früchten an der Ernährung.
Weiterlesen zu →Arthrose und Ernährung.

Sind Glucosamin und Chondroitinsulfat knorpelaufbauende Nahrungsergänzungsmittel?

Unter den Nahrungsergänzungsmitteln haben vor allem Glucosamin und Chondroitinsulfat den Ruf, eine knorpelschützende Wirkung bei Arthrose zu entfalten. Glucosamin ist eine Vorstufe des Chondroitin.

Die vermutete medizinische Wirksamkeit des Chondroitin bei Arthrose mag daran liegen, dass diese Substanz wesentlicher Bestandteil des Bindegewebes der Knorpelzellen ist.

Tatsächlich findet sich im Knorpelgewebe bei Arthrose ein geringerer Anteil von Chondroitinsulfat als im gesunden Knorpel. Da liegt die These nahe, dass Zufuhr von Chondroitin bzw. der Vorstufe Glucosamin über die Nahrung tatsächlich auch die Verfügbarkeit dieser Stoffe im Knorpelgewebe erhöht.

Es gibt für die orale Einnahme dieser Substanzen als Kapseln oder Dragees allerdings keine wissenschaftliche Studie, die eine knorpelschützende Wirkung nachweist.

Auch ist es nicht nachgewiesen, in welchem Maße Chondroitin aus dem Verdauungstrakt tatsächlich in den Körper gelangt.

Untersuchungen an Zellkulturen im Labor zeigen, dass Knorpelzellen bei der Produktion von Bindegewebe zu 99 % auf selbst produzierte Glucose als Vorstufe zurückgreifen. Die Verwendung von über die Nahrung zugeführtem Chondroitin durch die Knorpelzellen konnte nicht nachgewiesen werden. Ein möglicher Wirkmechanismus der Glucosamingabe auf die Chondroitinsynthese über die Nahrungsaufnahme scheint damit ausgeschlossen.

Eine Verbesserung der Arthrosesymptome wurde unter Glucosamineinnahme nicht gezeigt. Auch eine radiologisch (durch Röntgenaufnahmen) belegbare Verbesserung der Knorpelsituation im Gelenk konnte nicht bewiesen werden oder bleibt unterhalb der Messbarkeit. Wenn überhaupt, wirkt Glucosamin verlangsamend auf den Knorpelabbau.

Chondroitin wird aus den Schalen von Krustentieren oder aus Knorpelfischen (Haifischen) gewonnen. Es hat keine Nebenwirkungen. Es könnte sein, dass Chondroitin eine leicht schmerzreduzierende Wirkung bei leichter Arthrose hat.

Die Aufnahme aus der Nahrung ist für Chondroitinsulfat aber noch schlechter belegt als für die Vorstufe Glucosamin.

Die Wirkung bleibt aus unserer Sicht im Bereich von individuellen Einzelfällen. Es kann sich lohnen, ein Chondroitinpräparat auszuprobieren. Die schmerzreduzierende Wirkung sollte nach etwa 8 Wochen einsetzen. Die gesetzlichen Kassen bezahlen eine Kur mit diesen Präparaten allerdings nicht.

Kann eine Hyaluronsäure-Injektion die Beweglichkeit des Gelenks erhalten?

Fakten zur Hyaluronsäure:

  • Hyaluronsäure ist ein von der Gelenkschleimhaut gebildeter Inhaltsstoff der Synovialflüssigkeit (Gelenkschmiere).
  • Eine verstärkte Knorpelbildung durch Hyaluronsäure ist nicht nachgewiesen.
  • Hyaluronsäure wird in das Gelenk injiziert (gespritzt).
  • Hyaluronsäure kann schmerzstillend wirken.
  • Die Anwendung wird von den gesetzlichen Kassen nicht bezahlt.

Hyaluronsäure ist ein Protein, das in der Gelenkflüssigkeit zu finden ist. Es wird vom Bindegewebe des Knorpels aufgenommen und zählt zu seinen Bestandteilen.

Meistens wird Hyaluronsäure aus Krustentieren (Krebsen) hergestellt. Eine Injektion bringt die Hyaluronsäure in das von Arthrose befallene Gelenk ein. Diese Hyaluronsäuretherapie wird von den gesetzlichen Kassen nicht bezahlt, weil noch immer der medizinische Wirkungsnachweis auf die Arthrose aussteht. Es ist aber sicher, dass Hyaluronsäure in früheren Stadien der Arthrose den Gelenkschmerz lindern kann.

