Orthopädische Gelenk-Klinik

MVZ Gelenk-Klinik
EndoProthetikZentrum
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Gelenkerhaltende Operation von Fuß und Sprunggelenk

Fersensporn, Fersenschmerz und Entzündung der Plantarsehne (Plantarfasziitis)

  1. Was ist ein Fersensporn?
  2. Schmerzen beim Auftreten: Symptome des Fersensporns
  3. Ursachen und Entstehung des Fersensporns
  4. Untersuchung und Diagnose der Fersenschmerzen
  5. Konservative Behandlung von Fersensporn und Fersenschmerzen
  6. Welche Übungen helfen gegen Fersensporn?
  7. Minimalinvasive Operation des Fersensporns: Radiofrequenztherapie oder Endoskopie?
Frau mit FersenschmerzenSchmerzen in der Fersenregion können ein Hiweis auf einen oderen oder unteren Fersensporn sein. © bee32, iStock

Der Fersensporn ist eine der langwierigsten und am schwierigsten zu behandelnden Fußerkrankungen. Das liegt daran, dass ganz unterschiedliche Prozesse an Sehnen, Knochen und Nerven unter dem Begriff Fersensporn zusammengefasst werden.

Nur die detaillierte Diagnose des Fersensporns kann einen wirksamen Therapieansatz begründen. Wenn der im Einzelfall schmerzauslösende Krankheitsprozess genau identifiziert ist, können wir dem Patienten mit seinem oft über Monate andauernden Fersenschmerz konkret helfen.

Was ist ein Fersensporn?

Der Fersensporn hat seinen Namen von einem im Röntgenbild häufig gut darstellbaren knöchernen Anbau am Sehnenansatz. Wenn die an der Fußsohle verlaufende Plantarsehne betroffen ist, spricht man von einem plantaren Fersensporn bzw. unteren Fersensporn. Auch der Ansatz der Achillessehne am Fersenbein kann von dieser Erkrankung betroffen sein. Diese Variante nennt man oberen Fersensporn.

Begriffsklärung: Fersensporn, Fersenschmerz, Haglundferse

  • Fersensporn: im Röntgen sichtbarer Kalksporn am entzündeten Sehnenansatz
  • oberer Fersensporn: Kalksporn am Achillessehnenansatz am Fersenbein
  • unterer Fersensporn: Kalksporn am Plantarsehnenansatz am Fersenbein
  • Plantarsehne:an der Fußsohle verlaufende Sehne, die das Fußlängsgewölbe stabilisiert
  • Plantarsehnenentzündung: Sehnenentzündung, fast immer am fersenseitigen Ansatz der Plantarsehne
  • Fasciitis plantaris: Fachbegriff für die Entzündung der Plantarsehne
  • Haglundferse: Weichteilentzündung aufgrund eines Knochenvorsprungs (Überbein) 2–3 cm oberhalb des beim Fersensporn betroffenen Achillessehnenansatzes
Plantarsehnenentzündung bzw. unterer FersenspornDer untere Fersensporn ist eine Entzündung des fersenseitigen Ansatzes der Plantarsehne. © Dr. Thomas Schneider

Der Kalksporn ist ebenso wie die Fersenschmerzen ein Symptom von einem Krankheitsprozess des Sehnenansatzes am Knochen (Enthese).

In vielen Fällen existiert ein Kalksporn am Sehnenansatz auch ohne begleitende Schmerzsymptomatik. Auf der anderen Seite kann der für den Fersensporn typische, stechende Schmerz aber auch ohne den radiologisch nachweisbaren Kalksporn entstehen.

Warum ist der Sehnenansatz am Fersenbein besonders anfällig?

Der Achillessehnen- und Plantarsehnenansatz am Fersenbein sind besonders empfindlich, weil hier hohe Kräfte wirken: Das gesamte Körpergewicht wird durch Muskelarbeit an diesen Enthesen an der Ferse beschleunigt.

Die Diagnostik des Fersensporns ist also nicht mit dem Nachweis eines Kalksporns ausgeschöpft. Es gibt eine Reihe unterschiedlicher Erkrankungen, die zu Unrecht unter dem Namen Fersensporn zusammengefasst werden. Die erfolgreiche Behandlung des Fersenschmerzes erfordert eine genaue Diagnose. Der Arzt muss die Lage der Entzündung, das Stadium der Erkrankung und weitere anatomische Gegebenheiten detailliert ermitteln, um Fehlbehandlungen zu vermeiden. Nicht jeder Fersenschmerz ist gleich.

 
Fersenschmerz: Ursachen
Plantarer Fersenschmerz und Fersensporn: Anatomie
Krankhafte Veränderung des Sehnenansatzes der Plantarfaszie
Schleimbeutelentzündung am Fersenbein
Knochenödem am Ansatz der Plantarfaszie
Sehnenschaden
Plantarer Fersenschmerz und Fersensporn: Anatomie
Riss der Plantarsehne
Aufbau der Ferse
Bursitis an der Achillessehne
Verkalkung des Achillessehnenansatzes
Sehnenschädigung mit Reizung des Schleimbeutels am Fersenbein
Mikrorisse der Achillessehne
Plantarer Fersenschmerz und Fersensporn: Anatomie
Anatomische Grundlagen der Fersenschmerzen: Das Fersenbein und Teile des Sprungbeins sind abgebildet. Die gelb dargestellte Plantarfaszie, eine Sehnenplatte an der Fußsohle, ist unten am Fersenbein befestigt und dient der Unterstützung des Längsgewölbes. Die Befestigung an den Zehen wird hier nicht dargestellt. © Dr. med. Thomas Schneider

Welche Arten des Fersensporns unterscheidet man?

Neben der Unterscheidung zwischen oberem und unterem Fersensporn gibt es weitere Arten von Fersenschmerzen, die differenziert werden müssen. Zu nennen sind vor allem die Haglundferse und die Achillodynie.

Oberer Fersensporn oder Haglundferse?

Haglundexostose mit Kalksporn am SehnenansatzDas Röntgenbild zeigt eine Haglundferse mit Kalksporn am Sehnenansatz. © Dr. Thomas Schneider

Der obere Fersensporn ist eine Erkrankung des Sehnenansatzes (Sehnenansatz-Tendinose) der Achillessehne am Fersenbein. Er tritt im Vergleich zum plantaren Fersenschmerz (unterer Fersensporn) an der Fußsohle eher selten auf.

