Orthopädische Gelenk-Klinik

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Hüftschmerzen

Hüftschmerzen und Leistenschmerzen richtig verstehen

  1. Wo haben Sie Hüftschmerzen?
  2. Hüftschmerzen außen
  3. Leistenschmerzen
  4. Hüftschmerzen einseitig oder beidseitig?
  5. Im Liegen bzw. in Ruhe
  6. Beteiligte Strukturen
  7. Ursachen von Hüftschmerzen

 

Hüftschmerzen machen sich oft im Bereich der Leisten, im "Knick" zwischen Oberschenkel und Unterbauch bemerkbar. In vielen Fällen strahlen sie auch in eines oder beide Beine aus. Umgekehrt können Schmerzen aus der Lendenwirbelsäule in die Hüftregion ausstrahlen.

Hüftschmerzen gehören zu den am weitesten verbreiteten Gelenkschmerzen. Sie sind für Patienten ohne ärztliche Unterstützung schwer zu beurteilen. Bei schweren oder lang andauernden Hüftschmerzen empfehlen wir daher auch stets die Unterstützung durch einen Hüftspezialisten.

HüftschmerzenSchmerzen an der Hüfte können nach starker körperlicher Beanspruchung, aber auch ganz unabhängig davon auftreten. © Fotolia

Manchmal sind auch die Muskulatur, Nerven oder innere Organe in der Nähe der Hüfte Ursache des Hüftschmerzes, und nicht die Hüfte selbst. Auch Schleimbeutelreizungen können Druckschmerzen verursachen.

Hüftschmerzen: harmlos oder Strukturschaden am Gelenk?

Auch scheinbar harmlose und wieder relativ schnell abklingende Schmerzen, etwa nach Sturz auf das Hüftgelenk können zu einer irreversiblen Schädigung wichtiger Strukturen an der Hüfte führen. Der Sturz kann eine zunehmende Schädigung des Gelenks nach sich ziehen.

Daher ist eine Untersuchung durch den orthopädischen Hüftspezialisten mit bildgebenden Verfahren (Röntgen, Ultraschall, MRT) meist hilfreich zum Ausschluß solcher Schäden.

Hüftschmerzen können nach starker körperlicher Beanspruchung, aber auch ganz unabhängig davon auftreten. Sie äußern sich manchmal in morgendlichen Anlaufschmerzen oder auch als chronische Dauerbeschwerden. Häufig gehen sie mit Instabilität, Steifheit und einer Einschränkung des Bewegungsspielraums einher.

Man unterscheidet zwischen akuten (zeitweise auftretenden) und chronischen Schmerzen, die bereits länger als drei Monate andauern.

Der nachfolgende Artikel will keine Selbstdiagnose unterstützen, Ihnen aber helfen das Arztgespräch gut vorzubereiten. Wir wollen ein Bewusstsein dafür schaffen, wie sie mit Hüftschmerzen bei sich selbst oder Angehörigen mit Hilfe Ihres Arztes verantwortlich und gesundheitsbewusst umgehen können.

Die weitaus häufigste Ursache für Schmerzen an der Hüfte sind Verschleißerscheinungen am Gelenk (Hüftarthrose). Mit zunehmendem Alter findet ein Abbau von gesundem Gelenkknorpel statt. Bei vielen Menschen wird diese Gleit- und Pufferschicht im Gelenk so weit zerstört, dass schließlich Knochen auf Knochen trifft. Dies kann starke Schmerzen auslösen.

Diese Verschleißkrankheit Hüftgelenksarthrose (Coxarthrose) tritt meist im fortgeschrittenen Alter auf. Sie kann in selteneren Fällen aber auch jüngere Menschen treffen.

Auslöser für die Arthrose im Hüftgelenk sind neben altersbedingtem Verschleiß und Abbauprozessen Unfälle oder Verletzungen am Gelenk, angeborene Fehlstellungen oder Folgewirkungen von Stoffwechselkrankheiten.
Auch eine sogenannte systemische Gelenkentzündung, bei der mehrere Gelenke betroffen sind, kann Hüftschmerzen hervorrufen. Hier können die Ursachen in rheumatischen Prozessen oder einer chronischen Arthritis liegen.