Die Anwendung der Hyaluronsäure erfolgt kurweise in Sequenzen von 4–5 Injektionen, meist einmal pro Woche. Diese Hyaluronsäure-Kuren kann man beliebig oft wiederholen. Es gibt keine Nebenwirkungen. Da Hyaluronsäure im Körper abgebaut wird, ist eine Behandlung nicht beliebig lange wirksam.

Die schmerzstillende Wirkung tritt erst nach ca. 12 Wochen ein und kann, je nach Zustand des Gelenks und seiner Knorpelschicht, Monate bis Jahre anhalten. Die privaten Kassen unterstützen diese Therapie. Als Selbstzahlerleistung kostet eine Hyaluronsäurebehandlung ca. 350 EUR.

Im Einzelfall haben wir beobachtet, dass sich die Schmerzsituation mit Arthrose verbessert. Dennoch halten wir die Hyaluronsäureinjektion für eine vorwiegend symptomatische, also schmerzlindernde Behandlung. Sie ist wesentlich besser verträglich als nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), aber auch wesentlich kostspieliger. Im Gegensatz zu anderen symptomatischen Arthrosetherapien sind Nahrungsergänzungsstoffe wie Hyaluronsäure nebenwirkungsfrei und beeinträchtigen den Patienten auch bei Dauertherapie nicht. Eine kausale Arthrosetherapie ist die Hyaluronsäureinjektion aber nicht. Als kausale Therapie steht nur die Knorpelersatztherapie in Verbindung mit der Behandlung der tatsächlichen Ursache der Arthrose – meist einer mechanischen Instabilität oder Überlastung des Gelenks – durch den spezialisierten Orthopäden zur Verfügung
(→Literatur zur Hyaluronsäurebehandlung der Arthrose).

Pflanzenmittel und Naturheilkunde gegen Arthroseschmerzen

Pflanzliche Mittel bei Arthrose

Pflanzenstoffe haben teilweise einen verzögerten Wirkeintritt im Vergleich zu synthetischen Antirheumatika. Eine kurmäßige Anwendung über mehrere Wochen ist daher immer empfehlenswert, um eine Wirkung zu erzielen.

  • Ingwer und Ingwer-Präparate
  • Extrakt aus der Wurzel der Teufelskralle
  • Extrakt aus der Weidenrinde
  • Brennnesselblätter als Tee zubereitet
  • Avocado-Soja-Extrakt
  • Arnika-Gel

In unserer Praxis spielen pflanzliche Präparate wegen Ihrer ausgezeichneten Verträglichkeit eine Rolle bei der Behandlung der leichten Arthrose. Vor allem für Präparate aus der Wurzel der Teufelskralle liegen sehr zuverlässige Wirksamkeitsstudien vor.

Kurmäßig angewendet wirkt der Extrakt der Teufelskralle langanhaltend gegen Arthroseschmerzen. Diese Wirkung hält auch nach Beendigung der Einnahme an.

Wir empfehlen daher auch bei stärkeren Arthroseschmerzen pflanzliche Präparate.

Brennnesselextrakt bei Kniearthrose Brennnesselextrakt bei Kniearthrose

Sie helfen, die notwendige Dosis an den für viele nicht so gut verträglichen Schmerzmedikamenten aus der Gruppe der NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika) zu reduzieren. Das Potential gravierender Nebenwirkungen der NSAR wird durch die Ergänzung durch Pflanzenmittel reduziert.

Wegen der vielen Inhaltsstoffe ist die Wirkung von Pflanzenmitteln bei Arthrose nicht so gut erforscht. Bei der Daueranwendung sind Nebenwirkungen nicht auszuschließen. So hilft die Heilpflanze Arnika (Arnica montana) bei Rücken- und Gelenkschmerzen. Bei längerer Einnahme kann es allerdings zu Ekzemen und allergischen Reaktionen kommen. Daher wird bei Heilpflanzen gegen Arthrose in der Regel nur eine kurmäßige Anwendung empfohlen.