Dieser obere Fersensporn ist zu unterscheiden von einem Fersenschmerz, der auch als Haglundexostose oder Haglundferse beschrieben wird. Die Haglundexostose ist ein Überbein – eine angeborene oder auch erworbene Vergrößerung des oberen Fersenbeins. Sie entsteht durch mechanische Belastung, vor allem durch Schuhdruck.

Durch den Knochenvorsprung an der Ferse kommt es zu einer vermehrten Reizung der darüberliegenden Weichteile. Diese betroffenen Weichteile sind die Haut (Hornhaut) oder der Schleimbeutel zwischen Sehne und Knochen (Bursa subachillea). Auch der Schleimbeutel zwischen Sehne und Haut kann sich entzünden (Bursitis subcutanea).

Die von der Haglundferse betroffene Wölbung des Fersenbeins liegt etwas oberhalb des vom oberen Fersensporn betroffenen Sehnenansatzes der Achillessehne.

Oberer Fersensporn oder Achillodynie?

Der obere Fersensporn unterscheidet sich von der Achillessehnenentzündung (Achillodynie) durch die Lage. Die Achillodynie beginnt 3–5 cm oberhalb des Achillessehnenansatzes. Der Fersensporn ist 2–3 cm unterhalb der Bereiche der Achillessehne lokalisiert, die normalerweise von einer Achillodynie betroffen sind.

Diffentialdiagnose des oberen Fersenschmerzes

  • oberer Fersensporn:
    Sehnenansatzerkrankung, evtl. schon mit Kalksporn
  • Knochenödem:
    schmerzhafte Flüssigkeitseinlagerung durch Druck und Überlastung des Fersenknochens
  • Schleimbeutelentzündung (Bursitis) im Fersenbereich:
    schmerzhafte Weichteilreizung durch Schuhdruck aufgrund einer Haglundexostose
  • Kalkdepots in der Achillessehne:
    Einlagerung von Kalk durch mechanische sekundäre Reizungen der Achillessehne
  • Haglundferse:
    prominentes Fersenbein, das nach hinten übersteht (angeboren, erworben oder durch Fußfehlstellungen, z. B. Hohlfuß, verursacht)

Die Haglundexostose ist zu unterscheiden von einem Sporn am Ansatz der Achillessehne. Der Sporn liegt deutlich weiter unten als die Exostose und hat auch eine ganz andere Krankheitsursache. Während die Haglundferse das Gewebe der Ferse mechanisch überlastet, wird der obere Fersensporn durch zu starken Sehnenzug der Achillessehne verursacht, z. B. aufgrund einer Verkürzung des Wadenmuskels.

Wir unterscheiden also die Haglundexostose vom oberen Fersensporn als Veränderung im Achillessehnenansatz am Knochen. Der obere Fersensporn ist als Sehnenansatzerkrankung (Tendinose) also hinsichtlich der Krankheitsursache tatsächlich mit dem plantaren (unteren) Fersensporn zu vergleichen.

Beim Sporn in der Achillessehne handelt es sich aber eher um eine überlastungsbedingte Reaktion im Sehnenansatz. Diese Erkrankung erfordert ein anderes Herangehen und eine andere Therapie als der typische und viel häufigere untere Fersensporn.

Der untere Fersensporn (Plantarsehnenentzündung)

Der untere Fersensporn kann mit einer Verkürzung der Achillessehne zusammenhängen.Der untere Fersensporn kann mit einer Verkürzung der Achillessehne zusammenhängen. Dadurch verengt sich der Spielraum im Sprunggelenk. Der Zug auf der Plantarsehne beim Abrollvorgang kann die Krankheit dann auslösen. © Gelenk-Klinik

Der untere Fersensporn ist eine Entzündung der an der Fußsohle verlaufenden Sehnenplatte. Er entsteht meist durch wiederholte kleinste Verletzungen am Sehnenansatz des Fersenbeins.

Diese Verletzungen können durch Druck- oder Zugkräfte ausgelöst werden. Ursächlich sind längere Fehlbelastungen, zum Beispiel durch falsches oder hartes Schuhwerk. Auch das Verharren in Zwangshaltungen – wie bei längeren oder regelmäßigen Autofahrten – kann zu diesen kleinen Verletzungen führen.

 

Symptome des Fersensporns

Symptome:

  • Anlaufschmerzen bei Trainingsbeginn
  • Belastungsschmerzen während des Trainings
  • Verstärkung der Schmerzen nach Sportbelastung

Oft werden Fersenschmerzen als messerstichartig beschrieben und lassen lediglich ein humpelndes Gehen in Spitzfußstellung zu. Betroffene setzen häufig nur den vorderen Teil des Fußes auf. Nach einiger Zeit unter Belastung lassen die Schmerzen manchmal nach. Dauert die Belastung länger an, nehmen die Fersenschmerzen wieder zu.

Häufig erlebt der Patient aber auch unterschiedliche Phasen mit mehr oder weniger starken Schmerzen.

Der Fersensporn fühlt sich an,

  • ... als ob Sie in einen Nagel treten.
  • ... als ob Sie über Glasscherben laufen.
  • Morgens sind die Schmerzen am stärksten.

Als schmerzbedingte Schonhaltung gehen Patienten mit Fersenschmerzen oft verstärkt über den Fußaußenrand. Diese Ausweichbewegung kann zu einem seitlichen Schmerz an der Ferse und zu Schmerzen im Unterschenkel führen.

Der Ursprung der Plantarsehne am Fersenbein ist druckschmerzhaft und reagiert sehr empfindlich auf Berührung.

Ursachen und Entstehung des Fersensporns

Vom Fersensporn betroffen sind häufig übergewichtige Menschen. Das erhöhte Körpergewicht verursacht starke Zugkräfte am Ansatz der Plantarsehne.

Auch großgewachsene Menschen leiden häufig an einer Plantarsehnenentzündung oder einem unteren Fersensporn. Denn auch bei überdurchschnittlicher Körperlänge steigen die Belastung der Fußsohle und der Druck auf die Ferse stark an.

Eine weitere wichtige Gruppe von Menschen, die zu Fersensporn neigen, sind sehr aktive Menschen, also beispielsweise Läufer und Sportler.

In der Folge der permanenten Überlastung bilden sich im Bereich des Überganges von Fersenbein zur Plantarfaszie – einem dicken, festen Bindegewebsstrang an der Fußsohle – kleinste Verkalkungen. Diese werden immer größer, da der Körper versucht, den betroffenen Bereich zu verstärken.