Hüftschmerzen Untersuchung Klinische Untersuchung von Hüftschmerzen: Wenn durch die Rotation des Beines um seine eigene Achse - also dem Einwärtsdrehen des Fußes - ein Hüftschmerz ausgelöst werden kann, wird das als deutliches Zeichen für eine Hüftarthrose angesehen © Gelenk-klinik.de

Hüftschmerzen Diagnose

Besonders die Diagnostik der Hüftschmerzen und Leistenschmerzen bedarf einer interdisziplinären Zusammenarbeit mehrerer Fachärzte.

Das ist eine anspruchsvolle Entscheidung, denn unterschiedliche Diagnosewege benötigen ganz unterschiedliche Bildgebungen (z.B. Stressfrakturen oder Infektionserkrankungen).

Eine zielführende Diagnostik ist nur in enger Zusammenarbeit zwischen dem Radiologen und den Sportmedizinern und Orthopäden möglich. Diese wichtige Zusammenarbeit ist in der Gelenkklinik gegeben.

Das Arztgespräch

Welche Fragen stellt der Arzt?

  • Seit wann schmerzt die Hüfte?
  • Gab es ein auslösendes Ereignis?
  • Hat sich der Schmerz verbessert oder Verschlimmert?
  • Ist der Schmerz von einer bestimmten Bewegung oder Aktivität abhängig oder ein Ruheschmerz?
  • Qualität des Schmerzes: Dumpf, stechend, pochend?
  • Zeitverlauf: Plötzlich oder langsam auftretend?
  • Lage: Seitlich, tief drinnen, Leistenschmerz oder ausstrahlend?
  • Gibt es begleitend zu den Hüftschmerzen Fieber, Durchfall, Abgeschlagenheit und andere Entzündungszeichen?

Hüftschmerzen können eine Vielzahl von Ursachen haben. Der Ort, an dem Sie die Schmerzen verspüren, ebenso wie die Gegebenheiten unter denen Sie den Schmerz spüren helfen uns weiter die Ursache zu erforschen.

Der wichtigste Bestandteil der Diagnose ist das Patientengespräch. Alles an Ihrem Bericht über Ihre Hüftschmerzen ist für Ihren Arzt wichtig.

Die Klinische Untersuchung von Hüftschmerzen durch den Arzt

Klinische Untersuchung der Hüftschmerzen Bei der klinischen Untersuchung der Hüftschmerzen wird die Beweglichkeit des Hüftgelenks in alle Richtungen getestet. © Gelenk-Klink.de

Nach dem Arztgespräch folgt die wichtige klinische Untersuchung. Hier stehen konkrete Funktionseinschränkungen im Vordergrund: Ist die Bewegungskoordination durch Hüftschmerzen schon eingeschränkt? Schmerzhafte Bewegungseinschränkungen der Hüfte führen zu einem charakteristisch veränderten Gangbild. Die Patienten versuchen Gewicht von der schmerzenden Hüfte zu nehmen. Das führt zu einem marionettenhaften Gangbild.

Beweglichkeitsuntersuchungen des Hüftgelenks in jede Richtung zeigt Bewegungseinschränkungen. Diese Bewegungseinschränkungen können häufig und aus unterschiedlichen Gründen auftreten: Nach Trauma, Infektionen, oder wegen einer knöchernen Fehlbildung des Hüftgelenks (Hüftimpingement).

Durch Kraftmessung - Drücken des Beines gegen einen Widerstand in verschiedene Richtungen - kann eine Muskelrückbildung oder neurologische Störung der Muskulatur gezeigt werden.

Durch Drücken und Klopfen werden klopfschmerzhafte und druckschmerzhafte Bereiche ermittelt. Durch diese Untersuchung - die sog. Palpation - kann auch der genaue Schmerzort bestimmt werden. Hüftschmerzen im Gelenk können so von Schmerzen unterschieden werden, die im Bereich der Schleimbeutel (Bursa) oder Sehnen entstehen.

Der Arzt versucht auch, aus dem Bauchraum oder aus der Lendenwirbelsäule in die Hüfte einstrahlende Schmerzen zu identifizieren.