Alternative Arthrosetherapien: Akupunktur und Yoga

Für chinesische Akupunktur konnte in zuverlässigen Studien eine deutliche Schmerzlinderung speziell bei Kniearthrose gezeigt werden. Mit Akupunktur kann man vielen Patienten mit Kniearthrose eine höhere Dosis antirheumatischer Schmerzmittel ersparen. In der orthopädischen Gelenk-Klinik gehört Akupunktur daher zur Routinebehandlung bei Arthrose am Knie. Alle Ärzte der Gelenk-Klinik sind in Akupunktur ausgebildet.

Yoga ist eine ursprünglich aus Indien stammende Gymnastik mit besonderem Fokus auf die Einnahme bestimmter Positionen bei gleichzeitiger Achtsamkeit auf Atmung und Selbstwahrnehmung.

In diversen Studien verbesserte ein 8-wöchiges Yogaprogramm die Funktion der Gelenke. Gleichzeitig wirkte Yoga schmerzreduzierend und verbesserte die Arthrose-Symptome. Sicher gilt: Je früher die Gelenke durch Yoga stabilisiert und die Bewegungsabläufe verbessert werden, umso wirksamer ist diese Form der Arthroseprävention.

Die Bewegungsmuster und Bewegungsökonomie verbesserten sich durch ein mehrwöchiges Yogaprogramm deutlich. Das wurde durch eine podometrische Reihenuntersuchung (Fußabdruckmessung beim Gehen) belegt. Die Patienten aus der Yogagruppe waren insgesamt leistungsfähiger und konnten sich schneller und ausdauernder bewegen. (Studie)

Medikamentöse Arthrosetherapien zur Schmerz- und Entzündungshemmung

In Stufe 2 der Therapiepyramide empfehlen wir Maßnahmen, Hilfsmittel und Geräte zum Schutz der Gelenke, einfache schmerzstillende Medikamente und Therapiezyklen mit Antirheumatika. Weitere mögliche Maßnahmen bieten die Iontophorese (Einbringen von Arzneistoffen über die Haut mittels elektrischem Strom) und die Zell-Matrix-Therapie.

Schmerztherapie mit Medikamenten ist erst dann angebracht, wenn die anderen Maßnahmen aus Stufe 1 nicht erfolgreich waren.

Bei stärkeren Arthroseschmerzen ist für viele Patienten eine Behandlung mit Schmerzmitteln und Entzündungshemmern aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) erforderlich. Diese NSAR (Ibuprofen, Diclofenac u.a.) sind nicht sehr magenfreundlich. Daher wird die Therapie mit NSAR vor allem in der Langzeitanwendung meist mit einem pharmazeutischen Magenschutzmittel (z. B. Omeprazol) kombiniert.

Für die gewünschte Wirkung müssen die Tabletten regelmäßig und nach der Verordnung des Arztes genommen werden – nicht erst wenn die Gelenkschmerzen wieder auftreten.

Eine wesentliche Wirkung der NSAR neben der akuten Schmerztherapie ist auch die Entzündungshemmung im Gelenk. Durch die Entzündungshemmung treten Schmerzen seltener oder gar nicht mehr auf. In der unregelmäßigen Einnahme liegt aber ein Problem der medikamentösen Therapie von Arthroseschmerzen: Viele Patienten nehmen die NSAR erst bei erneutem Beginn der Schmerzen. Durch unregelmäßige Einnahme umgehen Patienten die entzündungshemmende Wirkung und damit langfristig auch die gelenkschützende Wirkung dieser Medikamente.

Cox-2-Hemmer ("Coxibe") als moderne Alternative zu NSAR

Es gibt inzwischen auch magenfreundlichere Alternativen zu den NSAR, die sogenannten Coxibe. Die Blutungsneigung bei den "Coxiben" oder COX-2-Hemmern ist wesentlich geringer und eine Kombination mit dem Magenschutz Omeprazol ist nicht erforderlich. Die Cox-2-Hemmer sind daher magenfreundliche Alternativen zum herkömmlichen NSAR, die wir bei magenempfindlichen Patienten und bei Patienten über 65 Jahren grundsätzlich verordnen.