Die Verkalkungen am Ansatz der Plantarsehne sind zwar namensgebend für den Fersensporn, allerdings meist nicht die Ursache der mit dem Fersensporn einhergehenden Beschwerden. Der plantare Fersenschmerz – stechende Schmerzen an der Fußsohle – bedarf einer diagnostischen Abklärung, um die verschiedenen Ursachen zu ermitteln. Nerven, Weichteile, Schleimbeutel, Blutgefäße und Knochen müssen genau untersucht werden.

Der Fersensporn als Resultat einer Überlastung des Sehnenansatzes

HaglundferseDie Haglundferse (hier rot markiert) ist eine Erkrankung, die 2–3 cm über dem Achillessehnenansatz liegt. Man darf sie nicht mit der Sehnenansatzerkrankung der Achillessehne am Fersenbein verwechseln. © Dr. Thomas Schneider

Grundlage der Schmerzen, ebenso wie des manchmal radiologisch sichtbaren Kalksporns am Sehnenansatz, ist meist eine entzündliche Grunderkrankung des Plantarsehnen- bzw. Achillessehnenansatzes am Fersenbein.

Diese Ansatzstelle (Enthese), an der die bewegliche und elastische Sehne fest im Knochen verankert ist, hat eine sehr komplexe Funktion. Dort erfolgt die Kraftübertragung vom Muskel auf das Skelettsystem. Die Enthesen sind also maßgeblich für Beweglichkeit und Kraftleistungen verantwortlich. Die krankhafte Veränderung dieser Sehnenansatzstellen ist nicht nur am Fersenbein, sondern auch an vielen anderen Stellen des Körpers für langwierige entzündliche und schmerzhafte Sehnenansatzerkrankungen verantwortlich. Zu diesen typischen Sehnenansatzerkrankungen gehört auch der Tennisarm (Epikondylitis humeri radialis) oder das Läuferknie (patellofemorales Schmerzsyndrom). Diese sogenannten Enthesiopathien, nicht der Kalksporn, stehen im Mittelpunkt der therapeutischen Bemühungen.

Der Hohlfuß (Pes excavatus) begünstigt Fersenschmerzen

Ein Hohlfuß – ein Fuß mit stark erhöhtem Fußlängsgewölbe – geht häufig einher mit einer Varusstellung, also einem nach innen geknickten Fersenbein. Diese Fehlstellung sorgt für eine stark nach hinten gewölbte Ferse, ähnlich einer Haglundferse. Das kann den Fersenschmerz durch den Schuhdruck erhöhen. Die Fehlstellung des Fersenbeins ändert auch den Ansatzwinkel der Achillessehne. Der Sehnenzug der Achillessehne entspricht bei einem Hohlfuß also nicht mehr der Beinachse im Rückfuß. Ein entzündeter und überlasteter Achillessehnenansatz kann resultieren.

Durch den Hohlfuß verkürzt sich der Fuß insgesamt. Das schwächt die Fußheberfunktion und erhöht die Belastung der Plantarsehne. Patienten mit Hohlfuß leiden daher wesentlich häufiger an einem unteren Fersensporn.

Risikofaktoren für einen Fersensporn

  • Knick-Senkfuß
  • Hohlfuß
  • Verkürzung der Achillessehne
  • plötzliche Belastungswechsel (Trainingsbeginn nach Sportpause)
  • fortgeschrittenes Alter
  • Laufsport und körperliche Belastung
  • Muskelschwäche
  • Übergewicht
  • Wechsel des Schuhwerkes von gepolsterten Schuhen auf dünne Sohlen
  • langes Gehen oder Stehen im Alltag
  • verminderte Beweglichkeit des Sprunggelenks (Sprunggelenkimpingement)

Fersensporn ist Symptom, nicht Ursache einer Erkrankung

unterer Fersensporn im RöntgenbildIm Röntgenbild sichtbar ist der Kalksporn am Fersenbein. Der untere Fersensporn entsteht durch Kalkeinlagerungen infolge langwieriger Entzündungen am Ansatz der Plantarsehne. © Gelenk-Klinik

Kalkablagerungen in der Plantarsehne bilden den im Röntgenbild oft deutlich sichtbaren unteren Fersensporn. Dieser kann eine zusätzliche Druckbelastung auf das Bindegewebe verursachen. Durch den anhaltenden Druck der Kalkeinlagerung kommt es in der Umgebung des Fersensporns zu einer verstärkten schmerzhaften Entzündung. Deshalb kann – in wenigen Fällen – die Entfernung des Kalksporns durch eine endoskopische Operation (sog. Debridement) ein Weg sein, diesen zu behandeln.

Doch die Kalkeinlagerung am Sehnenansatz der Plantarfaszie ist nicht der einzige Erkrankungsmechanismus. Oft findet der Arzt in Verbindung mit den Beschwerden ein verringertes Fersenfettpolster.

Die Rolle des Fersenpolsters beim Fersenschmerz

Das Fersenfettpolster ist eine wichtige Fetteinlagerung unter der Haut. Seine biomechanische Funktion ist die Stoßdämpfung der Ferse beim Gehen. Ist das Fersenpolster zurückgebildet, steigt die Belastung auf Nerven, Sehnen und Weichteile am Plantarsehnenansatz der Ferse. Das hat oft schmerzhafte Folgen.

Die Rolle der Biomechanik des Sprunggelenks für den Fersenschmerz

Übung zur Vermeidung von unterem FersenschmerzÜbung: Eine gut gedehnte Achillessehne entlastet die Plantarsehne beim Laufen. © www.fuss-sprunggelenk-akademie.de

Eine verkürzte Achillessehne kann einen unteren Fersensporn verursachen. Wenn die Achillessehne zu wenig gedehnt ist, verlagert sich die Belastung beim Abrollen stärker auf die Plantarsehne an der Fußsohle. Durch Dehnübungen der Achillessehne vermeidet man also eine Überlastung des Plantarsehnenansatzes und beugt dem unteren Fersenporn vor.

Die Biomechanik des Abrollvorgangs beim Gehen oder Laufen hat einen ebenso großen Einfluss auf die Fersengesundheit. Wenn das Sprunggelenk nicht über seinen vollen Bewegungsspielraum verfügt, liegt zu viel Last auf der Plantarsehne. Das kann nach vielen resultierenden Mikroverletzungen zu einem chronischen Belastungssyndrom führen, einer Sehnenansatztendinopathie (Entzündung des Sehnenansatzes) der Plantarsehne. Dieser Erkrankungsprozess kann eine dauerhafte Degeneration der Plantarsehne einleiten, die unbehandelt die Sport- und Arbeitsfähigkeit der Betroffenen beeinträchtigt.