Der Arzt prüft auch die Beinlänge: Beinlängenunterschiede sind häufig Folge von chronischen Hüft- oder Kreuzschmerzen. Die Beinlängenunterschiede können eine anatomische Ursache (Skelettbildung) haben. Auch muskuläre Beschwerden in Form von kontrakten (unbeweglichen oder verkrampften) Muskeln können das vollständige Ausstrecken des Beines blockieren und dadurch einen Beinlängenunterschied verursachen.

Die Form der Wirbelsäule wird ebenfalls inspiziert: Gibt es im Bereich der Lendenwirbelsäule eine Fehlstellung?

Muskelreflexe werden ebenfalls untersucht und in das Gesamtbild miteinbezogen.

Blutbild ermittelt Infektionen, Stoffwechselerkrankungen und Rheuma

Sehr seltene Ursachen für Hüftschmerzen sind auch Infektionen wie die eitrige Hüftentzündung, Tumoren, z.B. im Rahmen von Metastasen. Auffällige und abzuklärende Symptome wie Gewichtsabnahme, Müdigkeit, Fieber, Schüttelfrost und Durchfall dürfen in diesem Zusammenhang nicht übersehen werden.

Blutuntersuchungen zum Ausschluß von Rheuma und Entzündungszeichen durch entsprechende Laborbefunde können ebenfalls stattfinden.

Sowohl Rheuma - eine unspezifische Weichteilinfektion - als auch Gicht als Stoffwechselstörung (Harnsäurestoffwechsel) können zu chronischen Schmerzen im Hüftgelenk führen. Eine Untersuchung des Blutzuckers kann außerdem die für Infektion oder Stoffwechselstörung spezifischen Risikofaktoren für Hüftschmerzen ermitteln: z.B. Diabetes, Infektionen und andere Stoffwechselerkrankungen sind Risikofaktoren für das Auftreten von Hüftschmerzen.

Worauf kann eine Blutuntersuchung bei Hüftschmerzen hinweisen?

Untersuchung der Hüftmuskulatur durch EMG

Im Zusammenhang mit der klinischen Untersuchung ist auch die Messung der elektrischen Muskelpotentiale (EMG) aufschlußreich. Durch Hautelektroden wird die elektrische Aktivierung der Muskeln um die Hüfte herum gemessen. Probleme mit der Muskelfunktion, Rückbildung von Muskeln, Nerveneinklemmungen und viele andere Probleme können so im direkten Seitenvergleich ermittelt werden.

Beispiel für Hüftschmerzen bei einem 36 jährigen Lauf-Sportler

Beispiel: Ein 36 Jähriger Mann sportlich aktiv. Intensives Lauftraining zuvor über viele Jahre Fußballspieler. Gibt seit einigen Monaten vermehrt Beschwerden mit Einschränkungen der Alltagsaktivität an. An einen Unfall kann er sich nicht erinnern.

Weiterlesen zur Klärung und Behandlung durch Hüftarthroskopie

Untersuchung des Hüftschmerz durch bildgebende Verfahren

Mit Hilfe des Röntgenbildes können Zustand von Knorpel und Knochen beurteilt werden. Insbesondere bei schwerem Knorpelverschleiß kann der Zustand des Gelenkknorpels anhand der Gelenkspaltverschmälerung beurteilt werden.

Angeborene Fehlstellungen des Hüftgelenks, insbesondere Hüftdysplasie, kann durch eine Röntgenuntersuchung festgestellt werden.

Das Ultraschallgerät kann den Zustand von Sehnen und Weichteilen abbilden. Verletzungen an Sehnen und Muskeln können unter Bewegung dargestellt werden. Damit ist das Ultraschallgerät sehr nah an der natürlichen Funktion des Hüftgelenks.

Der Computertomograf (MRT) kann feingewebliche Schnittbild-Untersuchungen an Sehnen, Muskeln und Knorpel vornehmen. Trauna und Sehnenrisse können sehr gut dargestellt werden. Auch für die Knorpeldiagnostik in früheren Stadien des Knorpelverschleißes ist das MRT Gerät sehr hilfreich.

Hüftschmerzen nach Verletzung, Sturz oder Unfall

Hüftschmerzen und die Sehnen und Bänder der Hüfte Hüftschmerzen nach Unfall: Sehnen und Bänder der Hüfte können bei Sport, Unfall oder Sturz verletzt werden. © Viewmedica

Unfallverletzungen aber auch zu intensive Belastungen können Hüftschmerzen auslösen.