Nach der Lebensstilanpassung als erster Stufe der Arthrosetherapie und der Schmerztherapie als zweiter Stufe bezeichnet die dritte Stufe vor allem gelenkerhaltende operative Verfahren. Das sind operative Maßnahmen, die grundsätzlich auf die Beseitigung der zugrunde liegenden Ursachen für die Arthrose abzielen.

Bei der sogenannten sekundären Arthrose lösen meist konkrete mechanische Störungen den Gelenkverschleiß aus. Das kann eine Bandinstabilität sein, die zur einer arthrosefördernden Überbeweglichkeit im Gelenk führt.

Häufig führen auch Fehlstellungen (X-Bein, O-Bein) zu lokalen Überlastungen im Gelenkknorpel. Eine operative Knochenumstellung (Osteotomie) kann das Gelenk begradigen und diese Ursache beseitigen.

Eine Knorpelersatztherapie macht nur in Verbindung mit der Beseitigung dieser Störungen im Gelenk wirklich Sinn.

In diesen arthroseverhindernden Maßnahmen sehen wir zugleich die größte Erfolgsgeschichte der modernen Arthrosetherapie. Rechtzeitig angewendet lässt sich durch zeitnahe Sanierung nach dem ersten Auftreten chronischer Gelenkbeschwerden in vielen Fällen Arthrose stark verlangsamen oder ganz stoppen.

Diese differenzierte, gelenkerhaltende und damit auch kausale Arthrosetherapie beschreibt das therapeutische Selbstverständnis der orthopädischen Gelenk-Klinik.

  1. gelenkerhaltende Arthroskopie
  2. gelenkerhaltende Knochenumstellung
  3. Übersicht: Operationen mit dem Ziel der gelenkerhaltenden Arthrosetherapie
  4. Knorpeltransplantation

Gelenkerhaltende operative Therapie bei Arthrose

Operationen gegen Arthrose

  • Knorpelzelltransplantation (ACT)
  • arthroskopische Operation
  • Oberflächenersatz (Hüfte, Schulter, Knie)
  • Teilprothese (Knie)
  • Totalendoprothese (Knie-Prothese, Hüft-Prothese, Schulterprothese, Sprunggelenkprothese)

Die Stufe 3 der Arthrosetherapie umfasst gelenkerhaltende und knochenerhaltende Therapieformen bei Arthrose. Diese operativen Maßnahmen zielen grundsätzlich auf die Beseitigung der zugrunde liegenden Ursachen ab. Rechtzeitig angewendet lässt sich durch zeitnahe Sanierung nach dem ersten Auftreten chronischer Gelenkbeschwerden in vielen Fällen Arthrose stark verlangsamen oder ganz stoppen.

Die gelenkerhaltende operative Therapie bei Arthrose führt stets ein spezialisierter Orthopäden durch, der die Eingriffe und die Biomechanik des betroffenen Gelenks aus vertiefter Erfahrung kennt. Diese Maßnahmen werden angewendet mit dem Anspruch, eine kausale Therapie der Arthrose durchzuführen.

Die zugrunde liegenden Ursachen des Gelenkverschleißes sind häufig mechanische Probleme des Gelenks aus folgenden Bereichen:

  • Fehlstellungen des Gelenks (X-Bein, O-Bein, Hüftimpingement)
  • freie Gelenkkörper (Knorpel- oder Knochentrümmer nach Unfall oder Fraktur)
  • Weichteilverletzungen (Meniskusriss am Knie, Labrumriss an der Hüfte oder Schulter
  • Probleme der Gelenkführung, etwa durch Kreuzbandriss oder Außenbandinstabilität
  • Knorpelaufrauhungen
  • sog. fokale Knorpelverletzungen, das heißt Knorpelverletzungen an einem bestimmten Ort
  • Unebenheit der Gelenkflächen, etwa nach einem gelenknahen Knochenbruch (Talusfraktur im Sprunggelenk, Tibiakopffraktur im Kniegelenk, Humeruskopffraktur im Schultergelenk)

Arthroskopie als gelenkerhaltender Eingriff zur Behandlung von Arthrose

Arthroskopie zur vorbeugenden Behandlung von Arthrose Bei der Arthroskopie werden lediglich dünne Schläuche in das Gelenk eingeführt. Der Arzt operiert unter direkter Aufsicht auf die erkrankten Gelenkstrukturen. © Istockphoto

Die minimalinvasive arthroskopische Operation bildet meistens die Grundlage der gelenkerhaltenden Eingriffe. Bei der Arthroskopie setzt der Operateur lediglich kleine Schnitte in der Größe von 1–2 cm. Durch diese "Zugänge" führt er kleinste Instrumente und eine Kamera über bewegliche Schläuche in das Gelenk ein.