Untersuchung und Diagnose der Fersenschmerzen

Untersuchung durch den FußspezialistenDer Fußspezialist untersucht den Fuß auf Schmerzen und Beweglichkeitseinschränkungen. © Gelenk-Klinik

Vor einer Fersenspornbehandlung müssen andere erworbene oder angeborene Fußerkrankungen ausgeschlossen werden.

Grundlage für die Untersuchung des Fersensporns ist die ausführliche Befragung des Patienten. Berichtet der Patient von Symptomen wie Anlaufschmerzen an der Fußsohle nach der Nachtruhe oder nach längerem Sitzen, sind dies erste Hinweise auf den unteren Fersensporn oder die Plantarfasziitis (Entzündung der Sehnenplatte an der Fußsohle). Die klinische Untersuchung des Fersensporns führt der Orthopäde zunächst als manuelle Untersuchung, also durch Abtasten und Bewegungsproben, durch.

Sehr wichtig ist für den untersuchenden Arzt die Unterscheidung der verschiedenen Ursachen, aus denen der Fersenschmerz entstehen kann:

  • Sehnenansatztendinopathie (Sehnenreizung) der Plantarsehne wegen Überlastung
  • Nervenkompression eines Fußnerven
  • Störung der Funktion des Fettpolsters an der Ferse
  • biomechanische Störung des Abrollvorgangs beim Gehen oder Laufen
Die Dorsalextension – Anziehen der Zehen – kann den plantaren (fußsohlenseitigen) Fersenschmerz auslösen.Das Anziehen der Zehen – die sog. Dorsalextension – erzeugt eine Dehnung der Plantarsehne. Diese Dehnung verstärkt den Fersenschmerz. © www.fuss-sprunggelenk-akademie.de

Nach der klinischen Untersuchung des Fersensporns kommen verschiedene bildgebende Verfahren zum Einsatz. Das Röntgenbild zeigt eine mögliche Fehlstellung oder Fehlbelastung der schmerzenden Ferse. Länge und Form des Fersenbeins sind wichtige Aussagen der Röntgenuntersuchung. Zusätzlich können Röntgenbilder im Stehen durchgeführt werden.

Nachfolgend führt der Arzt eine Ultraschalluntersuchung der Plantarsehne durch.

Das Ultraschallbild zeigt den Zustand der Achillessehne und der benachbarten Schleimbeutel. Auch die Dicke der Plantarfaszie (Sehnenplatte an der Fußsohle) kann man mit Ultraschall messen. Weil die Plantarsehne bei Entzündungen stets verdickt ist, ist diese Messung wichtig für die Diagnosestellung. Außerdem kann per Ultraschall im weiteren Verlauf der Behandlung untersucht werden, ob die Entzündung abklingt.

Für die genaue Darstellung des Stadiums des Fersensporns ist eine MRT-Untersuchung (Magnetresonanztomografie) mit Kontrastmittel hilfreich.

Wichtige Hinweise zur Situation an der Fußsohle gibt die Auswertung des Fußabdruckes durch die podometrische Fußdruckmessung (computergestützte dynamische Pedobarografie). Der Computer ermittelt bei diesem Messverfahren mittels einer sensorischen Platte die Fußdruckverteilung beim Gehen oder Stehen.

An dem per Computer ausgewerteten Fußabdruck erkennt der Orthopäde Auffälligkeiten wie einen schmerzbedingten Schongang, Fehlstellungen und Belastungsumverteilungen. Er kann anhand dieser podometrischen Auswertung die Auswirkungen von Fehlstellungen, Schmerzen, Entzündungen und muskulären Ungleichgewichten ebenso wie Ausweichbewegungen und Schonhaltungen genau beurteilen.

Auch im Falle des unteren Fersensporns sieht der Fußspezialist in der Podometrie typische Schmerz- und Vermeidungsmuster beim Auftreten und Abrollen des Fußes.

FußdruckmessungDie Fußdruckmessung – Podometrie oder computergestützte dynamische Pedobarografie – zeigt ohne Röntgenbelastung die genaue Belastungsverteilung an der Fußsohle. Viele Fehlstellungen und Erkrankungen des Fußes und der Beinachse können mit der Podometrie gezeigt werden. © Elizaveta, Fotolia

Differentialdiagnose des unteren Fersensporns

  • Sehnenansatztendopathie:
    Wiederholte Mikrotraumen (kleinste Verletzungen) am Sehnenansatz führen zu einer degenerativen Veränderung der Plantarsehne (Verschleiß).
  • Entrapment (Nervenengpass):
    Durch Muskelwachstum und Training kann ein Nerv eingeklemmt werden. Folge sind Muskelabbau und Schmerzen im Zielgebiet des Nerven (v. a. Baxter-Nerv).
  • Achillessehnenverkürzung:
    Die Verkürzung der Sehne behindert den vollen Bewegungsspielraum im oberen Sprunggelenk. Die Plantarsehne muss den gestörten Abrollvorgang durch vermehrte Belastung ausgleichen.
  • Rückbildung des Fettpolsters als Stoßdämpfer an der Ferse:
    Vor allem bei älteren Läufern oder bei Sportlern nach einer Kortisonbehandlung kann das Fersenpolster geschwächt sein und seine Funktion als Stoßdämpfer nicht mehr erfüllen.
  • Arthrose des unteren Sprunggelenkes:
    Der Gelenkverschleiß des USG (unteren Sprunggelenks) kann ebenfalls zu Fersenschmerz führen.
  • Nervenkompression an der Wirbelsäule:
    Eine Nervenquetschung, etwa nach einem Bandscheibenvorfall, kann schmerzhaft in die Fersenregion ausstrahlen.
  • Rheumatische Beschwerden oder Gicht:
    Durch eine Blutuntersuchung können bei chronischen Fersenschmerzen Rheuma oder Gicht als entzündliche Auslöser ausgeschlossen werden.