Mögliche Unfallfolgen

  • Zerrung oder Riss der Hüftmuskulatur
  • Weichteilschäden
  • Fraktur des Oberschenkelhalses bzw Fraktur im Hüftgelenk
  • Riss der Gelenklippe (sog. Labrumriss)
  • Riss des Hüftkopfbandes (Lig. Capitis femoris)
  • v.a. bei Älteren (Osteoprose): Beckenringfraktur
  • Stressfraktur bei zu hoher Trainingsbelastung
  • Riss des Hüftkopfbandes (Lig. Capitis femoris)
  • Verletzung des Wachstumsfuge bei Kindern

Verschiedene Wahrnehmungen werden von Patienten nach Sturz oder Aufprall nach mechanischen Einwirkungen beschrieben: Schappen, Klicken, Krachen, Knallen sind die am häufigsten berichteten Wahrnehmungen für den Zustand bei oder nach Hüftverletzungen.

Für die Schädigung des Hüftgelenkes sind bei Unfällen die Kraft die auf den Körper einwirkt, entscheidend für die Verletzung. Auch die Qualität des Knochens und die Beschaffenheit der Weichteile spielt hierbei eine Rolle. Das Alter ist also ein wichtiger Faktor, für die möglichen Folgen eines Sturzes oder eines Aufpralls der Hüfte: So kann z.B. ein osteoporotischer Hüftknochen eines älteren Patienten natürlich weniger Krafteinwirkung unbeschadet überstehen, als ein Sportbelastung angepasster gesunder Knochen eines jungen Patienten.

Trotzdem kann auch ein Knochen eines jungen Patienten im Rahmen einer Stressfraktur der Hüftknochen erkranken, wenn die biologische Anpassung des Knochengewebes nicht ausreichend schnell erfolgt ist. Die Belastungssteigerung ist dann also nicht an den im Vergleich zum Muskeltraining wesentlich langsameren biologischen Prozess des Knochenaufbaus angepasst.

Hüftschmerzen nach Unfall bei Kindern

Auch bei Kindern gibt es schon Hüftschmerzen durch mechanische Belastung. Die Wachstumsfugen an den großen Muskelansätzen können betroffen sein. (sog. Avulsionsverletzungen). Ausrisse der Muskelansätzen mit dem Knochenansatzpunkt durch Verletzung der Wachstumsfuge.

Neben den Knochenschäden bei Gewalteinwirkung kann es aber auch zu Weichteilschädigungen kommen. Im Hüftgelenk sind diese Schäden häufig an der Gelenklippe, dem sog. Labrum acetabulare oder am Hüftkopfband (Ligamentum Capitis femoris) zu finden. Ein Labrumriss oder Labrumabriss ist diagnostisch schwer von Leistenschmerzen oder einem Leistenbruch zu unterscheiden. Schmerzqualität und Lage des resultierenden Hüftschmerzes sind ganz ähnlich.

Bild: Impingement der Hüfte SchemaLINKS: Normales Hüftgelenk aus Hüftpfanen und Hüftkopf. MITTE: Cam Impingement (Nockenwellen-Impingement) mit einer Deformität des Oberschenkelkopfes. RECHTS: Pincer Impingement (Beißzangenimpingement) mit einer Deformität der Hüftgelenkspfanne. Die Hüftpfanne reicht beim Pincer Impingement zu weit über den Oberschenkelkopf. © Dr. Thomas Schneider

Hüftimpingement: Bewegungsblockaden können zu mechanischen Hüftschäden führen

Untersuchung des Hüftimpingements Nicht jedes Hüftgelenk gibt den gesamten Bewegungsspielraum frei. Durch die individuelle Anatomie des Hüftgelenks können Knochen im Hüftgelenk schmerzhaft zusammenstoßen (Hüftimpingement) © Gelenk-Klinik.de

Manchen Bewegungsrichtungen werden nicht von jedem Hüftgelenk erlaubt. Je nach Form des Oberschenkelkopfes, oder der Gelenkpfanne kann das zum Aufprall (Impingement) von Knochen des Hüftgelenks führen. Man nennt diese Erkrankung auch Femoro-Acetabuläres Impingement (FAI). Ob es bei einer Hüftdysplasie zu Hüftschmerzen kommt, hängt also stark von der Lebensweise ab.