Arthroskopie ist nicht gleich Gelenkspülung

Es gibt einige Studien (siehe die IQWiG-Studie), die belegen wollen, dass eine Arthroskopie nicht zum Gelenkerhalt beiträgt. Das wurde auch stark verkürzt in die Publikumspresse gebracht. Diese Studien wurden aber lediglich mit einer arthroskopischen Gelenkspülung mit Kochsalzlösung durchgeführt. Die tatsächlich für die sekundäre Arthrose wichtigen Umstände (wie Weichteilrisse, Sehnenrisse, Entfernung entzündeter Gelenkschleimhaut – Synovialitis – oder Instabilitäten), die vom Gelenkspezialisten arthroskopisch behandelt werden, wurden nicht in die Studien einbezogen. Eine reine Gelenkspülung (Joint Lavage) hingegen wird in der Praxis so gut wie gar nicht durchgeführt.

Der Operateur kann den Operationsort im arthrotischen Gelenk über leistungsfähige Minikameras, die durch Schläuche eingeführt werden, direkt einsehen. Die Bilder werden auf Monitoren dargestellt. So kann er den Zustand von Knochen, Knorpel und Sehnen beurteilen.

Instrumente wie Tasthaken helfen bei der Beurteilung der vorliegenden Strukturen, der Knorpelfestigkeit oder der Intaktheit von Sehnen und Weichteilen. Zugleich wird permanent physiologische Kochsalzlösung durch das Gelenk gepumpt, um Schwebeteilchen, die die Sicht des Operateurs behindern, abzutransportieren.

Zur gezielten Behebung der mechanischen Arthroseursachen werden folgende Behandlungen durchgeführt:

Knorpelaufrauhungen werden geglättet (Cartilage Shaving).

Achsenfehlstellungen werden durch Knochenumstellungen korrigiert (Osteotomie).

Fehlender Knorpel wird durch Transplantation ersetzt.

Vollständig zerstörte Gelenkflächen können durch Inlays oder Teilprothesen ersetzt werden.

Die arthroskopische Operation ist ein sehr sicheres und komplikationsarmes Verfahren. Die Heilung erfolgt innerhalb weniger Tage, weil nur kleine Schnitte notwendig sind.

Weichteilverletzungen in der Nähe des Gelenks und die Narbenbildung sind bei der Arthroskopie minimal, weil kein offener Zugang zum Operationsgebiet erforderlich ist. So können die meisten arthroskopischen Operationen ambulant oder mit nur 2 Nächten stationär zur Überwachung durchgeführt werden.

Dennoch gilt: Auch eine Arthroskopie ist ein operativer Eingriff, der mit einer klaren Indikation (Operationsvoraussetzung) durchgeführt wird, wenn alle konservativen Therapiemaßnahmen nicht mehr ausreichend sind. Weniger ist oft mehr und je früher die zugrunde liegende Ursache beseitigt wird, umso geringer ist der Schaden und umso kleiner der Eingriff.

Osteotomie: Knochenumstellung

Behandelbare Fehlstellungen:

  • X-Bein (Genu valgum)
  • O-Bein (Genu varum)
  • Varusfehlstellung des Sprunggelenks
  • Valgusfehlstellung des Sprunggelenks
  • Fehlstellung des Sprungbeins (Talus)
  • Fehlstellung der Sprunggelenksgabel

Bei der Osteotomie (Knochenumstellung) wird die Integrität des Gelenks nicht beeinträchtigt. Eine Knochenumstellung in der Umgebung des Gelenks soll die Gelenkbelastung verändern. Ziel der Belastungsänderung ist es, die Gelenkanteile mit viel intaktem Gelenkknorpel in die Statik des Gelenks einzubinden. Das kann die biologische Funktion des Gelenks wieder herstellen. Durch die Beseitigung einer Überlast in manchen Gelenkbereichen verbessert sich nach einer Osteotomie auch wieder die Blutversorgung im subchondralen (unter dem Knorpel liegenden) Knochen. So kann eine Umstellung einer Knochendegeneration oder Knochennekrose vorbeugen. Vor allem jüngere Patienten sind Kandidaten für eine gelenkerhaltende Umstellungsoperation.