Fersenschmerzen wegen Einklemmung des Baxter-Nervs

Fersenschmerz durch Einklemmung des Baxter-NervsAn der Fußsohle verlaufen mehrere Verzweigungen von Nerven. Gerade bei Sportlern sind das kritische Regionen, die für Fersenschmerzen verantwortlich sein können. © Dr. Thomas Schneider

Es gibt zwei besonders kritische Regionen im Verlauf der Nerven, die die Ferse versorgen. Die obere Stelle liegt zwischen dem Muskel, der die Großzehe abspreizt (M. abductor hallucis brevis) und dem Fußlängsmuskel. Die veränderte Kante des Muskels bzw. eine Enge durch Muskelhypertrophie (Verdickung des Muskels durch Anpassung an Belastung) können für ein Nervenkompressionssyndrom ursächlich sein. Dieses sog. Entrapment-Syndrom ist bei Sportlern eine häufige Ursache für Fersenschmerzen. Die Diagnose wird sehr häufig übersehen.

Sie ist mit viel Erfahrung nur klinisch zu stellen: Eine kernspintomografische Untersuchung (MRT) liefert lediglich Hinweise darauf.

Die Untersuchung der Nervenleitungsgeschwindigkeit bringt selten mehr Sicherheit für die Diagnose.

Konservative Behandlung von Fersensporn und Fersenschmerzen

Konservative Therapiemöglichkeiten:

  • Orthopädietechnik:
    Einlagenversorgung reduziert den Druck auf die entzündeten Bereiche am Sehnenansatz der Plantarsehne oder Achillessehne.
  • Schuhversorgung:
    Orthopädische Schuhe entlasten die Entzündungsstellen und reduzieren die Reizung.
  • Phonophorese:
    Applikation von Medikamenten mithilfe von Schallwellen führt zur Stimulation der Mikrozirkulation in entzündeten Geweben.
  • Iontophorese:
    Schwache elektrische Strömung fördert die Resorption von entzündungshemmenden Mitteln durch die Haut.
  • Lokale Infiltration und Injektion:
    Die Injektion eines Lokalanästhetikums an den Nervenenden lindert die Schmerzen.
  • Kältetherapie:
    Lokale Kältereize lindern Schmerzen und wirken entzündungshemmend.
  • Injektion von Botulinumtoxin in die Fußsohle:
    Botulinumtoxin entspannt die entzündete Plantarfaszie nachhaltig. Die Injektion zur Verringerung des Sehnenzuges erfolgt direkt in den Muskel.
  • Stoßwellentherapie:
    Energiereiche Schallwellen werden direkt an das Gewebe abgegeben. Die Stoßwellen fördern den Gewebestoffwechsel und die Zellregeneration. Kalkeinlagerungen werden besser resorbiert und Entzündungen abgebaut.
  • Matrixtherapie (Zellbiologische Regulationsmedizin):
    Lokale Störungen der Mikrozirkulation und eine Übersäuerung der Zellumgebung führen zu entzündlichen Veränderungen im Gewebe. Die Matrixtherapie wirkt diesen Prozessen entgegen.
  • Ultraschall
  • Dehnung der umgebenden Muskulatur und Sehnen
  • medikamentöse Therapie

Welche Verfahren zur Behandlung eines Fersensporns im jeweiligen Fall geeignet sind, entscheidet der Arzt anhand der individuellen Situation des Patienten.

Die Behandlung beginnt mit konservativen Maßnahmen. Sie können Schritt für Schritt oder in Kombination durchgeführt werden. In den allermeisten Fällen reicht eine konservative Behandlung für die Ausheilung des Fersensporns.

Grundlegend für die Behandlung von Fersensporn und Plantarfasziitis sind noch immer Schuheinlagen und spezielle Schuhzurichtungen. Diese können die lokale Überlastung der Sehnenansätze verringern. Der Sehnenansatz kann sich erholen und die schmerzhafte Entzündung abklingen.

Zu den konservativen Verfahren gehört das Arsenal der physikalischen Therapien. Lokale Reize durch Wärme, Kälte oder Schall fördern die Heilungsreaktion des Körpers.

Die ersten Maßnahmen:

  • Kühlen
  • Schonen und Belastung reduzieren
  • Analyse von Trainingswechsel, Materialwechsel und Belastungswechsel
  • Trainingsanpassung
  • auf keinen Fall unter Schmerzen trainieren oder Fersenschmerzen ignorieren

Manuelle Therapie, funktionelle Therapie und zellbiologische ZRT®-Matrix-Therapie bei Fersensporn

Verkürzung der AchillessehneDie Verkürzung der Achillessehne kann die Plantarsehne vermehrt belasten. Wenn das Sprunggelenk durch die Sehnenverkürzung nicht mehr über den vollen Bewegungsspielraum verfügt, verstärkt sich der Zug im Fußsohlenbereich. Eine physiotherapeutische Dehnung der Achillessehne kann dieses System wieder ins Gleichgewicht bringen und plantaren Fersenschmerzen vorbeugen. © Gelenkreha

Fersenschmerz kann aus einer gestörten Abrollbewegung des Fußes resultieren. Daher muss der Fußspezialist das Gesamtsystem Fuß-Sprunggelenk in seine Diagnose der Fersenschmerzen einbeziehen. Verkürzungen in der Wadenmuskulatur und der Achillessehne können langfristig Fersenschmerzen nach sich ziehen. Die Plantarsehne an der Fußsohle muss dieses Defizit ausgleichen.

In der Physiotherapie verbinden wir die Modelle der funktionellen Betrachtung der Bewegungsketten mit der zellbiologischen Regulationstherapie (ZRT®-Matrix-Therapie). Beide Behandlungsansätze der Fersenspornerkrankung sind nicht abgesichert, sondern naturheilkundlich und durch medizinische Erfahrungen geprägt. Die zellbiologisch begründete Therapie kommt zum Einsatz, wenn sich im Therapieverlauf andere Behandlungen als unwirksam erwiesen haben oder ein zu hohes Potential für Nebenwirkungen haben. Bisher konnte keine der herkömmlichen Therapien – Kortison, Stoßwelle, Operationen – eine eindeutige Wirkung bei geringen Nebenwirkungen aufweisen (Crawford 2010). Daher ist für uns diese physiotherapeutische Behandlung aufgrund des sehr guten Sicherheitsprofils eine trotz geringer wissenschaftlicher Evidenz ernstzunehmende praktische Therapiealternative. Wir sehen dabei in der Praxis die nachhaltigsten Therapieerfolge.