Wird der Zusammenprall der Knochen im Gelenk immer wiederholt, entstehen an diesen Stellen Knochen und Knorpelschäden.

Diese Schäden am Hüftgelenk werden also durch plötzliche endgradige Bewegungen verursacht.

Diese falschen Bewegungen sind leider nicht vorhersehbar. Sie haben im Hüftgelenk eine starke Abhängigkeit von der dem Betroffenen Patienten nicht bekannten individuellen Anatomie. Ein Patient mit einer veränderten Knochenanatomie kann durch bestimmte Bewegung unbewusst eine massive Schädigung des Hüftgelenkes bewirken.

In seltenen Fällen können auch Tumoren oder bestimmte Infektionskrankheiten die Auslöser von Hüftschmerzen sein.

Hüftschmerzen außen an der Hüfte

Schleimbeutel der Hüfte

Wenn die Schmerzen dumpf und beständig sind kommt bei Hüftschmerzen außen vor allem eine Schleimbeutelentzündung (Bursitis trochanter) in Frage. Hier sind am Trochantor major liegende Gewebe besonders anfällig, Diese sind auch sehr häufig beim Liegen auf der Seite betroffen. Die Beschwerden von dieser sog. Bursitis trochanterica können aber auch unter Belastung wie Treppensteigen Hüftschmerzen außen am Oberschenkel verursachen.

Schleimbeutel gibt es aber auch noch andere wie die Bursa iliopectinea, die eher Schmerzen beim Liegen in Rückenlage machen kann.

Hüftschmerzen und die Nerven der Hüfte Hüftschmerzen durch Nerveneinklemmungen: Nerven können an der Nervenwurzel im Rückenmark oder auf Ihrem Weg durch die Hüfte in das Bein eingeklemmt werden. © Viewmedica

Nervenreizungen als Ursache der Hüftschmerzen

Neurologische Ursachen

Nervenreizungen in der Hüftumgebung sind ebenfalls eine komplizierende Diagnosegruppe. Reizungen des Nervus Ischiaticus , Nervus Femoralis, Nervus obturatorius. Hier ist vor allem der Ischiasnerv wichtig. Wird die Nervenwurzel des Ischiasnerves an der Wirbelsäule eingeengt oder einer der Zweige des Ischiasnervs im Verlauf durch Muskeln oder geschwollene Gewebe gedrückt, sind dumpfe oder stechende Schmerzen in Gesäß (Pobacke), Hüfte und Oberschenkel möglich.

Wichtig für manche Fälle von Hüftschmerzen sind die Hautnerven Nervus Ilioinguinalis, Nervus Genitofemoralis, Nervus iliohypogastricus oder N. cutaneus femoris lateralis.

Diese Nervenkompressionssyndrome mit brennenden Schmerzen außen an der Hüfte können unterschiedliche Ursachen haben:

  • Druck oder zu enge Kleidung ("Jeans-Krankheit")
  • Übergewicht und Fettgewebe
  • Muskeltraining

Hüftschmerzen können auch durch eine Störung der Muskelsteuerung resultieren, ohne dass das Hüftgelenk selbst (Knochen, Knorpel und Bänder) erkrankt ist. Hiermit sind schwierig zu diagnostizierende Muskelungleichgewichte gemeint. Die Muskeln, die das Hüftgelenk führen, können durch unterschiedliche Kraft oder unzureichend gesteuerte Aktivität Schäden oder Schmerzen am Gelenk hervorrufen. Die Muskeln haben neben ihrer bewegenden Funktion auch eine sog. zentrierende Wirkung auf den Hüftkopf.

Beim Gehen, Laufen, Rennen und Springen kann durch Störungen der Muskelsteuerung die mechanische Belastung im Hüftgelenk stark zunehmen. Das kann Schäden im Hüftgelenk und Hüftschmerzen zur Folge haben.

Hüftschmerzen einseitig oder beidseitig

Einseitige Schmerzen

Einseitige Hüftschmerzen sind eigentlich die Regel. Das gleichzeitige Auftreten von Hüftschmerzen auf beiden Seiten ist selten.