Fallbeispiel Osteotomie:

Ein 46-jähriger sportlicher Patient hat seit Monaten starke Knieschmerzen an der Innenseite des rechten Knies. Die Untersuchung zeigt eine Knorpeldegeneration in Verbindung mit einer O-Beinstellung (Genu varum), die zu viel Last auf das rechte Innenknie brachte. Nach einer ersten arthroskopischen Operation mit Knorpelentnahme wurden die Knorpelzellen sieben Wochen im Labor gezüchtet. In einer zweiten Operation wurde ein Knorpeltransplantat im Innenknie eingebracht. Zugleich entlastete eine Umstellung (Osteotomie nach Pudu) das Innenknie und brachte durch eine Korrektur um etwa 7° mehr Last auf den intakten Knorpel des Außenknies. nach der Rehabilitation war der Mann beschwerdefrei und konnte sein Lauftraining wieder fortsetzen.

Weil häufig eine mechanische Fehlbelastung oder eine Fehlstellung Auslöser der Arthrose ist, ändert eine Veränderung der Belastungslinie die Perspektive des Gelenks nachhaltig. Vor allem bei den gewichttragenden Gelenken der unteren Extremitäten (Hüfte, Knie, Sprunggelenk) haben sich Osteotomien als Mittel der Arthroseprävention bewährt. Bei richtiger Diagnosestellung hat eine Osteotomie das Potential, die Beweglichkeit zu erhöhen, Schmerzen zu reduzieren und die Arthrose abzubremsen oder ganz zu stoppen.

Die Osteotomie des Knie- oder Sprunggelenks wird in der orthopädischen Gelenk-Klinik vor allem auch in Verbindung mit der Knorpeltherapie (Knorpeltransplantation) eingesetzt. Die operative Knochenumstellung kann Last vom Knorpeltransplantat nehmen und das Einwachsen fördern.

Knorpeltransplantation mithilfe einer arthroskopischen Operation

Autologe Knorpeltransplantation bei ArthroseDie Knorpeltransplantation mit autologen (körpereigenen Knorpelzellen) ist eines der erfolgreichsten Verfahren der operativen Knorpeltherapie. Gesunde Knorpelzellen werden dem Patienten entnommen und außerhalb des Körpers im Labor vermehrt. In einem zweiten Schritt werden die Knorpelzellen in das betroffene Gelenk eingepflanzt. Das Verfahren kommt bei akuten Knorpelschäden und beginnender Arthrose zum Einsatz. © dissoid, Fotolia

Die autologe Knorpeltransplantation (ACT) ist in der orthopädischen Gelenk-Klinik Gundelfingen eines der wichtigsten gelenkerhaltenden Verfahren bei Knorpelschäden oder beginnender Arthrose.

  1. operative Therapie
  2. gelenkerhaltende Arthroskopie
  3. gelenkerhaltende Knochenumstellung
  4. Knorpeltransplantation

Für die autologe Knorpeltransplantation entnimmt der Operateur eine kleine Menge körpereigener Knorpel des Patienten arthroskopisch.

Knorpel ist ein Gewebe mit hohem Eiweißanteil. Er dient zwischen den Knochen der Gelenke als "Stoßdämpfer", Kraftvermittler und Gleitschicht. Die Knorpelzellen bestehen von Geburt an und zeigen nach Wachstumsabschluss keine Teilungsfähigkeit, solange sie in der sie umgebenden Schicht von Proteoglykanen (zuckerhaltige Eiweißmoleküle des Bindegewebes) eingebettet sind.

Eine Arthrose ist mit einer zunehmenden Schädigung des Knorpels oder einem Verlust der Knorpelmasse in einem oder mehreren Gelenken verbunden.

Nur unter Laborbedingungen kann diese wachstumsregulierende Umgebung der Knorpelzellen enzymatisch hergestellt werden. Erst dann nehmen Knorpelzellen wieder erneut die Vermehrung (im Sinne der Zellteilung) auf. Dies ist der Grund, warum eine Knorpeltransplantation nur mithilfe von unter Laborbedingungen gezüchteten Zellen möglich ist.