Behandlung der plantaren Fersenschmerzen durch die Matrix-Therapie. Die durch die Therapie entstehenden Schwingungen in der Plantarsehne sollen durch Verbesserung des Stoffwechsels die Degeneration des Sehnenansatzes an der Ferse verhindern. © GelenkrehaBehandlung der plantaren (fußsohlenseitigen) Fersenschmerzen durch die Matrix-Therapie. Die durch die Therapie entstehenden Schwingungen in der Plantarsehne sollen durch Verbesserung des Stoffwechsels die Degeneration des Sehnenansatzes an der Ferse verhindern. © Gelenkreha.de

Funktionelle Einheiten als Ansatzpunkt der Matrix-Therapie

Bei der funktionellen Betrachtung sehen wir Oberschenkel, Wade und Fuß als Einheit. Jede Bewegung und jeder Schritt umfasst alle Muskeln und Sehnen in dieser funktionellen Kette als Einheit. Diese Funktionskette schließt also das gesamte Bein ein und darüber hinaus den gesamten Bewegungsapparat. Wenn ein Muskel oder eine Sehne durch kontrakte Verhärtung oder Versteifung in seinem Verhalten verändert ist, ändert sich als Folge das Verhalten der gesamten Bewegungskette.

So würde eine Verhärtung oder Verkürzung des Wadenmuskels den Zug auf den Sehnenansatz der Achillessehne am Fersenbein erhöhen. Auch die Spannung der Plantarsehne an der Fußsohle nimmt zu. Es ist zunächst offen, an welcher Schwachstelle zuerst Schmerzen und Entzündungen entlang der Funktionskette auftauchen: Als Knieschmerzen, am Achillessehnenansatz (Achillodynie) oder am Plantarsehnenansatz (Plantarfasziitis oder unterer Fersensporn).

Dieser erfahrungsmedizinisch geprägten Betrachtungsweise folgend ist der Fersenschmerz durch Entzündung des Sehnenansatzes (Sehnenansatztendinopathie) an der Plantarsehne also ein funktionelles Problem der gesamten Bewegungskette am Bein: Der Fersenschmerz wird im Team mit dem Physiotherapeuten entsprechend umfassend behandelt.

Diese Behandlung bezieht also stets Oberschenkel- und Wadenmuskulatur mit ein. Der entsprechend ausgebildete Physiotherapeut sucht nach Verkürzungen und kontrakter Muskulatur im Bein. Durch manuelle Therapie und biomechanische Stimulationstherapie (BMS) lassen sich über die gesamte Bewegungskette – beginnend am Oberschenkel – Verkürzungen und kontrakte Bereiche beseitigen, auch in der Plantarsehne am Fuß.

Die Einbringung der Schwingung erfolgt mithilfe eines speziellen Handgerätes für biomechanische Stimulation in Längsrichtung der Muskelfasern und Sehnen. Der zellbiologischen Regulationsmedizin folgend ahmen diese Schwingungen das natürliche Muskelzittern nach, das wir bei sehr großer Anstrengung verspüren.

Einbringen der biomechanischen Schwingung im Bereich der WadeDie Schwingung muss nicht direkt an der Stelle des stärksten Schmerzes eingebracht werden. Die Wirkung in der extrazellulären Matrix erfolgt über den ganzen Verlauf der Muskelfasern. Die biomechanischen Schwingungen können eine Achillessehnenentzündung (Achillodynie) oder einen Fersensporn abmildern. © Gelenkreha

Funktionsweise der ZRT®-Matrix-Therapie

Das bei der ZRT®-Matrix-Therapie grundlegende hochfrequente Muskelzittern kurbelt den Fluss der extrazellulären Nährflüssigkeit in allen betroffenen Geweben an. Dies optimiert die Zellernährung und -regeneration und hilft, Entzündungen abzubauen. Auch im Normalzustand unterstützen unwillkürliche, stetige Muskelkontraktionen den Stoffwechsel der Gewebe und bilden damit die Grundlage der Organgesundheit im Organismus. Bei Muskelverhärtungen ist dieser Mechanismus gestört. Schmerzhafte Störungen der Muskellänge und der Bewegungsabläufe sind die Folge. Dieses integrierte Konzept wird etwa bereits seit den 60er-Jahren in der Betreuung von Spitzensportlern in Training und Wettkampf sowie bei Reha-Patienten nach Operationen angewendet. Dennoch gibt es keinen eindeutigen wissenschaftlichen Beleg für den Wirkmechanismus. In der Praxis sehen wir häufig eine Verbesserung der Schmerzsituation unter Anwendung dieser Therapie – auch bei Fersenschmerzen und Fersensporn. Weil der Therapieansatz für den Patienten angenehm und nebenwirkungsfrei ist, ziehen wir diese Anwendung bei Fersensporn häufig den invasiveren Methoden wie der Stoßwellentherapie oder der entzündungshemmenden lokalen Kortisonbehandlung vor, die ein wesentlich höheres Potential für unerwünschte Nebenwirkungen mit sich bringen.

Welche Übungen helfen bei Fersenporn?

Übung zur Dehnung des Musculus gastrocnemius in der WadeDer Musculus gastrocnemius zieht vom Fuß über das Sprunggelenk und das Knie. Daher kann er nur bei gestrecktem Knie gedehnt werden. © www.fuss-sprunggelenk-akademie.deDehnung des Musculus soleus in der WadeBei gebeugtem Knie werden der Musculus soleus, der tiefer liegende Wadenmuskel, der vom M. gastrocnemius bedeckt wird, und die Achillessehne gedehnt. Beide Muskeln können eine wichtige Rolle in der Entstehung des Fersenschmerzes einnehmen. © www.fuss-sprunggelenk-akademie.deDehnung der PlantarsehneDehnung der Plantarsehne: Hierbei soll die Großzehe – oder je nach Dehnungsgefühl alle Zehen – in überstreckter Stellung gehalten werden. Durch Vorbeugen des Kniegelenkes entsteht eine entsprechende Spannung. Diese Übung sollte man 10-mal hintereinander für etwa 10 Sekunden halten. © www.fuss-sprunggelenk-akademie.deExzentrische Dehnung der AchillessehneExzentrische Dehnung: Durch die geführte und vorsichtige Bewegung der Ferse nach unten dehnt man die Achillessehne dynamisch. Diese Übung nie unter Belastung oder ruckartig durchführen. © www.fuss-sprunggelenk-akademie.de

Die Dehnung von Achillessehne, Wadenmuskulatur und Plantarsehne ist sowohl zur Vorbeugung als auch bei gesicherter Plantarsehnenentzündung wichtig und hat einen nachgewiesenen therapeutischen Effekt (Porter et al., 2002). Studien haben gezeigt, dass auch Stoßwellenbehandlungen des unteren Fersensporns wesentlich effizienter sind, wenn die Patienten begleitend Dehnübungen der Plantarsehne durchführen (Rompe et al. 2015).