Fast immer ist eine Seite mehr betroffen. Es kann aber auch zu die Seite wechselnden Beschwerden kommen.

Zweiseitige Schmerzen

  • Rheuma
  • Gicht
  • Polyneuropathie (Stoffwechselbedingte Nervenerkrankung)
  • Erkrankung der Blutgefäße (pAVK = peripheres arterielles Verschluss-Syndrom)

Die Ursachen für einseitige Hüftschmerzen sind sehr vielfältig und die richtige Diagnose zu finden ist nicht einfach, aber für einen zufriedenstellenden Therapieerfolg unabdingbar.

Zweiseitige Hüftschmerzen haben meist andere Ursachen als einseitige Hüftschmerzen. Als Folge von akuter Überlastung treten Hüftschmerzen auch beidseitig auf.

Ebenso können Stoffwechselerkrankungen wie zum Beispiel Rheuma oder Gicht zu zweiseitigen Hüftschmerzen führen

Hüftschmerzen als Folge eines Unfalls oder eines Traumas (Sturz oder Schlag) treten dagegen fast immer einseitig auf.

Auch die neurologische Verursachung von Hüftschmerzen, etwa durch Bandscheibenvorfall (Ischias-Schmerz), ist fast immer einseitig.

Hüftschmerzen im Liegen bzw. in Ruhe

Im Ruhe bzw. im Liegen

Hüftschmerzen beim Liegen oder in Ruhe können verschiedene Ursachen haben. Wenn wir liegen wirkt die Schwerkraft nur gering auf unseren Körper ein. Die Statik des Beckens und der Hüfte spielt eine geringere Rolle.

Für die Hüftschmerzen im Liegen gibt es daher im Vergleich zu den Schmerzen unter Belastung ganz andere Ursachen. Trotzdem auch kann die aktuelle Belastung die Hüftschmerzen, die im Liegen auftreten, ebenfalls beeinflussen.

Fallbeispiel: Knorpelschaden der Hüfte

Auch der Knorpelschaden als Vorstufe der Hüftarthrose kann Ursache für Hüftschmerzen in Ruhe sein. Der klassische Fall ist ein sportlicher Patient der nach Belastung (Fußball oder Laufen) am Abend oder 6 Stunden nach der Aktivität Schmerzen mit Einschränkungen beim Gehen bekommt. Die Hüftschmerzen in Ruhe können nach der Aktivität die Nachtruhe stören, die nächsten beiden Tage werden wie Nachwehen im Hüftgelenk erlebt.

Weiterlesen zu Knorpelschaden des Hüftgelenks

An eine Infektion oder eine Beteiligung der Nerven denkt man vor allem auch dann, wenn die Hüftschmerzen im Liegen auftauchen.

Besondere Beachtung müssen auch Schmerzen aus der Lendenwirbelsäule und den Beckenbändern oder auch dem Kreuzdarmbeingelenk finden. Diese werden durch die Belastung im Alltag im Stehen gereizt und entzünden sich dann mit der Wahrnehmung beim Liegen. Auch ein Bandscheibenvorfall mit Nervenwurzelbeteiligung kann hier symptomatisch werden. Jeder Erkrankung mit Nerveneinklemmung ist häufig beim Liegen symptomatisch und häufig auch bei Nacht.

Die Hüftschmerzen im Liegen haben bei Ursache innerhalb des Hüftgelenks immer eine Schleimhautentzündung oder eine Knochenerkrankung.

Häufiger sehen wir auch Stressfrakturen im Hüftgelenk in den letzten Jahren durch übermäßige Belastungssteigerung im Freizeitsport.

Tiefliegende Hüftschmerzen und Leistenschmerzen

Die häufig gestellte Diagnose der weichen Leiste als Leistenbruch des Sportlers ist bei uns weit seltener als häufig beschrieben wird. Nur etwa 2% der Leistenschmerzen werden durch diese Schwächung der Bauchwand hervorgerufen.