Die Knorpelzellen teilen sich unter Zugabe von Nährstoffen in einem Serum, das aus einer Blutprobe des Patienten gewonnen wird. Die so innerhalb von 6–8 Wochen entstehende Masse kann dann in einem weiteren arthroskopischen Eingriff wieder in das geschädigte Gelenk des Patienten eingebracht werden. Dort differenziert sich der körpereigene Knorpelersatz innerhalb weniger Monate zu funktionierenden Knorpelzellen, die das Gelenk bedecken und die Gleitfähigkeit erhöhen.

→Weiterlesen zu Knorpeltransplantation und Knorpelregeneration.

Arthrose und Endoprothesen – wann ist der richtige Zeitpunkt für die Prothese?

Hemiprothese oder Teilprothese als SchulterprotheseLediglich die Gelenkfläche des Oberarmkopfes ist nach Verschleiß zu ersetzen. Die Hemiprothese der Schulter (Oberflächenersatzprothese) bedeckt die Oberfläche des Humerus (Oberarmknochen). Sie wird nicht – wie andere Prothesenarten – mit einem Schaft im Markraum des Oberarmknochens verankert. © Depuy-Synthes

In einigen Fällen kommt die gelenkerhaltende Behandlung zu spät. Wenn die Arthrose die unter dem Knorpel liegenden Knochen schon stark beeinträchtigt hat und Knochensporne sowie Knochenzysten die Gelenkoberflächen stark beeinträchtigen, ist es für eine konservative Therapie oder eine gelenkerhaltende operative Therapie zu spät.

Dann kann nur noch ein künstliches Gelenk (Endoprothese) die Beweglichkeit des Gelenks erhalten.

Auch bei der Implantation einer Prothese steht bei uns der Gedanke des Gelenkerhaltes im Vordergrund. In vielen Fällen können Teilprothesen, etwa Repicciprothesen im Kniegelenk, den Bereich mit fortgeschrittener Arthrose sanieren und den noch intakten Rest des Gelenks weitestgehend erhalten.

Bei Schulterarthrose und Hüftarthrose stehen bei uns Oberflächenersatzprothesen im Vordergrund. Diese Prothesen sind vor allem knochensparend. Anders als bei den klassischen Totalendoprothesen mit dem im Knochenmark verankerten Schaft bleibt die natürliche Knochensubstanz weitestgehend erhalten.

Erst bei vollständigem Verschleiß der Gelenke erwägen wir Totalendoprothesen. Allein in Deutschland werden gegenwärtig jährlich etwa 200.000 Hüft- und etwa 150.000 Knieendoprothesen eingesetzt.

  1. gelenkerhaltende Teilprothesen bzw. Oberflächenersatzprothesen
  2. Totalendoprothesen

Wann muss bei Arthrose die Gelenkoberfläche ersetzt werden?

Eine Prothese ist sinnvoll, wenn:

  • der Patient starke Schmerzen hat.
  • die Mobilität im sozialen Umfeld (zu Hause oder in der Gemeinde) durch eine Prothese wiederhergestellt werden kann.
  • die Arbeitsfähigkeit im beruflichem Umfeld erhalten bleiben kann.
  • gelenkerhaltende Therapien nicht mehr greifen.

Nehmen die Beschwerden weiter zu oder sind für eine konservative Therapie oder eine gelenkerhaltende operative Therapie zu fortgeschritten, hilft auch meist keine Knorpeltransplantation mehr. Eine ausgeprägte Arthrose ist sogar eine Kontraindikation für eine Knorpeltransplantation.

Teilprothesen: Oberflächenersatz und knochensparende Teilprothesen für jüngere Patienten

Neben der weit verbreiteten Vollprothese haben sich in den letzten Jahren eine Reihe knochensparender Verfahren in der Endoprothetik etabliert. Wenn eine Schulterprothese, oder eine Hüftprothese implantiert wird, muss eine Totalendoprothese meist im Markraum des Röhrenknochens (Humerus bei Schulter- und Femur bei Hüftprothesen) verankert werden.