Die Dehnung von Muskeln und Sehnen ist eine wichtige Methode, um die funktionelle Kette aller Bein- und Wadenmuskeln durch direktes Training intakt zu halten. Durch gezielte Dehnung der Achillessehnen und Wadenmuskeln beugen vor allem Laufsportler Muskelkontraktionen und Verkürzungen in diesem Bereich vor, die zu einer Zugspannung am Fersenbein führen können. Auf diese Weise lassen sich Fersenschmerzen gezielt verhindern.

Diese Übungen werden von uns auch begleitend zur manuellen Therapie und der ZRT®-Matrix-Therapie des Fersensporns empfohlen.

Da diese Übungen unabhängig von konkret vorliegenden Fersenschmerzen wichtig zur Gesunderhaltung dieses sensiblen Bereichs sind, möchten wir an dieser Stelle auf die regelmäßig stattfindenden Präventionskurse ("Aktivprogramm für schmerzfreie Füße") verweisen, die wir in Kooperation mit der Gelenkreha-Physiotherapie Gundelfingen ausgearbeitet haben.

Schuheinlagen zur Entlastung der Plantarsehne

Einlagenversorgung im QuerschnittFunktion der Locheinlage im Querschnitt der Ferse: Die Locheinlage entlastet nach genauer Lokalisation der Ursache des Fersenschmerzes die geschwollene Faszie (Muskelhaut). Diese Einlage hilft besonders gut gegen Belastungsschmerzen der Ferse. © Dr. Thomas Schneider

Weiche, mit Schaumgummi gefütterte Einlagen entlasten den Sehnenansatz der Fußsohle gezielt. Die Polster verstärken die Funktion des natürlichen Fersenpolsters – dem Fettgewebe an der Ferse. Sie reduzieren damit den Druck auf den Sehnenansatz und helfen, die Entzündung abklingen zu lassen.

Sie sollten dennoch eine detaillierte Diagnose Ihres Fersensporns erhalten, um an der tieferen Ursache des Fersensporns arbeiten zu können.

Die orthopädietechnischen Maßnahmen dienen vor allem der Polsterung und Entlastung des Plantarsehnenansatzes an der Ferse. Die Überlastung der Plantarsehne mit mikroskopischen Rissen führt langfristig zu schmerzhaften Kalkeinlagerungen und Entzündungserscheinungen, die den Krankheitswert des unteren Fersensporns ausmachen.

Folgende Möglichkeiten zur Einlagenversorgung gibt es:

  • Einlagen mit Aussparung zur Entlastung
  • Einlagen zur Unterstützung des Fußlängsgewölbes
  • Polsterung mit Locheinlage
  • Fersendämpfung

Physikalische Therapiemaßnahmen gegen Fersensporn

Die Entzündung der Plantarsehne führt zu einer Verdickung. Diese Verdickung überlastet den Sehnenansatz am Fersenbein. Wenn die Entzündung nicht unter Kontrolle gebracht wird, kann es zu Kalkeinlagerungen am Sehnenansatz kommen. Physikalische Maßnahmen stimulieren geschädigtes oder entzündetes Gewebe durch äußere Reize. Sie hemmen die Entzündung in der Plantarsehne.

Hilft die Stoßwellentherapie bei Fersensporn?

Stoßwellentherapie bei Fersensporn und PlantarsehnenentzündungStoßwellentherapie wird nicht nur bei Fersensporn und Plantarsehnenentzündung, sondern auch bei zahlreichen anderen Senenansatzentzündungen erfolgreich eingesetzt.

Die Stoßwellentherapie eignet sich nach unserer Erfahrung, um der Entzündung und krankhaften Verdickung der Plantarsehne beim unteren Fersensporn entgegenzuwirken. Studien haben gezeigt, dass – je nach Studie – 56 % bis 80 % der Patienten bereits nach einer einmaligen Anwendung der Stoßwellentherapie eine deutliche Verbesserung der Schmerzsymptomatik zeigten. Andere Studien konnten hingegen an größeren Patientenpopulationen keine besondere Wirkung der Stoßwellentherapie feststellen (Haake et al. 2003). Es gibt Hinweise darauf, dass die Stoßwellentherapie vor allem bei Laufsportlern eine gewisse Wirkung hat und bei anderen Patienten mit Fersenschmerz sehr effektiv ist (Coole et. al, 2004).

Die extrakorporale Stoßwelle wirkt als energiereicher, mechanischer Kraftimpuls ohne Operation tief in das Gewebe hinein. Dort kommt es zu vielfältigen Effekten. Die dadurch provozierte, häufig schmerzhafte Heilungsreaktion soll auch die chronische Plantarsehnenentzündung beseitigen. Am effektivsten wirkt die Stoßwellentherapie in Kombination mit einer Einlagenversorgung der Ferse (Yan W1, Sun S, Li X., 2014).

Wie erklärt man sich die Wirkung der Stoßwelle bei Fersensporn?

Die Stoßwelle wirkt tief in das Gewebe hinein. Der Effekt der Stoßwelle löst eine Heilungsreaktion im Gewebe des Plantarsehnenansatzes aus. Als energiereiche Schallwelle reizt sie das Gewebe der Plantarsehne. Die Therapie kann zudem Verkalkungen lösen.

Auf biologischer Ebene fördert die Stoßwelle das Einwachsen von Blutgefäßen (Vaskularisation) sowie die Bildung von Faktoren, die die Zelldifferenzierung beeinflussen.

Kortisonbehandlung bei Fersensporn

Reaktionen des Körpers auf Kortison:

  • Cushing-Syndrom (rotes Gesicht, Stiernacken)
  • Gewebeschwächung und Muskelrückbildung
  • Blutdruckanstieg
  • Immunsuppression
  • Unterdrückung von Entzündungsprozessen
  • Sehnensatz wird spröde, Rissgefahr steigt
  • Rückbildung des dämpfenden Fersenfettpolsters

Kortison ist ein körpereigenes Stresshormon, das in bestimmten Situationen vom Organismus selbst gebildet wird. Die Injektion von Kortison in das Bindegewebe der schmerzenden Plantarsehne ist ein weit verbreitetes Therapieverfahren. Kortison wirkt zwar schnell, aber häufig nicht nachhaltig. Wenn sich die Biomechanik des Laufens nicht ändert, kommt der Fersenschmerz häufig wieder. Mit dem hohen Nebenwirkungspotential der Kortisoninjektion ist die kurzfristige schmerzlindernde Wirkung relativ teuer erkauft Crawford et. al 2010).