Symptome Leistenschmerz

  • Scharfer, stechender Schmerz
  • Stumpfer Schmerz
  • Druckgefühl
  • Beule oder Hernie in der Leiste (Vorwölbung der Bauchdecke)
Der Leistenschmerz ist ein häufiges Symptom in der Sprechstunde der Gelenkklinik. Bei Sportlern ist der Leistenschmerz eine extrem häufige Ursache, für Trainings- und Wettkampfausfälle. Statistisch fallen mehr als die Hälfte aller Fußballprofis wegen Leistenschmerzen mehr als einmal in Ihrer Laufbahn aus. Die Anatomie der Leiste ist sehr kompliziert. Eine Betrachtung nur aus Sicht einer ärztlichen Disziplin ist nicht erfolgversprechend: Die eng benachbart liegenden Strukturen der Leiste sind:
  1. Hüftgelenk mit Knochen-Knorpel, Labrum, Bänder, Muskel, Sehnen und Schleimbeutel.
  2. Außerhalb der Hüfte liegende Erkrankungen ohne direkte Organzugehörigkeit:
    Hier sind Nervenengpässe, Wirbelsäule, Becken und Nervenwurzel zu nennen.
  3. Innere Organe (Darm, Genitalorgane bei Frau und Mann)

Die vielen möglichen Ursachen der Leistenschmerzen, machen es notwendig, ein Team an spezialisierten Ärzten vorzuhalten, um die für eine erfolgreiche Therapie notwendige Diagnose zu sichern.

Die klare Schmerzzuordnung ist bei Leistenschmerzen erst durch Kenntnis der komplexen Differentaldiagnosen möglich. Diese ist in der akuten Phase der Leistenschmerzen in den ersten 4 Wochen besonders wichtig. Diese akuten Beschwerden lassen sich noch gezielt diagnostizieren und behandeln.

Bei länger bestehenden Beschwerden sog. chronischen Leistenschmerzen ist die Therapiechance schlechter. Die Ursache für Leistenschmerzen sind ebenfalls sehr verschieden.

Gerade im Fußball werden die Leistenschmerzen durch Be- und Entschleunigung sowie durch die abrupten Richtungswechsel auf teilweise bremsenden Untergründen als Hauptursache gesehen.

Leistenschmerzen durch muskuläre Dysbalance

Die Schwungbewegung des Schussbeines scheint ebenfalls eine hohe Belastung der Rumpf-Becken-Bein Region zu sein. Hier wirken die Muskeln und Bänder, sowohl als statische sowie dynamische Strukturen auf die Leiste ein. Ein wesentliches Problem für Leistenschmerzen schient hier immer die muskuläre Dysbalance zu sein. Die zentrierende Funktion der Hüft-Beckenmuskulatur und auch die stabiliserende Funktion wird dadurch gestört. Einseitig Muskelbelastung ohne entsprechende ausgleichende Muskeltrainingseinheiten sind häufig Ursache für Beschwerden.

Sehr häufig werden durch diesen Mechanismus Muskelprobleme an den Ansätzen oder durch Verkürzung in den Muskeln, besonders an den sog. Adduktoren der Beininnenseite hervorgerufen. Die Stressreaktionen die bei chronischen Ungleichgewichten entstehen, können bei entsprechend durchgeführter NMR Untersuchung am Schambein (Ansatz der Adduktoren), an der sog. Symphyse (osteiitis pubis) (Verbindungsstelle der Schambeinknochen in der vorderen Beckenmitte) oder auch am Sitzbein nachgewiesen werden. Der Ansatz der Beinbeugermuskulatur ist hier häufig betroffen. An dieser Stelle gibt es häufig auch Stressfrakturen.

Hüftschmerzen durch Arthrose des Hüftgelenks Hüftschmerzen als Folge der Hüftarthrose: Bei Hüftarthrose werden Gelenkknorpel abgebaut. Der Gelenksverschleiß verändert auch die Knochen des Hüftgelenks © Viewmedica

Chronische Hüftschmerzen durch Hüftarthrose

Was schmerzt bei Arthrose?

  • Knochenödeme (Wassereinlagerungen im Knochen)
  • Entzündliche Schwellung im Hüftgelenk

Im Frühstadium der Hüftarthrose treten nur morgens Schmerzen auf: nach ein paar Schritten sind diese meist überwunden, und der Patient spürt während des restlichen Tages wenig von seiner Gelenkserkrankung. Das gibt sich zwar rasch wieder, ist dennoch ein erstes und wichtiges Warnzeichen.