Um diese sichere Verankerung zu erreichen, werden Oberarmkopf und Oberschenkelhalskopf abgetrennt und der Markraum ausgehöhlt. Das sorgt für einen sehr guten Sitz der Prothese. Aber gerade bei jüngeren Patienten unter 65 Jahren ist ein Prothesenwechsel nicht ausgeschlossen. In diesem Fall ist schon ein großer Teil der erforderlichen Knochensubstanz für eine erneute Stabilisierung einer Vollprothese verbraucht.

Gerade bei jüngeren Patienten mit Arthrose setzen wir regelmäßig Teilprothesen oder Oberflächenersatzprothesen ein.

Durch den höheren Aktivitätsgrad und teilweise auch durch höheres Körpergewicht sind Verschleiß und dadurch ein frühes Versagen der Prothese die häufigsten Komplikationen bei Prothesenoperationen junger Patienten. Wird dann eine Prothesenrevision erforderlich, muss der Operateur für das Implantat wieder auf die vorhandene Knochensubstanz zugreifen.

Teilprothesen sind von Vorteil, weil sie im Gegensatz zu den Vollprothesen durchweg knochensparend implantiert werden können. Mit Haltbarkeitsraten von 98 % nach 10 Jahren und einer sehr hohen Patientenzufriedenheit gelten sie daher als wichtige Alternative in der Versorgung von Arthrose. In der orthopädischen Gelenk-Klinik sind daher beinahe 60 % der Prothesenversorgungen Teilprothesen.

Die Erfahrungen der letzten Jahre geben weiter Hoffnung auf eine optimierte Behandlung dieser Erkrankung.

Totalendoprothesen: Gelenkersatz bei fortgeschrittener Arthrose

Das künstliche Gelenk soll die normale Form der natürlichen Gelenke mit Kopf und Pfanne nachempfinden und deren Funktion wiederherstellen:

Totalendoprothesen kommen seit Jahrzehnten bei allen Gelenken zum Einsatz. Sie stellen nicht nur die Gelenkfunktion wieder her. Prothesen sind immer dann indiziert, wenn die Patienten ohne prothetische Versorgung ein starke Bewegungseinschränkung erleiden würden. Alle anderen konservativen und operativen gelenkerhaltenden Behandlungsmöglichkeiten müssen ausgeschöpft sein, bevor eine Prothese in Betracht gezogen wird. Prothesen ermöglichen dem betroffenen Patienten auch nach vollständiger Zerstörung des Gelenks durch die Arthrose eine mobile Lebensweise. Das ist besonders wichtig zum Erhalt der Selbstständigkeit in der eigenen Lebensumgebung.

Es ist gesundheitsfördernd und unterstützt einen aktiven Lebensstil, mit dem Gelenkersatz wieder schmerzfrei Wandern, Schwimmen und moderat Sport treiben zu können. Damit leisten Vollprothesen einen unersetzlichen Beitrag zur Lebensqualität bei Patienten mit schwerer Arthrose.

Dieses Video zeigt schematisch das Vorgehen bei der Operation einer Hüfttotalendoprothese im Vergleich zu einer Oberflächenersatzprothese der Hüfte.

Totalendoprothesen halten je nach Lebensumständen 15–25 Jahre.

Erhöhung der Lebensdauer der Prothese durch:

  • höheres Alter des Patienten (geringere Haltbarkeit bei jüngeren Patienten)
  • gute Knochenqualität (hohe Knochendichte)
  • normales Körpergewicht
  • noch relativ gute Gelenkfunktion vor der Operation

Auch künstliche Gelenke unterliegen dem Verschleiß und können aus verschiedenen Gründen versagen. Das wird heutzutage aber nicht vor 15–25 Jahren nach dem Implantat erwartet. Bei der Indikationsstellung der Totalendoprothese achtet der Spezialist daher darauf, dass die Lebensdauer der Prothese möglichst nicht unter der zu erwartenden Lebensdauer des Patienten liegt. Er will den Patienten dadurch mögliche Prothesenwechseloperationen ersparen. Diese Revisionsoperationen sind unter den Bedingungen der vorangegangenen Operation nur erschwert durchführbar. Beim Einbau der Totalendoprothese wurde in der Regel bereits eigene Knochensubstanz geopfert.

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