Kortison kann die lokale, schmerzhafte Entzündung am Sehnenansatz schnell abklingen lassen. Die Behandlung der Fersenschmerzen mit einer Kortisoninjektion ist aber nicht unproblematisch. Das Risiko für Nebenwirkungen ist hoch: Wiederholte Kortisoninjektionen können sowohl Strukturproteine an der Injektionsstelle als auch Fettpolster dauerhaft schädigen. Die Nebenwirkungen nach einer Kortisoninjektion zur Behandlung einer Sehnenentzündung schwächen das Gewebe am Ansatz der Plantarsehne noch Monate oder Jahre nach der Behandlung. Kortison ist daher nicht die Therapie der ersten Wahl.

Ein möglicher kortisonbedingter Abbau des plantaren Fettpolsters an der Ferse kann zu einer weiteren Ursache des Fersenschmerzes werden und die Sportfähigkeit des Patienten dauerhaft herabsetzen.

Häufig wird Kortison bei Fersensporn in Kombination mit einer Stoßwellentherapie eingesetzt. Das ist eigentlich eine paradoxe Behandlung. Das Stresshormon Kortison unterdrückt gezielt Entzündungs- und Heilungsreaktionen sowie Regenerationsprozesse im Gewebe. Die Stoßwellentherapie löst aber genau diese Prozesse aus. Kortison hebt also die Wirkung der Stoßwellentherapie größtenteils auf. Es schaltet mit der Entzündung häufig auch den Entzündungsschmerz ab. Die Kortisontherapie bei Fersensporn ist eine hinsichtlich der Symptomreduktion wirksame Methode, die aber mit viel Umsicht angewendet werden muss.

Botox®-Injektion zur Entspannung des Plantarsehnenansatzes beim unteren Fersensporn

Eine weitere Behandlungsmöglichkeit der Plantarsehne, die bei Versagen anderer Therapieformen angewendet wird, ist Botulinumtoxin (Botox). Die Wirksamkeit der Behandlung ist noch nicht wissenschaftlich gesichert und muss nach dem derzeitigen Stand der Forschung als experimentell bezeichnet werden. Botulinumtoxin ist als Substanz bekannt im Zusammenhang mit kosmetischen Anwendungen: In kleinen Mengen unter die Haut gespritzt kann es muskelentspannend wirken und vermindert die Faltenbildung. In der Orthopädie hat diese Anwendung vor allem bei Sehnenansatzerkrankungen immer mehr Aufmerksamkeit erregt und weltweite klinische Forschungen zu dem Thema ausgelöst. Wenn andere Therapieoptionen versagt haben, bieten wir die Botox-Behandlung bei einem schmerzhaften Fersensporn an.

Die konkreten Ergebnisse der Anwendung von Botulinumtoxin bei Plantarsehnenentzündung und Fersensporn sind häufig gut. Nach der Botox-Injektion bleiben viele Patienten auch bis zu 12 Monate und darüber hinaus beschwerdefrei.

Die Botox-Injektion lähmt Teile der Plantarfaszie über längere Zeit, nimmt dadurch den Zug vom Sehnenansatz und entkrampft die entzündete und dadurch verdickte Plantarsehne. Die Plantarsehne hat kurze Zeit nach der Botox-Injektion wieder ihren normalen Durchmesser.

Die Wirkung der Anwendung mit Botox wird folgendermaßen erklärt: Anders als Steroidinjektionen (Kortison) führt Botulinumtoxin nicht zu einem Abbau des Fersenfettpolsters. Es vermindert die Reduktion des Sehnenzugs am Sehnenansatz und wirkt dadurch der Entzündung entgegen.

Minimalinvasive Operation mittels Radiofrequenztherapie mit einer TOPAZ®-Coblations-Elektrode

Die Radiofrequenztherapie mit der sog. Coblations-Elektrode erfolgt minimalinvasiv. Der Operateur führt das nur 1 mm dicke Instrument durch einen minimalen Hautschnitt an die entzündete Stelle der Plantarsehne heran. Eine Serie von Plasmaimpulsen schmilzt verhärtetes Narbengewebe. Die Hochspannung des bipolaren (zweipoligen) Kopfes löst alle Molekülverbindungen auf kleinster Entfernung. Sogar Wasser wird in seine Atome zerlegt. Dieses Verfahren ist sehr sicher und gut kontrollierbar. In seiner Wirkung lässt es sich am ehesten mit einer Lasertherapie vergleichen. Es wird auch z. B. an den Bandscheiben der Wirbelsäule angewendet. Nach der Behandlung sind die meisten Patienten innerhalb weniger Tage schmerzfrei. Die Heilungsreaktion dauert bis zu 3 Monate an. In dieser Zeit bildet sich an der schmerzhaften und verhärteten Plantarsehne wieder geschmeidiges Bindegewebe. Eine der Folgen der Coblations-Behandlung ist die Neovaskularisation (Gefäßneubildung) im Sehnenansatz der Plantarsehne. Die verbesserte Durchblutung und Ernährung normalisiert die Funktion der Plantarsehne.

Literatur zur bipolaren Radiofrequenztherapie mit dem TOPAZ®-System

Endoskopische Operation des Fersensporns

Die Operation der plantaren (fußsohlenseitigen) Fersenschmerzen ist bis zum heutigen Tage keine bevorzugte Behandlungsoption bei Fersensporn. Sie wird frühestens dann in Erwägung gezogen, wenn der Fersensporn bereits über 6 Monate oder länger therapieresistent gegen alle konservativen Maßnahmen gewesen ist.

Die am weitesten verbreitete operative Therapie ist die teilweise Ablösung der Plantarsehne vom Fersenbein (endoskopische partielle Plantarfasziektomie). Die teilweise Ablösung vermindert die Spannung bzw. den Zug der Plantarsehne am Sehnenansatz.

Ein weiterer operativer Ansatz erfolgt über einen endoskopischen Zugang zum Plantarsehnenansatz am Fersenbein. Über den Schlüssellochzugang kann der Arzt den Bereich arthroskopisch reinigen.

Literatur zur Operation des plantaren Fersenschmerzes

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