Typische Arthrosezeichen

  • Anlaufschmerz am Morgen
  • Hüftschmerzen nach Belastung
  • Leistenschmerz, manchmal auch ausstrahlend
  • Ruheschmerzen z.B. Nachts
  • Zunehmende Steifheit
  • Schmerzen beim Drehen des Beines um seine eigene Achse
  • Schonhinken

Eine Hüftarthrose führt erst in einem recht späten Stadium des Knorpelabbaus zu Hüftschmerzen. Der Knorpel des hüftgelenks ist nicht mit Schmerzrezeptoren ausgestattet. Daher ist erst eine Schädigung des Knochens nach Knorpelabbau schmerzhaft.

Auch Schwellungen und entzündliche Aktivierung der Arthrose können zu Hüftschmerzen führen.

Eine Hüftarthrose ist immer eine Schädigung des Gelenks durch Knorpelabbau und daher zunehmende Einsteifung der Hüfte.

Ist bereits ein fortgeschrittenes Stadium der Arthrose für die Hüftschmerzen verantwortlich, kann der Arzt recht eindeutig durch ein Röntgenbild unter Belastung den Abbau der Knorpelschicht im Hüftgelenk feststellen.

Zu Beginn der Hüftarthrose können die Schmerzen noch belastungsabhängig sein.

Im späteren Stadium der Hüftarthrose treten die typischen Anlaufschmerzen morgens oder nach Ruhephasen auf. Erst in einem späten Stadium gibt es Ruheschmerzen, die durch Schädigung der Knochen und entzündliche Schwellung auch Nachts oder im Liegen die Hüftarthrose anzeigen.

Osteonekrose der Hüfte (Hüftkopfnekrose)

Hier ist Aufmerksamkeit angebracht: Auch eine Knochennekrose der Hüfte (Osteonekrose) kann im Frühstadium durch Wassereinlagerung im Oberschenkelknochen zu den eigentlich für Trauma typischen typisch stechenden Schmerzen in der Hüfte beitragen.

Fachartikel zu "Hüftkopfnekrose" im Jameda Patientenforum.

Man kennt diese Schmerzen entweder von einer Verstauchung des Knochens oder einer Fraktur. Wenn die Oberfläche des Knochen schon geschädigt ist, treten diese Schmerzen auch bei fortgeschrittener Hüftarthrose auf. Wenn diese heftigen Schmerzen ohne Unfall oder Sturz auftreten, muss man einen krankhaften Prozess im Knochen selbst vermuten. Mit Hilfe einer MRT Untersuchung kann diese Wassereinlagerung im Knochen festgestellt werden. in einem späteren Stadium der Hüftkopfnekrose lassen die Schmerzen durch Knochenödem von alleine nach - die Krankheit dauert aber an.

Hüftschmerzen durch Arthrose sind nicht nur ein Problem älterer Patienten: Auch jüngere Patienten können nach Sportverletzungen oder angeborenen Fehlstellungen bereits einen Verschleiß des Hüftgelenks erleiden.

Was tun bei Hüftschmerzen?

Vor allem sollte man sich bei stärkeren, regelmäßig oder dauerhaft auftretenden Schmerzen Klarheit über seine Ursache verschaffen, indem man einen Spezialisten konsultiert. Abwarten ist nicht zu empfehlen: Dauerschmerzen führen zur chronischen Überreizung der Schmerzfühler, und bestimmte mechanische Schäden durch Abnutzung sind irreparabel.

Bei der Therapie geht es in erster Linie um die Schmerzbekämpfung und die Erhaltung des Gelenks. Im Frühstadium von Gelenkbeschwerden kann man Medikamenten oder mit physikalischen Therapien (z. B. Wärmetherapie) gute Ergebnisse erzielen. Generell gilt: Je früher die Ursache für die Schmerzen erkannt wird, desto schneller und besser kann sie bekämpft werden.

Welche Möglichkeiten der Behandlung gibt es bei Hüftschmerzen?

Übersicht Therapieverfahren (die geeignete Methode wird durch die jeweils individuelle Indikation bestimmt):

Konservative Behandlungsmethoden

Operative Behandlungsmethoden

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